Camino 7

Camino 7

Der erste Grenzstein mit nur noch zwei Ziffern vor dem Komma! 99,963 km. Auch wenn es immer wieder hoch und immer wieder runter geht, wir kommen vorwärts. Santiago rückt näher!

Seit zwei Tagen keine Sonne. Wir laufen durch Nebel oder durch tief ziehende Wolken. So genau können wir das nicht unterscheiden. Aber wenigstens regnet es heute nicht. Gestern sind wir zum ersten Mal so richtig nass geworden. Auf dem Bild hält Marjorie nach der Sonne Ausschau – vergeblich an diesem Tag.

Dennoch sind wir begeistert, und zwar von dem Grün um uns herum. So viel verschiedenes Grün haben wir bisher nur in Irland gesehen. Richtig spannend wird unsere Wanderung durch die Wege. Ihr lest richtig – Wege können spannend sein.

Einmal ist es ein gepflegter Sandweg, hinter der nächsten Biegung befinden wir uns in einem Bachbett. Oder wir tauchen ein in einen langen Tunnel aus tief hängenden Ästen. Immer wieder durchqueren wir kleine Weiler, wo zahllose Kuhfladen uns zu einer Art Tanz zwingen. Jörg war schon im Tanzkurs unbegabt, und so trifft es ihn auch jetzt. Der Schritt zu groß – und voll rein in die Schei…

Zwei nicht so schöne Begriffe hatten wir über den Camino gehört: Autobahn und Völkerwanderung. Der erste Begriff stimmt sicher nicht. Vor allem in Galizien ist der Camino so schön und abwechslungsreich, dass es eine Freude ist.

Das Wort Völkerwanderung war bisher auch unzutreffend. Obwohl die Menschen morgens in etwa zur gleichen Zeit aufbrechen, hat es sich immer gut verteilt.

Aber seit wir heute Morgen Sarria verlassen haben, überholen uns immer wieder Gruppen von Menschen. Von Sarria aus sind es noch 115km bis Santiago de Compostela. Viele fangen hier erst mit ihrer Pilgerreise an. Der Grund: Wenn man durch zwei Stempel täglich nachweisen kann, dass man die letzten 100 km zu Fuß zurück gelegt hat, bekommt man in Santiago ein Papier überreicht, das einem als zertifizierten Pilger ausweist.

Ob Pilger oder nicht, das Menschenaufkommen konnte man heute mit gutem Gewissen als Völkerwanderung bezeichnen.

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