Notizen-Mittelamerika

Belize - Im Vielvölkerstaat

Von Garifunas, Mayas und anderen

April 2008

M itte April ist ja noch relativ früh im Jahr. Aber die schwüle Hitze ist erdrückend, als wir um die Mittagszeit bei Chetumal / Mexiko die Grenze nach Belize überqueren. Als erstes werden die Reifen unseres Autos desinfiziert, denn das mexikanische Ungeziefer, welches in unseren Reifen sitzt, darf nicht mit nach Belize. Alle Bakterien, die sich weiter oben auf unserem Auto platziert haben können einreisen. In dem riesigen, spärlich eingerichteten Raum, in dem uns die Einreiseprozedur erwartet, kämpfen zwei Ventilatoren sehr weit oben an der Decke gegen die Hitze. Hinter einem mannshohen Pult sitzt in einer ziemlich dicken Uniform ein ziemlich dicker Herr. Freundlich lächelt er uns entgegen, nimmt unsere Pässe und fängt an, mit uns zu plaudern. Kein Machogehabe, keine unverständlichen Wortfetzen in genuscheltem Spanisch. In Belize, ehemals Britisch Honduras, wird Englisch gesprochen. Jedenfalls ist das die offizielle Landessprache. Daneben gibt es aber noch eine ganze Menge andere Sprachen, darunter auch Deutsch. Die Bevölkerung Belizes ist nämlich eine bunte Mischung aus englischen Siedlern, den Nachkommen afrikanischer Sklaven, indigenen Mayas und europäischen Einwanderern.

Inzwischen haben wir unsere Papiere und die nötigen Stempel im Reisepass. Die füllige, dunkelhäutige Dame am Schlagbaum in ihrer viel zu warmen Uniform flößt uns nochmals tüchtig Respekt ein. Aber sie ist an unserem Auto nicht weiter interessiert. Mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen und in einem melodisch klingenden Englisch heißt sie uns Willkommen in Belize und wünscht uns eine gute Reise. Ein paar Kilometer hinter der Grenze liegt an der Bucht von Chetumal das kleine Städtchen Corozal. Hier ziehen wir erst mal Geld aus dem Automaten. Für einen US-Dollar bekommen wir zwei Belize-Dollar. Mit dem richtigen Geld in der Tasche fährts sichs jetzt viel leichter. Es geht nach Süden, vorbei an eingeschossigen Häusern, die wegen des sumpfigen Landes auf Stelzen stehen. Kinder spielen im Dreck, Erwachsene dösen in Hängematten. Aus den Fenstern dudelt Reggae Musik. Es ist Siesta-Zeit. In dem kleinen Nest Burrell Boom biegen wir von der Hauptstraße ab und folgen dem Schild ‘Café’. Wir landen bei einem amerikanischen Ehepaar, das schon viele Jahrzehnte in Belize lebt. Er ist 77 und sie 74 Jahre alt. Die beiden reden so viel und auch noch durcheinander, dass wir unsere Enttäuschung zusammen mit dem Getränk, welches nur leicht nach Kaffee schmeckt, hinunterschlucken und machen, dass wir weiterkommen.

Über Dangriga fahren wir weiter nach Süden. Hier und weiter südlich wohnen die Garifunas. Sie sind Abkömmlinge von karibischen Inselbewohnern und ehemaligen afrikanischen Sklaven. Ihre Sprache ist eine bunte Mischung aus Englisch, sowie einigen karibischen und afrikanischen Sprachen. Sie haben beeindruckende Frisuren und winken uns freundlich zu. für einen Tauchkurs auf den Cayes, den berühmten vorgelagerten Inseln fühlen wir uns zu alt. Deshalb beschließen wir nach Placencia zu fahren. Das liegt auf einer Landzunge und ist mit dem Auto erreichbar. Die Piste ist ziemlich schlimm und vor allem ist sie ziemlich lang. Die Schüttelei will einfach nicht enden. Aber wir werden belohnt mit einem traumhaften Strand. Und wir belohnen uns auch gleich noch selber und mieten uns ein Holzhäuschen in echt karibischem Stil mit Bad, Küche und Veranda mit einer Hängematte.

Unser nächstes Ziel heißt San Ignacio. Das liegt im Landesinneren, nahe der Grenze zu Guatemala. Um dorthin zu gelangen, fahren wir über den alten, wunderschönen Hummingbird Highway. Es ist eine hügelige Landschaft. Üppiger Urwald und Orangenplantagen wechseln sich ab. Viele kleinere Flüsse kommen aus den Bergen, die von einspurigen Brücken überspannt werden. Für die Orangen ist im Moment Erntezeit. Riesige Lastwagen kommen uns entgegen, vollbeladen mit Orangen, auf dem Weg zur Fabrik, wo sie zu Saft verarbeitet werden. Bei der Pinkelpause des Fahrers gelingt uns ein Bild, allerdings nur von einem kleineren Truck.

Kurz vor San Ignacio erreichen wir Caesar’s Place, ein von vielen Travellern gerühmter Platz. Caesar ist nach Panama gegangen und hat das Regiment seinem Sohn überlassen. Der Platz heißt jetzt Orange Gift Shop & Gallery und wird von seinem Sohn Julian mit Frau Olda geführt. Übernachten kann man dort immer noch sehr schön, das Essen ist immer noch gut und die vielen wertvollen Tipps bekommt man jetzt vom Sohn. Also machen wir Caesars Place zu einer Art Basecamp, von wo aus wir die Gegend erkunden. Wir schauen uns das kleine beschauliche Städtchen San Ignacio an und fahren zur Mennoniten Siedlung Spanish Lookout, wo wir uns ein wenig wie in Deutschland fühlen.

Am nächsten Morgen brechen wir früh auf. Über eine raue Schlaglochpiste geht es tief hinein in die Mountain Pine Ridge Forest Reserve. Hier tief im wilden Dschungel versteckt sich die Maya-Stätte Caracol. Auf halber Strecke versperrt ein Militärposten den Weg. Ab hier geht es nur mit Militäreskorte weiter, seit vor etwa zwei Jahren mehrere Touristen von Banditen überfallen worden waren, die vermutlich über die nahe Grenze aus Guatemala kamen. Caracol wurde erst vor wenigen Jahren entdeckt. Die meisten Ruinen sind noch unter Grashügeln verborgen oder von Wald überwuchert. Aber was man zu sehen bekommt, ist beeindruckend genug. Wir nehmen uns einen Führer, der uns mit großem Eifer und in gutem Englisch die Geschichte dieser gewaltigen Stätte nahe bringt. Das tollste aber an diesem Mann ist, dass er uns auch die Pflanzen- und Tierwelt dieser Gegend erklärt. So schauen wir den Brüllaffen hoch oben in den Bäumen beim Fressen zu, beobachten Vögel mit komischen Nestern, schnüffeln an aromatischen Blättern und probieren seltsame Früchte. Wir staunen über die Ameisen, die unermüdlich große Teile von Blättern zu ihrem Bau schleppen. Und dass der Baum mit dem roten Stamm wirklich ‘Touristenbaum’ heißt, wollen wir zunächst nicht ganz glauben. Aber der Führer bestätigt es noch einmal und schiebt die Erklärung nach: Der Baum bekommt rote Rinde, die sich dann allmählich schält.

Abergläubisch sind wir beide eigentlich nicht. Aber am Schluß dieser schönen Fahrt wird es doch noch dramatisch. Jedenfalls sieht es so aus. Alle Fahrzeuge einschließlich der Busse haben sich schon auf den Rückweg gemacht. Etwa 5 Minuten später fahren wir als vorletztes Fahrzeug los. Der Hauptmann sagt, dass sie gleich folgen würden. Das Militärfahrzeug fährt immer als letztes. Nach etwa 2km kommen wir um eine Kurve – und quer über die Straße liegt ein dicker Baumstamm! Jörg tut genau das, was er für diesen Fall gesagt bekommen hat: Voll auf die Bremse, wenden und in hohem Tempo zurück. Die Soldaten schauen etwas irritiert, als wir zurückkommen. Einer schnappt sich noch eine Motorsäge, die Waffen legen sie sowieso nie aus der Hand, und los gehts – auf dem gleichen Weg zurück. wir folgen mit Abstand. Machen wir die Geschichte kurz: der besagte Baum war so morsch, das ihn der Wind über die Straße geworfen hat. Erleichtert fahren wir weiter. Etwas mulmig ist uns trotzdem. Zwischen einer freien Straße und einem Problem lagen fünf Minuten.

Zurück bei Julian und Olda kühlen wir unsere Füße im Fluß, duschen dann ausgiebig und ziehen uns saubere Klamotten an. Im Restaurant wartet Melver Hernandes schon auf uns. Das ist der Kellner, der uns all die Tage hier umsichtig betreut hat. Er stammt aus El Remate am Lago Petén Itzá in Guatemala und hat uns schon viele Tips für sein Land gegeben. Heute Abend hält er sich diskret im Hintergrund. Denn wir feiern Abschied von Belize. Das Essen ist köstlich. Zum Schluß bestellen wir uns noch einen karibischen Cocktail aus weißem Rum, Papaya, Ananas und Mango. In den Tropen bricht die Dunkelheit schnell herein. Die Kerzen flackern in der leichten Abendbriese und die Grillen beginnen zu zirpen. Jörg hat nur noch Augen für Marjorie. Heute Abend sieht sie einfach umwerfend aus. Und Marjorie? Sie fragt Jörg mit ganz sachlicher Stimme: “Findest du nicht auch, dass diese eine Grillenart wie unser altes Computer-Modem klingt?” — soviel zum Thema Romantik.

Zu den Bildern: 11 Belize

 

Guatemala - Im Land der bunten Trachten

Von Tikal nach Antigua

Mai 2008

Von Benque Viejo del Carmen reisen wir aus Belize aus und nach Guatemala ein. Die Grenzformalitäten sind einfach und problemlos. Eine kleine Schrecksekunde erleiden wir beim Zoll von Guatemala, der uns zwecks Kopien zu einem Copyshop schickt, den es nicht mehr gibt. Fünf Taxifahrer wollen uns ins nahe Städtchen fahren. Wir lehnen dankend ab. Marjorie marschiert sehr entschlossen zu dem Beamten zurück und klagt ihm unser Leid. Da ich hinter ihr stehe, sehe ich nicht ihr Lächeln. Aber es muss umwerfend gewesen sein. Denn der füllige Herr mit dem tollen Schnauzbart fällt fast vom Stuhl, als er sich erhebt. Jedenfalls macht er alle Kopien kurzerhand selber. Und zehn Minuten später sind wir in dem kleinen Ort Melchor de Mencos jenseits der Grenze. Das Dorf ist eine armselige Ansammlung eingeschossiger Lehmbauten entlang einer staubigen Hauptstrasse. Aber es gibt eine Bank mit einem Geldautomaten, an dem wir unsere ersten Quetzales herausziehen.

Wir fahren Richtung Südwesten über anfangs raue Schotterpiste. Der Staub der zahlreichen, entgegenkommenden Lastwagen raubt uns für bange Momente die Sicht. Doch nach zirka 50 km fahren wir auf gutem Asphalt. Und ab sofort wundern wir uns immer wieder über die breiten, gut ausgebauten Landstraßen Guatemalas mit befestigtem Seiten- und Mittelstreifen. Die Fahrt geht durch ein tropisches Hügelland, das zernarbt ist von kargen Rinderweiden mit ein paar armseligen Hütten dazwischen. El Petén heißt dieses spärlich besiedelte, nördlichste Departement Guatemalas. Nach rund 80km biegen wir Richtung Norden ab. Auf der gut ausgebauten Straße können wir schon einige einheimische Tiere bewundern wie Jaguar, Hirsch, Schlange, Truthahn und Ameisenbär – leider nur auf nett gestalteten Verkehrsschildern. Nach etwa einer Stunde erreichen wir unser heutiges Ziel – Tikal, die bedeutendste Maya-Ruinenstätte Guatemalas im dichten tiefgrünen Urwald des Petén.

Von 800 v.Chr. bis 900 n.Chr. war diese große Stadt bewohnt und hatte mehr als 100.000 Einwohner. Es ist für uns ein Rätsel, wie die Mayas diese riesigen Pyramiden errichten konnten. Dabei muss man wissen, dass sie das Rad aus religiösen Gründen nicht verwendeten, weil es der angebeteten Sonne zu ähnlich gewesen wäre. Wir stehen auf der Großen Plaza und bewundern die gewaltigen Tempel I und II, sowie die Nord- und Zentral-Akropolis. Wir ersteigen über eine steile Holztreppe den 58 m hohen Tempel V, den einzigen mit abgerundeten Kanten, und genießen eine herrliche Rundumsicht über das weite Land, aus dem die einzelnen Ruinen hervorlugen. Im Reiseführer lesen wir, dass dieses Volk auch ein erstaunliches astronomisches Wissen hatte. Wohlgemerkt zu einer Zeit, als die Kirche in Europa unsere Erde immer noch als Mittelpunkt des Universums beschrieb. Wir lesen von rätselhaften Handschriften, die immer noch nicht vollständig entschlüsselt sind und von einem ausgefeilten Kalendersystem, welches auf komplexen, mathematischen Berechnungen basierte. Doch dann, spätestens ab dem zehnten Jahrhundert, brach diese Hochkultur allmählich zusammen. Die Gründe dafür sind immer noch rätselhaft. Als im sechzehnten Jahrhundert die Spanier eintrafen, hatte der Dschungel die einst prachtvollen Stätten längst zurückerobert.

Nicht weniger beeindruckend ist die Pflanzen- und Tierwelt um uns herum. Auf diesen geschichtsträchtigen Steinen sitzend lauschen wir dem Konzert des Urwaldes. Vielfältiger Vogelgesang wird übertönt vom bedrohlichen Geschrei der Brüllaffen. Schwieriger ist es, unter dem dichten Blätterdach etwas auszumachen oder gar mit der Kamera in Bildern zu fixieren. Der Petén in Guatemala ist eine der größten Regenwaldreserven der Erde. Unzählige Vogel- und Insektenarten leben hier. Affen, Tapire, Reptilien und auch selten gewordene Raubkatzen sind hier noch zu finden. Leider nimmt das Besiedlungsprogramm der Regierung wenig Rücksicht auf das labile Ökosystem. Entlang unserer Strecke begleitet uns oft der beißende Rauch brandgerodeter Flächen. Manchmal züngeln die Flammen bis an die Straße. Der Anblick dieser schwarzen, verkohlten, spärlichen Überreste des Urwaldes ist deprimierend. Und immer noch treffen neue Siedler aus dem übervölkerten Süden ein.

Über Santa Elena gelangen wir nach Flores am schönen Lago Petén Itzá. Wir genießen das bunte Treiben in dem kleinen Städtchen bei einem kurzen Bummel. Wir wollen weiter nach Poptún zur Finca Ixobel. Diese Finca ist schon seit vielen Jahren ein Stützpunkt für Traveller, auch solchen, die mit eigenem Fahrzeug unterwegs sind. Aber wir haben nur bedingt Glück. Wir treffen nur Rucksackreisende und Robert den Manager. Er kommt aus Bamberg und lebt hier seit 17 Jahren. Von ihm bekommen wir viele gute Tipps. Weil es uns so gut gefällt, bleiben wir ein paar Tage, schreiben den Reisebericht fertig und erkunden zwischendurch das Finca-Gelände. Die Finca Ixobel wird ökologisch betrieben und bietet Guatemalareisenden unterschiedliche Übernachtungsmöglichkeiten: Camping, Hängematten und einfache Cabanas bis hin zum Doppelzimmer mit Dusche. Einige Volontäre arbeiten hier gegen Kost und Logis. Das Essen wird von einheimischen Frauen gekocht. Wir können zwischen drei Menüs wählen. Alles, was wir konsumieren, wird auf Vertrauensbasis in eine Liste eingetragen und bei der Abreise abgerechnet. Am Büffet können wir uns am Abend für 60 Quetzales (ca. 6 €) ausgiebig bei Salaten, Fleisch und Gemüse selbst bedienen. Für ein Tellergericht hätten wir nur 40 Quetzales bezahlen müssen.

Mit vier jungen Leuten brechen wir am späten Nachmittag zu Fuß zum Rodeo in Poptún auf. Anna und Matthias sind mit dem Rucksack unterwegs. Sie kommen eigentlich aus Schweden, leben aber seit einigen Jahren in London. Carsten ist Däne und auch mit dem Rucksack unterwegs. Der Schweizer Claudio fährt mit dem Fahrrad von Panama nach Norden. Das Bullenreiten begeistert uns alle. In der Pause genehmigen wir uns auf dem nahen Markt ein kräftiges Steak. Der Krach um uns herum ist so laut, dass wir uns gegenseitig nicht mehr verständigen können. Am späten Abend geht’s mit einem Tuk Tuk zurück auf den Campingplatz. Dass in diesen sehr wendigen Gefährten auf drei Rädern drei Leute auf die Rücksitzbank passen, hätten wir nicht geglaubt. Aber wir sind ohne größere Rückenschäden auf der Finca angekommen.

Über Fray Bartolomé wollen wir nach Lanquin. Über steile Serpentinen mühen wir uns hinauf von fast Meereshöhe auf über 2000 Meter. Die unbefestigte Straße führt über unzählige Hügelketten, durch saftige Täler und durch kleine Straßendörfer, vorbei an Maisfeldern und (zu unserer großen Überraschung) Kohlfeldern. Entlang der gesamten Strecke sind Baustellen. Überall werden neue Straßen gebaut oder alte verbreitert, bzw. ausgebessert. Wir sehen fast keine PKW mehr, nur Lastwagen und Pickup-Trucks und natürlich diese Kleinbusse – immer schön bunt, aber oft in antiquiertem Zustand, meist total überladen und mit einem Kamikaze-Piloten am Steuer. In blindem Gottvertrauen jagen sie über die Strecke, als gäbe es kein Morgen. Wann immer sich ihnen ein Fahrzeug in den Weg stellt, wird überholt. Ob es sich um eine nicht einsehbare Rechtskurve bergauf handelt, spielt keine Rolle. Maria, die am Innenspiegel baumelt, wird schon aufpassen. Aber die Menschen hier sind freundlich. Die Bauarbeiter grüßen mit erhobener Hand und schauen uns nach. An der ersten Baustelle haben wir Glück. Die Sprengung ist soeben vorüber. Der Landcruiser kann zeigen was er kann und Jörg ist glücklich. Doch das ändert sich bald. Fast 4 Stunden müssen wir an der nächsten großen Baustelle warten. Erst um 18:00 Uhr wird in beiden Richtungen für eine Stunde geöffnet. Bei Sebol sind wir nach Süden abgebogen um abzukürzen. Aber das erweist sich als Trugschluss. Die Straße ist provisorisch. Es gibt nur eine Spur und die wird manchmal unglaublich schmal. Der Rand ist unbefestigt, der Abgrund tief. Inzwischen ist es dunkel geworden. Auch nach Ende der Baustelle haben wird es nicht viel leichter. An jeder Weggabelung haben wir ein Problem. Natürlich keine Schilder! Im schwachen Licht einer 5 Watt-Leuchte, tief über Karte und GPS gebeugt trifft Marjorie aber fast immer die richtige Entscheidung. Manchmal warten wir auf Gegenverkehr und fragen – auch ein Erlebnis in stockdunkler Nacht! Völlig erschöpft erreichen wir nach einem 12 Stunden-Tag Lanquin. Ja – wir geben es zu: Heute haben wir Dinge getan, die wir eigentlich nie tun wollten.

Die Grotte von Lanquin beeindruckt uns nicht sonderlich. So fahren wir weiter zu den nahen Wasserfällen von Semuc Champey, dem ‘Ort, an dem das Wasser in der Erde verschwindet’. Der Rio Cahabon fließt hier etwa 300 Meter unterirdisch durch einen Tunnel. Oberhalb davon wurde in Hunderten von Jahren der Kalkstein immer weiter ausgewaschen, so dass sich natürliche Pools gebildet haben, die zum Baden einladen. Es ist heiß und die Wassertemperatur ist angenehm. Und so planschen auch wir mit den Fischen um die Wette. Auf dem Rückweg schauen wir noch ein paar Mayafrauen beim Waschtag zu.

Bald sind wir in Coban, einem netten kleinen Städtchen, wo es angeblich nur im Frühjahr einige sonnige Tage geben soll, ansonsten trübes und feuchtes Wetter. Wir haben Glück, denn es ist warm und sonnig. Und so entschließen wir uns, eine Kaffee-Plantage zu besichtigen, um unser Wissen über unser Lieblingsgetränk zu erweitern. Im 19. Jahrhundert gründeten deutsche Einwanderer in dieser Gegend große Kaffee- und Kardamonplantagen. Sie wurden jedoch während des zweiten Weltkrieges auf Druck der amerikanischen Regierung vertrieben. In der Finca Margarita, 1888 von J.Diesseldorf gegründet, erhalten wir auf der ‘Coffee-Tour’ während eines einstündigen Rundgangs gründliche Informationen über den Kaffeeanbau und die Weiterverarbeitung. Auf allen 8 Fincas, die zu dem Unternehmen gehören, baut man die Sorte ‘Arabica’ an, die besser ist als die Sorte ‘Robusta’. Mit einer Probe beenden wir die interessante Führung und kaufen dann im Shop noch Kaffee ein – selbstredend die Sorte ‘Arabica’.

Vm nächsten Tag errreichen wir das Biotopo del Quetzales, wo man im dichten Regenwald noch öfter Quetzals sehen soll. Dieser farbenprächtige Nationalvogel Guatemalas ist durch die großräumige Abholzung schon fast ausgestorben. Hoffnungsvoll checken wir uns auf dem Campingplatz und Privatpark Country Delight ein. Dessen Besitzer spricht recht gut Englisch und empfängt uns freundlich. Er stellt uns seinen Wachtturm zur Vogelbeobachtung zur Verfügung. Aber da der Vogel sehr scheu ist, haben wir heute Abend kein Glück. Auf der 6 Uhr-Wanderung am nächsten Morgen über den sehr schönen Weg im Hochnebelwald haben wir etwas mehr Glück. Wir hören mehrfach seinen Ruf und Marjorie meint ihn auch gesehen zu haben. Aber für ein Bild hat es nicht gereicht. Jörg tröstet sich damit, dass auch viele Guatemalteken diesen Vogel außer auf den Geldscheinen noch nicht gesehen haben.

Auch die Straße über San Christóbal Verapaz und Uspantán nach Nebaj ist in vielen Teilen noch nicht fertig. Durch die größte Baustelle kommen wir dieses Mal über die Mittagszeit ohne Probleme, obwohl der Höhenunterschied mehrmals zwischen 500m und 2000m beträgt. Aber es staubt gewaltig, denn hier hat es lange nicht geregnet. Die Bilder zeigen recht gut, welch tiefe Wunden der Landschaft durch die neue Straße zugefügt werden.

Das Städtchen Nebaj liegt in einem der tief eingeschnittenen Täler, umgeben von über 2000 m hohen Bergen. Hierher verirrt sich nur selten ein Tourist. Berühmt sind die Trachten der Frauen, insbesondere die Bluse, ‘Huipil’ genannt. Diese enthält Information über den Geburtsort, Religion, Position in der Gesellschaft, Webfertigkeit und Persönlichkeit der Trägerin und ist sofort entschlüsselbar durch eine andere Maya Frau. Der ‘Cinta’ ist ein anderes Wohnort-spezifisches Kleidungsstück. Dies ist ein 3-4 m langes Haarband, in welches verschiedene Figuren eingewebt sind und das in einem Kranz um den Kopf gewickelt wird. Aber manchmal tragen die Frauen auch eine Kühlbox auf dem Kopf. Dass die Schafe mit Maulkörben rumlaufen, haben wir noch nicht gesehen. Und ein Schwein an der Leine ist in Deutschland auch nicht gerade üblich.

In Chichicastenango finden wir ein nettes, kleines Hotel unweit vom Marktplatz mit einem abgeschlossenen Innenhof, wo unser Landcruiser sicher steht. Und so beschließen wir, hier unser Quartier aufzuschlagen und mit dem Bus zum Lago de Atitlan zu fahren. Was haben wir schon von diesem See gehört! Der schönste See Mittelamerikas war nur ein Attribut. Doch – er ist schön, von mehreren Vulkanen umgeben. Aber wir haben etwas Pech mit dem Wetter. Es ist ziemlich diesig. Schon bevor wir in Panajachel den Bus verlassen, springen uns die ersten Werbeplakate der Luxushotels an. In der Stadt selbst sieht es nicht besser aus. Dort wo kein Hotel, kein Restaurant, keine Bar und keine Reise-Agentur ist, befinden sich Souvenir-Stände, Klamotten-Läden und Kunstgalerien. die Straßenhändler allen Alters sind hier aufdringlicher als anderswo. Wir entschließen uns zu einer Fahrt mit dem Boot über den See nach Santiago Atitlan. Dort gefällt es uns besser. Insbesondere die Menschen faszinieren uns. Es ist schwierig, dieses quirlige Leben in Bildern einzufangen.

Was Marjorie so gefällt, sind die Boote und die Fischer in ihren Booten auf dem See. Einen Ausschnitt aus ihrer ‘Studie’ könnt ihr hier bewundern.

Die Rückreise im ‘Chickenbus’ wird zu einem besonderen Erlebnis. Der Bus heißt wirklich so, weil das ganze Gepäck, einschließlich des Kleinviehs auf dem Dach transportiert wird. Unter all den Mayas, hauptsächlich Frauen, die mit ihren Kindern vom Markt kommen, sind wir die einzigen ‘weißhäutigen’ Menschen. Marjorie und ich sitzen uns über den Gang gegenüber. Jeder nur auf einer Popobacke, denn die Leute sitzen in jeder Reihe zu dritt in jeder Bank. So auch wir. Dafür stützen wir uns gegenseitig mit der Schulter, damit wir nicht auf dem Gang landen. Die Fahrt dauert zirka zwei Stunden. Die Mayafrau neben Marjorie spricht recht gut Spanisch. Die Unterhaltung ist lebhaft. Es dauert immer nur Sekunden, bis der ganze Bus informiert ist.

Zurück in Chichicastenango gehen wir am nächsten Morgen auf den berühmtesten Markt Guatemalas. Die Gassen im Zentrum sind voll mit bunten Verkaufsständen. Der exotische Mix aus Farben, Düften und Geräuschen fasziniert uns. Und diesmal kaufen wir! Schließlich wollen wir ja zumindest den Enkelkindern etwas mitbringen.

Diese drei Bilder zeigen, dass in Mittelamerika auch die Männer manchmal arbeiten. Die drei kleinen Schuhputzer haben Jörg überzeugt, dass es auch an seinen Sandalen was zu putzen gibt.

Für die Fotopirsch am nächsten Tag hat sich Marjorie das Thema ‘Frauen’ vorgenommen. Einen kleinen Ausschnitt seht ihr hier.

In die alte Kolonialstadt Antigua verlieben wir uns beide sofort. Die einstige Hauptstadt Guatemalas liegt im Schatten dreier Vulkane: Fuego, Agua und Acatenango. Über die grob gepflasterten Straßen bummeln wir vorbei an gewaltigen Ruinen ehemaliger Renaissancebauten. Einst war Antigua eine Stadt der Kirchen und Kapellen. Heute findet man zwischen den Ruinen bezaubernde Hinterhofrestaurants und kleine Cafes. Und genau wegen dieser Mixtur bleiben wir eine Woche. Wir lieben diese Stadt.

Zum Abschluss dieses Berichtes nochmals das Thema Arbeit. In einer Jade-Fabrik schauen wir einer Frau beim Schleifen dieser edlen Steine zu. Dieses Bild mit einer Frau an ihrem ‘Webstuhl’ direkt auf der Straße sieht man in Guatemala oft. Auf dem letzten Bild in einem kleinen Buchladen in Antigua könnt ihr gut erkennen, wie Jörg schon jetzt das schlechte Gewissen plagt, dass dieser Bericht über Guatemala so spät ins Internet kommt.

Zu den Bildern: 12 Guatemala

 

Honduras - Von waghalsigen Passagieren und verrückten Busfahrern

Von Copàn nach Tegucigalpa

Februar 2009

Zu den antiken Stätten, die uns in Zentralamerika am besten gefallen haben, gehören Palenque in Mexiko und Tikal in Guatemala. Und genau diese beiden besuchen wir auf unser erneuten Reise nach Süden noch einmal. In Palenque haben wir oft Regen. Aber die paar Tage auf dem wunderschönen Campingplatz Maya Bell mitten im Urwald vergehen trotzdem wie im Flug. Hier machen viele junge und nicht mehr so junge Backpacker Station. Die schlafen meist in sogenannten Palapas. Das sind ein paar Pfähle im Boden mit einem aus Schilf geflochtenem Dach. Abends machen dann immer ein paar von ihnen Musik und singen Lieder (vorwiegend aus den 70ziger Jahren) zur Gitarre. Jörg freut sich schon wieder auf heute Abend. Da nimmt er wieder die ‘Azteken-Suppe’. Höllisch scharf und so gut!

Tikal in Guatemala ist neben Palenque in Mexiko unsere ‘Lieblings-Maya-Ruine’. Weil es so harmonisch in den Urwald eingebettet ist, wirkt es sehr geheimnisvoll. Unheimlich ist vor allem Nachts das Konzert der Brüllaffen, insbesondere, wenn man es noch nie gehört hat. Diese Affen sind deutlich kleiner als ein Schimpanse und leben in den Baumkronen. Unglaublich dass diese kleinen Tiere im Chor solche Geräusche machen können. Es klingt wie die Brandung eines Ozeans.

I n Tikal machen wir diesmal eine Führung mit. Unser Guide heißt Caesar und ist ein ganz besonderer Mensch. Seine Familie hat sehr unter den politischen Verhältnissen im Land gelitten. Seine Mutter ist mit ihm erst nach Mexiko und dann in die USA emigriert. Er erzählt uns: Die Mexikaner schauen auf die Guatemalteken herab, weil die kleiner und dunkler sind. (Viel größerer Mayaanteil!) In der USA ist er groß geworden, aber dann ist er vor 15 Jahren zurück nach Guatemala, weil sie ihn in der USA immer als Mexikaner behandelt haben und weil Guatemala etwas hat, worauf er stolz sein kann. . Jedenfalls war der Mensch unheimlich belesen und auch redegewandt. Es macht ihm Sorgen, dass in Guatemala so viele Waffen im Umlauf sind. Hier in Guatemala siehst du ständig bewaffnete Typen rumlaufen. Gestern wurden hier auf der Finca Getränke abgeliefert. Da fuhr auch einer mit so einem halbautomatischen Gewehr mit rum. Gearbeitet hat wohlgemerkt der Fahrer.

Nachdem wir uns auf der Finca Ixobel (noch ein Lieblingsort von uns !) von den vielen Kilometern erholt haben, fahren wir weiter nach Quiriguá. Auf dem Weg dorthin geht es durch große Bananenplantagen. Und kurz vor den Ruinen haben die Bananen doch tatsächlich ‘Vorfahrt’. Es dauert eine Weile, bis die Straße wieder frei ist.

Das besondere an Quiriguá sind die Stelen. Das sind hohe Steinsäulen mit vielen Bildern und Zeichen drauf. Die größte von ihnen ist über 10m hoch und wiegt 65t. Es ist uns ein Rätsel, wie die Menschen damals es geschafft haben, eine solche gewaltige Steinsäule zu errichten. Das andere typische Merkmal von Quiriguá sind große, runde, behauene Steinblöcke, die die Gestalt einer Schildkröte haben oder manchmal auch die Form eines Jaguars. Sie werden Zoomorphen genannt. Von den vielen Zeichen auf den Säulen und auch auf den Zoomorphen gibt es so viele Deutungen, dass wir den Eindruck haben, es bleibt sowieso vieles der Fantasie überlassen. Was uns beide bei all diesen Mayastätten aber am meisten fasziniert, ist die Tatsache, dass diese Hochkulturen in relativ kurzer Zeit ‘sang- und klanglos’ verschwunden sind und keiner weiß wieso.

Nun geht es durch abwechslungsreiche und, wie uns scheint, recht fruchtbare Landschaft. Marjorie gelingen ein paar Bilder von ‘seltsamen Vögeln’.

In Chiquimula kaufen wir US$, tanken noch mal voll und dann geht’s auf der CA11 Richtung Honduras. Zugegeben – wir sind etwas nervös. Denn die meisten ‘Schauergeschichten’ werden von den in Zentralamerika reichlich vorhandenen Grenzübergängen erzählt. Stundenlange Wartezeiten seien an der Tagesordnung und immer stürzt sich ein Heer von Tramitadores auf den Reisenden. Das sind Leute die einem helfen, erfolgreich durch den Formular-Dschungel zu kommen. Wir haben bisher Glück gehabt. Allerdings gehen wir immer gut vorbereitet an die Grenze. Jörg zieht sich sogar ein frisches Oberhemd an. Und dann fährt er ‘ganz frech’ an der langen Lastwagenkolonne vorbei. Aber an der Schranke ist auch für einen Toyota Landcruiser erst mal Schluss. Und dann kommen sie – all die jungen Männer. Aber charmant und in klarem Spanisch wimmelt Marjorie sie alle ab. Ihr schönstes Lächeln hat sie sich für den Uniformierten aufgespart, der lässig an der Schranke lehnt. Und der schiebt seine Sonnenbrille noch etwas weiter nach oben und zeigt seine weißen, makellosen Zähne. Nach wenigen Sekunden weiß Marjorie, was wo zu tun ist. So passieren wir in nur 35min bei El Florido die Grenze zu Honduras. Wir sind erleichtert.

Nach nur wenigen Kilometern erreichen wir Copán, die südlichste der Mayastätten. Aber da es heute schon später Nachmittag ist fahren wir zunächst mal an dieser berühmten Mayastätte vorbei und 11km weiter bis zum Agua Park des Hotels El Jaral. Dort haben wir den schönen Wasserpark ganz für uns allein. Internetverbindung haben wir auch und des Nachts sorgt eine schwer bewaffneter Wächter für unsere Sicherheit.

W ir haben sehr gut geschlafen und so machen wir uns tatendurstig zu den Ruinen auf den Weg. Es beginnt mit einem kleinen Schock über die hohen Eintrittspreise. Hatten wir in dieser abgelegenen Gegend nicht erwaretet. Kurz entschlossen lassen wir ‘den Tunnel’ aus und buchen nur das Freigelände. Und das ist beeindruckend. Keine mächtigen Pyramiden oder Tempelanlagen beeindrucken hier den Besucher, sondern kunstvoll behauene Stelen und vor allem das größte in Stein gehauene Schriftwerk der Maya, die sogenannte Hieroglyphentreppe. Sie erzählt auf 63 Steinstufen in über 2200 Zeichen die Geschichte Copáns. Leider sind die Gravuren vieler Steine kaum noch zu erkennen, obwohl die Treppe durch eine große Plane vor weiterer Erosion geschützt wird. Viele der Originale sind am Ende des 19. Jahrhunderts durch ein Abkommen mit den britischen Entdeckern billig ans Londoner Museum verkauft worden. Im Gelände stehen daher oft nur noch Repliken. Wir laufen bis zum Ende der großen Anlage, wo der nahe Fluss viel zerstört hat. Zum Abschluss besichtigen wir noch die rekonstruierten Wohnstätten Las Sepulturas der Mittelschicht von Copán, deren Sehenswürdigkeit, eine große Hieroglyphenbank, als Original auch im Museum steht.

Die kleineren Städtchen in Honduras haben uns gefallen. Insbesondere Copán Ruinas hat Flair. Wir staunen immer wieder über die kleinen dreirädrigen Autos, Tuktuk genannt. Wo die überall durchkommen! Wie viele Personen da drinsitzen! Wie billig die sind! Insbesondere Jörg staunt immer wieder über die ‘Stromverkabelung’ in Zentralamerika. Er will unbedingt ein Bild davon im Reisebericht haben. Marjorie hingegen ist von dem schwerbewaffneten Wächter beeindruckt. Und vom Café aus beobachten wir eine ganze Weile den älteren Herren mit seiner schönen Tasche. Am liebsten würden wir ihn fragen, was er denkt.

Da wir viel Zeit auf der Straße verbringen, haben wir uns entschlossen, ein paar Bilder zum Thema ‘Straßen in Zentralamerika’ zu bringen und euch ein paar Eindrücke zu geben, was alles auf mittelamerikanischen Straßen so gemacht wird, bzw. möglich ist. Manche Straßen sind asphaltiert, die meisten nicht. In letzterem Fall sind es meist ‘gravel roads’ mit vielen, vielen Schlaglöchern. Was sind wir froh, dass wir ein solches Auto haben!

Immer wieder sehen wir Männer einzeln oder in kleinen Gruppen die Straße entlang laufen – die Machete in der Hand oder an der Seite. Die Machete ist das Universalwerkzeug in Mittel- und Südamerika. Die Männer machen alles mit der Machete. Auf der Finca, wo wir im Moment sind, haut der Gärtner das Gras damit – stundenlang in gebückter Haltung. Wir haben aber auch schon zugesehen, wie die einen Baum damit fällen – Durchmesser mindestens 40cm!
Güter und Personen werden auf kleinen ‘Pickup Trucks’ japanischen oder amerikanischen Ursprungs transportiert. Wie die Personen auf diesen Autos sitzen, kann man zum Teil getrost als Akrobatik bezeichnen. Beim Betrachten der Bilder muß man sich klar machen, das sich diese ‘Gefährte’ mit 80 bis 90km/h bewegen!

Hättet ihr geglaubt, dass der Kaffee an der Straße getrocknet wird?!? Auf einem Stofffetzen in der Größe eines Handtuches oder auf einer Betonfläche der Größe eines halben Fußballfeldes – alles haben wir gesehen. Fasziniert haben wir bei einer ‘Entstehungsphase’ des von uns so heiß geliebten Produktes zugeschaut.

Ein Spezialthema widmen wir hiermit den Busfahrern. In Mexico ging es ja gerade noch. Aber ab Guatemala südlich sind die meisten Busfahrer verrückt oder lebensmüde oder beides. Das einzige was sich zur Entlastung sagen lässt: Der Bus ist das mit Abstand wichtigste Verkehrsmittel. Deshalb sind die Leute hier darauf eingestellt. Ein Bus hat sozusagen immer Vorfahrt. Aber was nützt dir das, wenn du bergauf in einer völlig unübersichtlichen Rechtskurve fährst und plötzlich kommt dir auf deiner Spur so ein Bus entgegen, weil er gerade am Überholen ist? Rechts von dir steiler Fels und auf der anderen Seite geht es 200m ins Tal runter! Wir sind ja inzwischen einiges gewohnt, aber das verursacht bei uns Beiden immer noch Schweißausbrüche.

Ab und zu gibt es ein paar Kilometer Autopista’. Das heißt aber nicht viel. Denn selbstverständlich kommen dir da Fußgänger und jede Menge Mopeds entgegen. Letzte Woche sind wir in die Dunkelheit reingekommen, obwohl wir genau das auf jeden Fall zu vermeiden suchen. Wir kommen um eine Kurve herum und vor uns zwei Autos völlig ohne Beleuchtung. Hatte eine Weile gedauert, bis Jörg die Situation erfasst hatte. Das hintere Auto war dabei das vordere zu schieben – Stoßstange an Stoßstange!

Da war die Gänseschar mitten auf der Hauptstraße schon drolliger. Da hält dann auch jeder. Vor mir zwei Autos hinter mir mindestens vier. Keiner hat gehupt oder sonst wie gedrängelt. Hupen tut hier sowieso ganz selten jemand. Das ist ja in Deutschland bekanntlich etwas anders.

An einem anderen Tag sind wir durch eine Gegend mit viel Zuckerrohr gekommen. Die Lastwagen haben zwei manchmal sogar drei Anhänger hinten dran. Über eine Stunde hatten wir den Duft in der Nase.

Die letzten Bilder zu diesem Thema sollen euch zeigen, warum wir dieses Schild immer sehr ernst genommen haben. Nur – es war nicht immer ein solches Schild vorhanden. Wenn ihr diese Bilder seht, versteht ihr, warum man in diesen Ländern bei Dunkelheit nicht fahren soll.

Der Lago de Yojoa ist der größte Binnensee von Honduras. wir sitzen an seinem südlichen Ufer in einem Restaurant und beobachte das Treiben der zahlreichen Vögel.

Von anderen Travellern haben wir gehört das Comayagua eines der schönsten Städtchen von Honduras sein soll. Also fahren wir hin und wir werden nicht enttäuscht. In dem schönen, kleinen Cafe sitzt es sich gemütlich unterm Baum. Marjorie bekommt von der freundlichen Bedienung sogar eine Blume geschenkt. Ob die wohl den Valentinstag kennt? Denn das der heute ist, hat Jörg natürlich vergessen. Aber in seinen Augen macht das nichts, denn seit Jahren hat er da die gleiche Ausrede: Für ihn ist jeder Tag des Jahres ein Valentinstag. Und jedes Jahr quittiert Marjorie diesen Spruch mit dem gleichen Lächeln.

I
m etwas kühleren Hochland nördlich der Hauptstadt Tegucigalpa übernachten wir ein letztes Mal in Honduras. Es ist hier viel trockener als im Petén in Guatemala. Von unserem Auto aus können wir beobachten, wie die Einheimischen kochen. Das Holz muss zum Teil von weit hergeholt werden – auf dem Fahrrad oder auf dem Buckel. Denn der Urwald wurde und wird immer noch in großem Stile abgeholzt oder brandgerodet. Das ist ein großes Problem für ganz Zentralamerika. Hoffentlich haben die vielen Versuche, dem Raubbau Einhalt zu gebieten, Erfolg.

Zu den Bildern: 13 Honduras

 

NICARAGUA - MI AMOR

León, Granada, Lago de Aroyo - nicht nur schöne Na...

Februar 2009

Bei Los Manos reisen wir ohne Probleme nach Nicaragua ein. Nach nur 45 Minuten sind wir im Land und fahren auf einer sehr guten Straße nach Estelí. Eine üppige Vegetation und große Bäume über und über mit orangefarbigen Blüten bedeckt heben unsere Stimmung sogar mehr als das erhabene Gefühl, die Grenzformalitäten gemeistert zu haben. Aber die Ernüchterung folgt auf dem Fuße. Jörg muss heftig auf die Bremse treten, um unser schweres Auto vor einem zackig salutierenden Polizisten noch rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Alle möglichen Papiere will er sehen, dann können wir weiterfahren. Genau wie wir es in einigen Reiseberichten gelesen hatten. Keine zwanzig Minuten später die nächste Kontrolle, auch diese wieder korrekt. Geht das jetzt durch ganz Nicaragua so weiter? Bald wird es dunkel. Das geht sehr schnell in diesen Breiten. Und wir wissen immer noch nicht, wo wir die Nacht verbringen sollen. Die kurze Dämmerungsphase hat eingesetzt. unsere Anspannung wächst. Endlich lesen wir in dicken roten Buchstaben ‘Hotel – 24 Stunden’. Erleichtert fahren wir in die Einfahrt hinein. Zwei ziemlich füllige Damen begrüßen uns freundlich und fragen uns, wie viele Stunden wir denn buchen wollen. Langsam begreifen wir. So viele blinkende Herzen. Wir, ein langjährig verheiratetes Paar, sind in einem Stundenhotel gelandet! OK, eine Sache erzählen wir euch noch: Wir haben eine ruhige Nacht in unserem Auto auf dem Rasen des Hotels verbracht. 😉

Sogar die Einheimischen warnen uns vor der N26, der Straße, die nach León führt. Aber wir haben keine andere Wahl. Das Wort ‘fürchterlich’ ist eigentlich noch zu milde. Es gibt große, tiefe Löcher im Asphalt mit zum Teil scharfen Rändern. Die kurzen Strecken ohne Asphalt sind nicht ganz so schlimm. wo immer es geht fahren wir neben der Straße über Waschbrettpiste. Das Wort ‘kriechen’ beschreibt unsere Fortbewegungsart genauer als ‘fahren’. Nur ein Fahrzeug überholt uns auf der ganzen Strecke – der Linienbus. Na ja, wenigstens keine Polizeikontrollen mehr! Jörg ist ziemlich gestresst, weil Marjorie noch ein paar Löcher sehen will – ein paar Schlammlöcher. Aber es lohnt sich. Es kocht und sprudelt überall. Das Gebiet wird von einem der umliegenden Vulkane ‘gespeist’. Unsere elfjährige Führerin zeigt uns genau, wo wir hintreten dürfen und wo nicht. Wo wir auch hinschauen, überall kochendes Wasser oder blubbernder Schlamm in den verschiedensten Farben. Und trotzdem wächst hier Grün. Die beiden weidenden Pferde wissen offenbar ganz genau, wo sie hintreten dürfen – ganz ohne Führer.

Unser erster Eindruck von León ist Schmutz und Chaos. Es ist nicht einfach, unseren Weg durch das Gewühl von Fußgängern und allen möglichen Gefährten mit und ohne Motor zu finden. Doch dann stehen wir plötzlich vor der Kathedrale – sehr beeindruckt von León. Wir parken ganz in der Nähe, assistiert von einem bewaffneten, aber sehr freundlichen Wächter einer Bank. Also können wir beruhigt hier parken. Dass gemütliche Café gegenüber der Kirche lässt den Stress der letzten Stunden von uns abfallen. Wir versuchen uns vorzustellen, wie diese dicken Mauern die Jahrhunderte so unbeschadet überstanden haben. Anschließend machen wir noch einen kleinen Bummel durch den Park, bevor wir unsere Suche nach dem ‘Hostal Marian’ beginnen – einem Tip von einem anderen Traveller.

Die alte Kolonialstadt León war eine Zeit lang Hauptstadt des Staates Nicaragua. Heute ist sie immer noch Mittelpunkt des geistigen und kulturellen Lebens. Es gibt eine Universität und ein gut ausgestattetes Kunstmuseum. Das Leben in den Straßen ist quirlig, vor allem in den Abendstunden. Kleine Cafes, Comedores und unzählige kleine Imbissstände direkt an der Straße. Und alles sehr sehr preiswert. Das beste Essen von León zu einem sehr vernünftigen Preis gibt es im Comedor EL CALLEJON. Es ist ein Familienbetrieb geführt von Angela C. de García.

Das beeindruckendste Gebäude ist zweifellos die Kathedrale León Basilica de la Asunción. Sie gilt als die größte und älteste Zentralamerikas. An ihr wurde lange gebaut. Aber die dicken Mauern haben noch jedes Erdbeben und Vulkanausbruch überlebt. In den Revolutionsjahren wurde vieles in dieser Stadt zerstört. Der Wiederaufbau geht nur sehr schleppend voran. Einige Gebäude sind schön restauriert, wie zum Beispiel die Kirche San Francisco.

In León wundern wir uns sehr, wie der Briefträger hier die Leute findet. Nur einige große Straßen, die aus dem Zentrum kommen, haben überhaupt einen Straßennamen. Hausnummern gibt es nicht. Es dauert eine Weile, bis wir es ganz verstanden haben. Aber da wir es jetzt kapiert haben, möchten wir es euch gerne erklären, denn es ist richtig spannend – finden wir jedenfalls. Bevor wir aber zu unserem Briefträger kommen, müssen wir euch erst einmal beschreiben, wie hier in Nicaragua eine Adresse aussieht. Die Adresse wird beschrieben. Dabei werden meist mehrere Möglichkeiten genannt. Als Beispiel geben wir euch hier die Adressangabe des ‘Hostal Marian’, in dem wir uns übrigens sauwohl gefühlt haben. Und zwar schreiben wir es für euch genau so auf, wie es auf der Visitenkarte steht: Directions to the hotel: (3 ways to get there) 1. (1) block to the West of the Ruben Dario Museum and 1/2 block to the North. 2. Behind the school La Salle 3. (1) block to the West of the Salman Supermarket and 1/2 block to the South. Zurück zu unserem Briefträger. Was macht also der Spezialist, wenn er trotz all dieser Angaben nicht klar kommt? Ganz einfach: Er fragt die Nachbarn.

Bei Nacht als Fußgänger durch León zu bummeln, ist nicht ganz ungefährlich. Banditos gibt es in dieser Stadt zwar kaum, aber dafür jede Menge Löcher im Bürgersteig. Sie sind rund, eckig oder ausgefranst. Sie sind flach wie eine Pfütze oder tief wie das Meer. Sie bilden einen bunten Flickenteppich, denn sie sind ohne System verteilt und mit Dingen aus aller Welt gefüllt. Am leichtesten haben es hier noch Verliebte, denn sie schweben dicht unter den Sternen.

In ganz Nicaragua ist die Motorisierung noch nicht so weit vorangeschritten wie in den übrigen zentralamerikanischen Ländern. Vor allem die großvolumigen Pickup Trucks sind deutlich weniger zu sehen. Das häufigste Verkehrsmittel ist das Fahrrad, das in der Regel mit zwei Leuten besetzt ist. Unglaublich, wie da manche von denen auf der Querstange sitzen. Auch Pferdefuhrwerke sieht man viele. Und alles wirbelt ohne System durcheinander. Aber nur einmal haben wir einen Unfall gesehen. Dann gibt es sofort einen Auflauf – wie bei uns auch. Der Getränketransport hat nur ein relativ geringes Fassungsvermögen, aber dafür ist er sehr flexibel im Verkehrsgewühl. Der verrückte Inlineskater war so schnell, dass uns kein Bild gelang.

Die Stadt Granada mit den Kolonialstädten Mexikos zu vergleichen, ist nicht übertrieben. Mit der Ausnahme vielleicht, dass alles nicht so touristisch ist und sicher weniger hektisch. Die meisten Gebäude sind in einem sehr guten Zustand. Um uns einen Überblick zu verschaffen, machen wir zunächst eine Rundfahrt mit der Pferdekutsche. Anschließend begeben wir uns dann zu Fuß auf eine Sightseeing Tour, natürlich unterbrochen von genügend Kaffee-Pausen.

Unser nächstes Ziel ist der Masaya National Park. Wir können fast bis an den Rand dieses aktiven Vulkans fahren. Die Parkschilder weisen darauf hin, rückwärts einzuparken, um im Falle eines Ausbruchs schnell wegfahren zu können. Eine dicke weiße Rauchwolke steht über dem Krater und hindert uns daran, tiefer in den Schlund dieses gewaltigen Berges zu schauen. Der Geruch ist ätzend. die Empfehlung, nicht länger als 20 Minuten zu bleiben, scheint vernünftig. Und so fahren wir ‘brav’ zum Besucherzentrum zurück, um noch ein wenig die Geschichte dieser bizarren Landschaft zu studieren.

Der Lago de Apoyo ist eine Perle unter den Seen Nicaraguas. Klein aber fein könnte man sagen. Die beiden Holländer Susana und Onno haben ein schönes Grundstück direkt am See, auf dem wir stehen dürfen. Es sind entspannende Tage mit Baden im See, Faulenzen, Reiseführer lesen, Fotos sortieren und Berichte schreiben. Schnell vergeht die Zeit. Wir müssen weiter nach Costa Rica, denn dorthin kommen unser Freunde aus Kanada. Mit ihnen wollen wir durchs Land reisen. Und darauf freuen wir uns schon sehr. Noch eine Info für Interessierte: Unter www.onstagenicaragua.com könnt ihr nachlesen, was Susana und Onno machen.

Die letzten Kilometer führen uns bei schönem Wetter am Lago de Nicaragua entlang und so gelingen uns noch ein paar Bilder von der sagenumwobenen Insel Ometepe. In Costa Rica wird auf den Straßen wohl mehr los sein, als das Bild zeigt. Adios Nicaragua.

Zu den Bildern: 14 Nicaragua

 

Costa Rica - pura vida

Im Land der Ticos.

März 2009

Wenn man von Nicaragua kommt, ist für die meisten Traveler die erste Station in Costa Rica die Finca Canas Castilla. Sie wird von den netten Schweizern Agi und Guido betrieben. Von der Anspannung unserer bisherigen ‘Zentralamerika-Durchquerung’ können wir uns hier so richtig erholen. Auch unseren kanadischen Freuden, Fran und Allen, mit denen wir die nächsten drei Wochen kreuz und quer durch Costa Rica reisen wollen, gefällt es hier auf Anhieb. Hier haben sie Zeit, sich auf die Klimaveränderung einzustellen (-30°C in Edmonton, +30°C in Costa Rica).

Geweckt werden wir hier morgens von den Brüllaffen, die sich in den gewaltigen Bäumen über uns tummeln. Das anschließende Frühstück, das uns Agi serviert, ist nicht mit Worten zu beschreiben. Gleich am ersten Morgen buchen wir auch unsere Abendessen dort, was wir ebenfalls nicht bereuen. Da vergisst Jörg sogar, dass er in der Schweiz schon drei Strafzettel bekommen hat. Der erste Tag vergeht mit der Erkundung des Farmgeländes. In aller Ruhe können wir einen Waschbären und einen Kaiman beobachten. Auf der anschließenden Wanderung prellt Marjorie sich den Popo, als sie bei einer Flussdurchquerung unglücklich auf einem Stein landet. aber allein zurück gehen will sie trotzdem nicht. Ein paar Meter weiter wäre Jörg fast auf eine lange dünne Schlange getreten. (Er ist in Badesandalen unterwegs!) Jörg sagt Guido später, sie sei giftig. Aber Marjorie gibt er die gegenteilige Auskunft. Wir wissen es doch, die Schweizer sind geborene Diplomaten! Die drei Tage vergehen wie im Flug. Ein ganz großes Dankeschön von uns Vieren, liebe Agi und Guido.

In Costa Rica gibt es auf der Pazifikseite zwei Halbinseln. Die größere und berühmtere von ihnen ist die Nicoya-Halbinsel. Hier erstreckt sich ein schöner Strand nach dem anderen. In unseren Träumen am Schreibtisch zu Hause war es für uns noch sonnenklar, dass wir an die Playa Tamarindo gehen, sollten wir ja nach Costa Rica kommen. Ein kleines beschauliches Dorf und phantastische Wellen. Und heute fahren wir an der Abzweigung mit dem Schild ‘Tamarindo’ vorbei und sind uns sicher, das wir es richtig machen. Unser Ziel heißt Playa Sámara, ein sicherer und ruhiger Strand. Keine großen Wellen, aber eine schöne Bucht und ein beschauliches kleines Örtchen, nicht verbaut und mit vielen netten Restaurants – kurz ein Ort zum Relaxen.

Im Moment sind wir in Guanacaste, eine der trockensten Gegenden in Costa Rica. Bis zu fünf Monaten fällt hier so gut wie kein Regen. Es gibt nicht all zu viele hohe Bäume und die verlieren zu Beginn der Trockenzeit ihre Blätter. Stattdessen schmücken sie sich mit einem prachtvollen Blütenkleid, welches uns oft genug ‘zum Bildermachen’ anhalten lässt. Ist das Land nicht kultiviert, verhindert meist dichtes, dorniges Gestrüpp ein Durchkommen. Dies ist das Paradies aller möglichen Echsen, Schlangen und Spinnen.

Man kann nicht von Costa Rica erzählen und den Kaffee nicht erwähnen. Dabei sollen die Einheimischen dereinst sogar gezwungen worden sein, diese Pflanze anzubauen. Das 20. Jahrhundert hindurch hing das kleine Land total vom Kaffee ab. Das ist heute nicht mehr so, aber natürlich wollten wir als begeisterte Anhänger dieses Getränkes endlich einmal wissen, was Sache ist. Die Führung durch Coop El Dos auf dem Weg nach Monte Verde war informativ und der Frappuccino ein Gedicht.

Die Straße von der Interamerikana hinauf ins Gebirge nach Monteverde ist schlecht – sehr schlecht. Aber das Ziel lohnt die Mühe. Das Reservat Monteverde und das Reservat Santa Elena gehören zum Beeindruckendsten unser Costa Rica – Reise. Der nebelverhangene grüne Hochgebirgswald ist der Lebensraum unzähliger Pflanzen- und Tierarten. Auch wenn wir den Quetzal nicht gesehen haben, diese Tage hier werden wir ganz sicher nicht vergessen. Es war uns nicht nach Sprechen zumute, nur nach Staunen. Und so sollen auch hier die Bilder sprechen.

Und wieder sind wir auf dem Weg zum Arenal, dem wohl berühmtesten Berg Costa Ricas. Nachdem es beim ersten Vorbeifahren in Strömen gegossen hat, haben wir diesmal Glück. Als es zur Laguna de Arenal hinunter geht, gelingt Marjorie das erste Photo. Nach einem guten Kaffee beim deutschen Bäcker Tom geht es auf der angeblich schönsten Straße Costa Ricas Richtung La Fortuna. Immer wieder halten wir an, um die schönen Ausblicke zu genießen oder auch um diverse Tiere vorbeiziehen zu lassen. Über manche Verkehrsteilnehmer wundern wir uns einfach nur.

Bilder von Costa Rica ohne Vögel? Das geht nicht. Die Auswahl war schwer.

Marjories Lieblingsfrucht ist die Ananas. Wir essen sie hier jeden Tag – einfach köstlich.

Eein paar Kilometer südöstlich von Cartago, der einstigen Hauptstadt Costa Ricas, beginnt die Straße nach Orosi. Die Landschaft ist traumhaft schön. Eine leichte Hügellandschaft, in der einfach alles wächst. Vom Frühstückstisch aus schauen wir am nächsten Morgen gebannt zu, wie der Volcán Turrialba sanfte, weiße Rauchwolken in den tiefblauen Himmel bläst. Unser Ziel an diesem Tag aber ist der Volcán Irazú, der höchste aktive Vulkan des Landes. Das Auto bringt uns bequem bis an den Kraterrand (wer lästert da?). Im Reiseführer lesen wir, dass dieser Berg 1963 das letzte Mal einen großen Teil des Valle Central mit einer 50cm dicken Ascheschicht bedeckte. Heute haben wir wirklich Glück mit dem Wetter. Die Sicht ist grandios, vor allem Richtung Atlantik.

Zurück im Orosital haben wir noch ein paar originelle Häuser angeschaut.

Die Vielfalt und Pracht der Blumen und Blüten Costa Ricas mit der Kamera einzufangen, ist eigentlich ein aussichtsloses Unterfangen. Aber ein paar Bilder wollen wir euch gerne zeigen.

Drei erlebnisreiche Wochen mit unseren kanadischen Freunden gehen zu Ende. Wo ist nur die Zeit geblieben? Ganz tief im Südwesten von Costa Rica, an einem wunderschönen Karibikstrand lassen wir sie ausklingen. Ein paar von unseren Hausgästen haben wir im Bild festgehalten. Die riesige Krabbe wollte unbedingt zu Marjorie ins Zimmer, welches Jörg natürlich heldenhaft verteidigte. Ein großer, blauer Schmetterling veralberte Marjorie jeden Morgen. Der kleine Salamander mit dem blauen Schwanz war ihr Liebling. Jörg hingegen verliebte sich in dieses Faultier, welches ihn aber überhaupt nicht zur Kenntnis nahm.

Zeit ‘Adios’ zu sagen. ‘Adios’ zu unseren Freunden. Es war eine schöne Zeit mit euch zweien! ‘Adios’ zu Costa Rica. Es ist ein schönes, wenn auch nicht unproblematisches Land. In Nicaragua haben uns die Menschen am besten gefallen, in diesem Land war es die großartige Natur.

Zu den Bildern: 15 Costa Rica

 

Panama -'Que Bonito Es Panama' (Janosch)

Von Costa Rica nach Panama

April 2009

Mit diesen vier Bildern wollen wir euch erklären, warum wir in Costa Rica so viel Mühe hatten, weiter zu ziehen. Die Karibikküste zwischen Porto Viejo und Manzanillo ist ein Ort zum Relaxen. Der Urwald reicht hier bis ans Meer. Der Sandstrand ist vom Feinsten. Das Klima ist (fast) immer gleich: Regen in der Nacht und Sonnenschein am Tag. Und Rio Cocles ist das Paradies auf Erden. Der Weg ins Paradies ist ein wenig mühsam. Den Schlaglöchern auszuweichen, erfordert fast so viel Geschick, wie auf den Wellen zu reiten, die hier an den Strand donnern. Aber dass es nicht leicht ist, ins Paradies zu kommen, das wissen wir doch alle – oder?!? Hat man es geschafft, wird man reichlich belohnt. Wir werden unserem Toyota untreu und buchen eines der schönen, sauberen Zimmer. Horst – der Hausherr – ist ein humorvoller Mensch mit klaren Ansichten und eine Fundgrube für Tipps. Und Marglet ist die beste Köchin der gesamten Karibik. Wo gibt’s die phantastischsten Arepas, die wir je gegessen haben? – Natürlich bei Marglet! Und last but not least die immer hilfsbereite Italia. Auch sie hat uns jeden Wunsch von den Lippen abgelesen. Euch allen Dreien sagen wir hier nochmals ein ganz herzliches Dankeschön. Und klar – wir kommen wieder.

So schön haben wir den Tukan nicht oft gesehen. Dieser hier hat gekrächzt und gezetert, aber er blieb für den Photographen schön brav sitzen. Hier tief im Südosten von Costa Rica haben die Bananen Companies ‘gewütet’. Aber es gibt noch ein paar Flecken tropisch feuchten Primärwaldes. Er gehört zum Naturschutzgebiet Gandoca-Manzanillo. Durch diesen Wald ‘treibt’ uns geschlagene sieben Stunden der beste Tourguide des Landes. Er heißt Gyula und ist vor Jahren aus Sachsen hierher eingewandert. Und mit ihm stampfen wir heute durch den Urwald, nachdem wir uns heute Morgen zum ersten Mal so richtig mit DEET besprüht haben. Jedes Tier und jede Pflanze benennt Gyula in drei Sprachen: Deutsch, Englisch und Latein. Marjorie ist begeistert von den filigranen Blattmustern. Jörg ist mehr von dem Affenschädel beeindruckt und den explodierenden Früchten.

Ursprünglich wollten wir an der Karibikküste nach Panama ausreisen. Stattdessen sind wir jetzt auf der gefährlichsten Straße Costa Ricas Richtung Pazifik. So sagt es jedenfalls der Reiseführer. Jörg nahm das nicht ganz so ernst. Aber jetzt ist er doch ein wenig genervt. Um uns herum ist eine dicke neblige ‘Suppe’. Was man von den gewaltigen LKWs zuerst wahr nimmt, ist der ohrenbetäubende Lärm der Motorbremsen, bevor sie dann direkt vor einem aus dem Nebel auftauchen. Und die Kurverei hört nicht auf. Auf dem Cerro de la Muerte ereicht die Interamericana mit 3491 m ihren höchsten Punkt. Am Mirador de Quetzales wollen wir noch einmal probieren, diesen sehr selten gewordenen Vogel zu Gesicht zu bekommen. Es ist kalt in dieser Höhe. Nach einem guten Abendessen und einem tollen Sonnenuntergang kuscheln wir uns unter die Daunendecken, denn morgen soll’s früh auf die Pirsch gehen. Nach zweieinhalb Stunden Marsch berghoch und bergrunter haben wir jetzt ziemlich gut den Laut des Vogels im Ohr, denn unser Guide versucht beständig ihn anzulocken, aber vergeblich. Seit einer halben Stunde hat Jörg sowieso nur noch das Frühstück im Kopf. Marjorie bricht nach dem Frühstück nochmals mit einer kleinen Gruppe auf – und bekommt den Quetzal zu sehen. Durch das Fernrohr kann sie ihn sogar photographieren. Den ganzen restlichen Tag hat Jörg eine gut gelaunte Begleiterin. Wir fahren weiter bis Bosque del Tolomuco. Die Kanadier Rolf und Lise haben hier ein schönes Refugium geschaffen, wo wir schon wieder ‘hängenbleiben’. Tolles Frühstück von Rolf serviert, schmackhafte Abendessen von Lise zubereitet sind die Gründe für ‘schon wieder’ Faulenzen. Aber wir nehmen auch einige Kilometer der schön angelegten Wanderwege unter die Sohlen. Mühsam schlagen wir uns im wahrsten Sinne ‘durch die Büsche’. Vor ein paar Tagen hat hier ein gewaltiger Sturm gewütet und Rolf ist noch nicht zum Aufräumen gekommen. Aber wir werden belohnt. Eine rote Schlange mit schwarzen Streifen hat sich auf einem sandigen Plätzchen gesonnt und nimmt Reißaus vor uns. Und wenig später können wir einige Sekunden lang eine mindestens 1,5 m lange schwarze Schlange bewundern. Warum haben wir bloß ausgerechnet diesmal die Kamera nicht dabei!

Als letztes Ziel in Mittelamerika steht Panama auf unserer Liste. Über die gut ausgebaute Panamerikana fahren wir durch dieses kleine Land, das sich wie eine Schlange zwischen den Amerikas windet – übrigens in Ost-West-Richtung! Unser erstes Ziel ist die Hauptstadt Panama City. Ganz langsam fahren wir über den berühmten Causeway auf die Halbinsel Amador. Die Calzada Amador, wie dieser 5km lange, künstlich aufgeschüttete Damm auch genannt wird, bietet eine tolle Aussicht auf die Skyline von Panama City. Und wo landen wir? Der Leser ahnt es bereits – in einem schönen Café bei einer Tasse Capuccino! Wir sitzen und sitzen, schauen und schauen. Die atemberaubende Skyline und die vielen Jachten und Fischerboote auf der einen Seite. Die Schlange der gewaltigen Ozeanriesen, die auf die Einfahrt in den Kanal warten, auf der anderen Seite. Und die Puente de Las Américas in der Mitte, über die wir gekommen sind. Welch ein Anblick! Beide geraden wir ins Grübeln. Gehen der Frage nach: ‘Was überhaupt ist Zeit?’ Denkt man über sie in der Vergangenheit oder Zukunft nach, wird ihre Existens schnell fragwürdig. Wir spüren sehr genau, bald wird auch dieses Glücksgefühl, welches wir jetzt so stark empfinden, nur noch Erinnerung sein. Oder um es frei nach Marcel Proust zu sagen: Bald werden wir erneut auf der Suche nach der verlorenen Zeit sein.

Es gibt Reisende, die behaupten, das einzig Interessante an Panama sei der Kanal. Der Meinung sind wir zwar nicht, aber der Panamakanal gehört zweifellos zum Beeindruckendsten unserer bisherigen Reise. Wir wollen euch in diesem Reisebericht nicht mit Zahlen bombardieren. Das kann jeder Reiseführer besser. Wir stehen auf der Aussichtsplattform der Miraflores-Schleusen und beobachten die Durchfahrt des Luxusliners Coral Princess. Das Schiff hat die maximal mögliche Breite. Zirka 50cm zwischen Bord- und Kanalwand! Vier schwere Diesellokomotiven ziehen vorne und vier hinten. Die Schiffsschraube dreht langsam und stetig rückwärts. Echt beeindruckend, diese Zentimeterarbeit. Die Menschen auf dem Schiff stehen vor ihren Kajüten und winken oder grüßen mit selbst gebastelten Plakaten.

Viele Kilometer fahren wir nun schon durch dichten tropischen Wald, passieren kleine Siedlungen und gelangen schließlich bei Punta Gorda an den Atlantik. Hier gibt es traumhaft schöne Strände, gesäumt von Palmen, exakt wie auf den Postkarten. Wir besichtigen das imposante alte Fort Santiago de la Gloria aus dem 18. Jh., direkt am Ortseingang von Portobelo. Diese kleine Stadt war 200 Jahre lang der wichtigste spanische Hafen in Mittelamerika. Rund ein Drittel des gesamten Goldes, das von Peru nach Spanien verschifft wurde, passierte diesen Ort in der Bucht, die 1502 von Columbus auf seiner 4. Reise in die Neue Welt entdeckt wurde. Die Schätze aus Südamerika wurden hier auf der jährlichen Messe verkauft und bis zur Verschiffung in den Festungen zwischengelagert.

Hinter Porobelo wird die Straße immer schlechter und irgendwo verliert sie sich im Urwald. Wir fahren noch weiter bis zur Marina von Jean-Paul und Silvie, in deren kleinem Restaurant wir noch ein köstliches Abendessen serviert bekommen. Aber die zahlreichen Chitras, knapp einen Millimeter ‘groß’ plagen uns hier so sehr, dass wir am nächsten Tag die Rückreise antreten.

Auf der Rückfahrt zur Pazifiküste biegen wir über die imponierende Puente Centenario Richtung Arraijan ab und befinden uns bald auf der Interamericana, wie man die Panamericana hier bezeichnet. Wir wollen noch ein paar Orte in den Bergen von Panama besuchen. Der erste Ort El Valle gefällt uns sehr gut. Von anderen Reisenden hatten wir den Tipp bekommen, den ‘deutschen Kapitän’ zu besuchen. Er führt dort seit Jahren das wunderschöne Hotel Los Capitanes Bei ihm hat es uns so gefallen, dass wir gleich ein paar Tage geblieben sind. Wir durften zu sehr fairen Bedingungen in seinem wunderbaren Garten stehen. Wir hatten eine exzellente Internetverbindung, angenehme Temperaturen tagsüber und am Abend lauschten wir dem Seemannsgarn, das Manfred extra für uns spann.

In Boquete hingegen, weiter westlich gelegen, fanden wir es gar nicht so toll. Alles wirkte sehr amerikanisch, nicht nur die Häuser mit den vergitterten Fenstern und dem Stacheldrahtzaun drum herum. Auch der Vulkan Barú riss uns nicht vom Hocker.

Wenn man denn bezüglich Panama noch einen Geheimtipp geben will, dann würden wir die Peninsula Azuero nennen. Vor allem tief im Süden dieser Halbinsel findet man noch einsame Strände, wo sich vielleicht ein paar meist sehr sympathische, junge Surfer tummeln, aber ansonsten ist man allein mit den Wellen, den Wolken und mit sich selbst. Womit wir schon wieder über das Thema Zeit philosophieren könnten…

Ja, ihr habt richtig gelesen: Wir sind auf dem Rückweg. Von Panama sind wir zurück nach Costa Rica gefahren und haben in Limón unseren braven Landcruiser in den Container gesteckt. Wie die Bilder zeigen, war das Millimeterarbeit. Wir selbst nehmen den Flieger. Mit Air Canada gehts zunächst nach Toronto, wo wir unserem Sohn und seiner Familie einen kurzen Besuch abstatten. Und anschließend geht es dann nach Hause.

Hasta la vista Centroamérica

Cerro Chirripò
Cordillera de Talamanca
Costa Rica

Chirripó nennen die Indianer diesen Berg,
ewige Wasser, aguas eternas.
3820 Meter über Normalnull.
Sicht auf Atlantik im Osten
und Pazifik im Westen.
Vor uns breitet sich eine Landschaft aus,
in der jeder nur vorstellbare Grünton zu bewundern ist.
Páramo, Krüppelwald gesprenkelt über weite Grasflächen.
Üppiger Nebelwald mit Lorbeer
und immergrünen Zypressen,
an denen sich Epiphyten emporziehen.
Überragt von gewaltigen Eichen,
die sich mit der Entfernung
immer mehr zusammenschließen
und gemeinsam mit der heranrückenden Nacht
einen scharfen Horizont zeichnen.
Das satte Grün löst sich in ein kühles Blau.
Es ist jener Moment,
wo die Gegenstände ihre Gestalt verlieren.
Dunkelrot ist die große Scheibe
hinter dem Schwarz verschwunden.
Bizarre, blassrote Wolkenfetzen
machen noch ein paar Spiele
hinterm Scherenschnitt,
bevor ein silbriger Mond übernimmt.

Wir beschließen, nach Hause zu fahren.

Zu den Bildern: 16 Panama