Camino de Santiago – Der Jakobsweg

Camino de Santiago – Der Jakobsweg

Eine Reise nach innen. Unser Versuch, das Leben zu verlangsamen. Vier Tage sind wir bisher gelaufenen, 13 und 11 kg auf dem Rücken. Begonnen haben wir in St. Jean Pied de Port, Frankreich. Dann geht es die Pyrenäen hinauf. Unsere Schritte werden immer langsamer, die Pausen immer länger. Erschöpft lassen wir uns neben einem Steinkreuz nieder. Sattes grünes Moos verdeckt die Schrift. Was wir entziffern können, führt uns weit zurück in die Geschichte. Weit zurück auch in unsere eigene Vergangenheit. All die Fragen von früher sind plötzlich nicht mehr so drängend. Irgendwie ist die Antwort immer die gleiche. Irgendwie mystisch, aber vollkommen beruhigend. Der Körper tut weh, aber über der Seele liegt Frieden.

Endlich haben wir es geschafft. Wir sind ganz oben. Die Berge sind weiß . Der Himmel ist blau. Ende April ist eine gute Zeit, hier zu sein. Bergab begleiten uns grüne Wiesen und das Gebimmel der zahlreichen Pferde, die hier die Glocken um den Hals haben. Das leuchtende Rot des allgegenwärtigen Mohns. Wilde Gräser, die sich im Wind wiegen. Endlich wird das Leben langsamer.
Der Weg vor uns ist immer noch steinig, aber unsere Augen erfassen den ganzen Raum, schauen über die Zeit hinaus.

Zwei Tage sind wir nun schon in Pamplona. Es ist eine sehr alte Stadt. Eine sehr besondere Stadt. Granny hat zwei Blasen zu versorgen und Opa muss sich ausruhen. Ernesto Hemingway hat diese Stadt berühmt gemacht und das „Encierro“, das Bullenrennen quer durch die Altstadt.

Wir sitzen im Café „Peregrino“, eine leere Tasse neben uns. Der „cafe con leche“ war exzellent. Das Tippen dieses Textes hat die Finger versteift, aber das Gemüt gelockert. Es stimmt, was die Leute sagen: „Der Camino ist ein steiniger Weg. Aber er ist auch ein mystischer Weg.“

Das junge Pärchen schultert die Rucksäcke. Wir wünschen Ihnen ein „Buen Camino“ und denken an die 80 Kilometer, die hinter uns liegen und nicht an die 800, die wir noch vor uns haben.

Die alte Dame am Nachbartisch lächelt mir freundlich zu. Eine vornehme Spanierin von Kopf bis Fuß. Ihren anschließenden Wortschwall quittiere ich mit einem dreifachen „si si si“. Verstanden habe ich kein Wort, aber meine Antwort kommt von Herzen.

Auch wir brechen auf, aber „nur“ zum Stadtbummel. Santiago de Compostela wird auf uns warten. Da bin ich mir sicher.

2 Gedanken zu “Camino de Santiago – Der Jakobsweg

  1. Auf den Spuren des Hape Kerkeling und vieler anderer.
    Hut ab vor eurem Mut!!!
    Ich wünsche euch einen fruchtbaren Jakobsweg, viele innere Erfahrungen und Erlebnisse und passt allezeit gut auf euch auf!

    Herzlichst
    Anna-Lena

  2. Ihr Lieben, dort, wohin mich mit meinen kaputten Knien kein Weg mehr führen wird, seid von Herzen gegrüßt! Ich lese von den ersten Strapazen und … beneide euch.
    Mein Brandenburger Pilgerweg war nur knapp über 100 km lang. Wie habe ich ihn geliebt.
    Jörge, du beschreibst das Empfundene und Erlebte wunderbar. Und ich möchte euch aus der Ferne weiterhin begleiten!
    Euch Wanderfalken von Herzen Gottes D´Segen auf eurem langenund so wichtigen Weg!

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