Wir sind

ein Deutscher und eine Kanadierin.
Sehr oft sind wir schon gefragt worden:


Warum? Wie? Was?

Warum wurdet ihr Vagabunden?
Wie könnt ihr euch das eigentlich leisten?
Was ist das Geheimnis eurer Ehe auf zwei Quadratmetern?
Ist es nicht ein Risiko, die Träume zu leben?


So oder ähnlich lauteten die Fragen, mit denen wir manchmal gelöchert wurden. Zunächst die kurze Antwort an die jungen Leser.

Wir sind Träumer auf Lebensreise. Wir leben unseren Traum. Manche sagen, wir seien mutig. Aber wir wollen nur nicht im Alltag untergehen. Und ja, es gibt ein Risiko - das Risiko, irgendwann einmal seine Träume nicht mehr leben zu können. Wann also ist die Zeit, den eigenen Traum zu leben? Unsere Antwort lautet: JETZT. Unser größtes Glück dabei ist es, den gleichen Traum zu haben.

Hier die längere Antwort an alle Spätzünder, an Senioren und Jungsenioren - einzig mit dem Zweck euch Mut zu machen.

Was also macht man, wenn das Berufsleben zu Ende ist?
Ja - ich weiß doch - davon träumen die meisten von euch und für diesen einen Zeitpunkt habt ihr tausend Pläne. Bei uns war es ein wenig anders. Wir hatten durchaus auch Spaß in unserem Beruf und wenig Zeit, um Pläne zu schmieden. Dann waren da auch noch unsere drei Kinder, die wir groß ziehen mussten/wollten. Im Rückblick bis heute unser größtes und schönstes Abenteuer.

Als dann das Berufsleben (irgendwie ziemlich plötzlich) zu Ende war, fiel mir, Jörg, mein alter Lehrer wieder ein. „Wenn du nicht immer anderes im Sinne hättest, könnte was aus dir werden.“, hatte er gesagt.

Nun viel ist nicht aus mir geworden, aber „das Andere“ reizt mich auch heute noch. Der Zufall half. Ich lernte junge Leute kennen, die mich faszinierten und glatt behaupteten, so einer wie ich könne das auch. Also tat ich es. Angeblich bezeichnete selbst Albert Einstein sich als einen „Spätzünder“. Das motivierte mich dann endgültig, am Tag meiner Pensionierung mit dem Reisen zu beginnen - nach dem Motto „besser spät als nie“.

Wir verkauften unser Haus. Kinder und Enkelkinder hatten sich sowieso schon in alle Welt zerstreut. Und wir zogen ins Hotel. Wir nannten es „1000 Sterne Hotel“. Auf dem Umschlag unseres Buches ist es abgebildet.

Zwei Quadratmeter teilte ich fünf Jahre lang mit einer Frau. Oder besser ausgedrückt - fünf Jahre lang hielt es diese Frau auf zwei Quadratmeter mit mir aus. Ganz wesentlich half uns dabei, dass wir -wann immer möglich- die Natur als Wohnzimmer benutzten. Unter einem blauen Himmel vor dem Auto am Frühstückstisch zu sitzen -irgendwo in Peru- und der Sonne dabei zuzuschauen, wie sie sich langsam über die Cordilliere der Sechtausender hocharbeitet, verschafft ein tiefes Glücksgefühl, auch wenn die Luft noch frisch ist. Eben dieses Glücksgefühl stellt sich garantiert auch ein, wenn man ganz allein zu zweit an der endlosen Atlantikküste in Uruguay sitzt und zuschaut, wie das Feuer vor dir immer kleiner und das Kreuz des Südens über dir immer größer wird. Unter der warmen Fliesdecke kuscheln wir uns noch enger aneinander und spüren, dass man glücklicher nicht sein kann.

Wir möchten auch noch ganz kurz auf die Frage eingehen: "Wie könnt ihr euch das denn leisten?" Manchmal hören wir diesen Punkt auch etwas zurückhaltender als resignierende Aussage formuliert: "Das könnten wir uns nie leisten."

Viele von diesen Leuten haben schöne große Häuser und schicke Autos, tragen Kleidung von Armani und machen jedes Jahr ihre zweiwöchige Flugreise auf die Malediven oder nach Mauritius. So zu reisen wie wir es tun, ist aber weniger eine Frage des "sich leisten könnens", sondern viel mehr eine Frage der Lebenseinstellung und - ja, auch eine Frage des Mutes.

Was möchte ich sagen können, wenn ich dereinst auf mein Leben zurückschaue? Wir möchten sagen können:"Wir haben unsere Träume realisiert."

In ganz besonderem Maße ist das Reisen eine Frage des Mutes. Bin ich bereit, für Jahre in einer spartanischen Umgebung zu leben? Bin ich bereit, mit ganz wenig Sachen auszukommen? Bin ich bereit, mich den Gefahren auszusetzen, die diese Art von Leben zweifellos mit sich bringt?

Ohne Marjorie hätte ich diese Reise nicht machen können. Eine unglaubliche Frau - diese Kanadierin. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der sie im Theater Basel beim Gang zur Garderobe die Blicke der Männer auf sich zog, legte sie sich im Urwald von Guatemala unter den Geländewagen, um mir beim Reifenwechsel zu helfen. Sprachgewandt, schnell und vielseitig glich sie meine Theorien immer zuverlässig mit der Praxis ab.

Wir haben uns auf den Weg gemacht. Das Ankommen war uns nicht wichtig. Wir wollten den Duft der fremden, weiten Welt riechen. Wir sind aufgebrochen, weil wir Zeit haben wollten - für uns selbst und für einander. Das war unser Traum. Fünf Jahre lang haben wir ihn gelebt.

Wir haben ein einfaches Leben im Einklang mit der Natur geführt und auf dieser Reise ganz wunderbare Menschen kennen gelernt. Einige wurden Freunde.

Die großen Antworten haben wir nicht gefunden, aber einige Fragen stellen wir jetzt genauer - und beharrlicher.

Vielleicht stecken wir ja auch ein paar von euch mit diesem unheilbaren Reisevirus an, gegen den es nur die eine Medizin gibt: Sich auf den Weg machen.

Weise Sprüche zum Reisen gibt es viele. Uns gefällt dieser hier aus Indien am besten:

 

Das Leben ist eine Brücke.
Geh über sie hinweg,
aber baue kein Haus darauf.

Ein paar Worte zu unseren Büchern

Eigentlich gibt es doch genug Gedrucktes über das Reisen. Warum also noch drei Bücher von Marjorie und Jörg?

Nun, unser Reisebuch ist kein Reisebuch im üblichen Sinne und schon gar kein Reiseführer. Was du hier findest, sind Tagebuchauszüge und kurze Geschichten. Notizen vom Wegesrand, eingesammelt in Kanada und anderswo. Das etwas andere Reisebuch eben.

Dann gibt es noch die zwei Gedichtbändchen. Das eine im DIN A5 Hochformat, das andere im DIN A5 quer. Das ganzseitige Bild links stammt jeweils von Marjorie. Jörg hat die Gedichte auf der rechten Seite geschrieben.

Warum nicht zum nächsten Besuch bei den Freunden solch ein Büchlein mitnehmen, anstatt wieder einmal die Flasche Rotwein?