Notizen-Südamerika

Chile - zwischen Anden und Pazifik

Santiago und Valparaiso

Dezember 2011

Unser letzter Reisebericht kam aus Panama. In drei Monaten wird das drei Jahre her sein, dass wir uns von euch verabschiedet haben. Zumindest auf dieser Homepage. Nicht immer läuft alles nach Plan. Wir wussten das. Es war nur ein Kopfgedanke. Schnell beiseite geschoben. Als uns dann die Wirklichkeit einholte, wollten wir es nicht wahr haben.

Um so glücklicher sind wir, wieder unterwegs zu sein. Zu Hause hatten wir viel Zeit zum Nachdenken. Auch über dieses Vagabundenleben, das wir führen.

Für uns hat das Reisen immer eine Kraft spendende Wirkung. Inzwischen spielt es für uns keine so große Rolle mehr, ob nur die Seele unterwegs ist. Auch im Land der Träume ist es oft schön. Geht der Körper mit, wird es meist anstrengender und in jedem Falle teurer. In diesem Sinne ist Gelassenheit ein Wegbegleiter für uns geworden. Das empfinden wir als Bereicherung.

Andere Orte sind ungewöhnlich und oft zunächst fiktiv. Sie entstehen beim Zuhören im Herzen oder beim Lesen im Kopf. In einem solchen Moment ist das Leben plötzlich spannend. Man möchte mehr davon. Alles ist geheimnisvoll und macht neugierig. Die Sorgen sind vergessen. Der Mensch begegnet sich selbst. Der Horizont wird weit für die Gedanken. Die Sehnsucht greift Raum. Dann muss man aufbrechen.

Aber erzählen wir der Reihe nach. Was haben wir erlebt, seit wir auf der Südhalbkugel sind?

Die ersten drei Wochen verbringen wir in Santiago de Chile und warten auf unser Auto. Wir wohnen in einem kleinen, gemütlichen Hostal mitten in der Stadt mit Blick auf die argentinische Botschaft. Die Stadt ist laut und der Smog ist dicht. Aber es gefällt uns hier. Morgens besucht Marjorie einen Sprachkurs. Am Nachmittag bummeln wir durch die Stadt, setzen uns in einer der unzähligen kleinen Straßencafés zwischen blühenden Hibiskus und schauen sehnsüchtig zu den schneebedeckten Bergen, die so nahe und doch unerreichbar für uns sind – jedenfalls im Moment ohne unser Auto.

In Santiago, der Hauptstadt des Landes, leben mehr als ein Drittel aller Chilenen, 6 Millionen Menschen. Ein paar von ihnen haben wir fotografiert. Haben versucht , ihr Leben ein wenig zu verstehen. Es ist hilfreich, wenn man sich klar macht, dass Santiago auf der nördlichen Breite von Casablanca in Marokko liegt. Das erklärt nicht nur die vielen Palmen, die das Bild prägen. Viel Leben spielt sich auf der Straße ab.

Das Schachspiel ist ein Volkssport in Chile. Jung und alt spielt es auf der Straße. Zwei junge Männer hantieren mit dem magischen Würfel, der vorher von einem der Umstehenden verstellt wurde. Die Beiden sind von vielen Zuschauern umrundet.

In einer Passage sitzen mehrere Kartenleserinnen mit meist jungen Kunden. Andächtig oder auch angespannt starren sie auf die Karten.

An großen Kreuzungen springen bei Beginn der Rotphase junge Leute vor die Autos: ein Clown, eine Balletttänzerin, ein Jongleur, ein Saxophonist und ein Geiger.

Auf den vielen Grünflächen schmusen die Verliebten. Sie liegen manchmal so dicht, dass man einen kleinen Umweg machen muss.

Überall trifft man auf die Saubermänner in schicker Uniform und Mütze gegen die Sonne. Mit Besen und Schaufel bewaffnet halten sie die Stadt sauber.

Allgegenwärtig auch die Polizei. Zu Fuß sind sie unterwegs. Oft ein Mann und eine Frau oder Mann mit deutschem Schäferhund. Man trifft sie vor wichtigen Gebäuden, an Straßenkreuzungen, mit dem Roller, zu Pferde, mit Geländemotorrad. Es heißt, sie sind in der Bevölkerung beliebt, weil sie deren Sicherheitsbedürfnis befriedigen. Wir können für uns selbst feststellen, dass sie uns mehr als einmal freundlich und kompetent geholfen haben.

Erwähnen muss man auch die Parkgebührenkassierer. Auch sie in Uniform – claro. Normalerweise sitzen diese Herren gemütlich am Straßenrand und plaudern entspannt. Sobald eine Parklücke frei wird, setzt ein Rennen ein. Ein Wettlauf zwischen den Autofahrern und dem Parkgebührenkassierer, den letzterer immer gewinnt und im Streitfall entscheidet. Schaut man dem Treiben eine Zeit lang zu, hält man Parkuhren für kalt, unerbittlich, unmenschlich.

Gewundert haben wir uns über die vielen Menschen mit Tattoos, nicht nur junge Leute. Und irgendwie traurig hat uns die junge Frau gemacht. Sie hatte ein Baby auf dem einen Arm. Mit dem anderen drückte sie ein Handy ans Ohr, in das sie laut und schnell hineinsprach. Das ganze spielte sich direkt hinter dem Altar einer schönen, alten Kirche ab.

Apropos Kirchen und alte Gebäude: Der Besucher sollte in Santiago diesbezüglich nicht zu viel erwarten. Aber es gibt ein paar besondere Orte, die einen Besuch wert sind.

Plaza de Armas zum Beispiel. Wer hier ein paar Stunden verweilt, kann schon viel vom Chilenischen Alltag mitbekommen. Anschließend auf den nahen Santa Lucia Cerro klettern und von dort die Rundumsicht auf die Stadt geniesen. Zum Abschluss des Tages im Viertel Barrio Lastarria in eines der zahlreichen, guten Restaurants sitzen und die Qual der Wahl haben. Wir empfehlen einen Sauvignon Cabernet.

Der San Cristobal Cerro ist höher und steiler. Aber das ist kein Problem, denn man sollte sowieso die alte Bergbahn testen. Zwei Kabinen mit einem Stahlseil verbunden laufen auf Schienen. An Sonntagen ist es nicht einfach, den Platz mit der besten Aussicht zu ergattern.

Am Fuße des Berges liegt das Viertel Barrio Bellavista. Dort sollte man sich zuerst das Haus von Pablo Neruda anschauen. Anschließend kann man sich dann auch als älterer Jahrgang unter die vielen Studenten mischen, die in diesem Viertel ständig verkehren. Das Essen ist gut und preisgünstig, die Musik der vielen Straßenmusikanten gut bis gewöhnungsbedürftig.

Über eine Woche haben wir dann noch in Valparaiso verbracht. Berühmt sind dort die vielen Wandmalereien. Die Häuser liegen um eine schöne Bucht herum gruppiert und ziehen sich weit die Hänge hinauf. Die verschiedenen Ebenen kann man mit den zahlreichen Ascensores erreichen. Diese Aufzüge laufen seit vielen Jahren bei ganz geringer Wartung praktisch störungsfrei. Bei einer Stadtbegehung mit so einer Bahn den Hang hinauf schweben, verschafft eine Verschnaufpause und meist eine wunderschöne Aussicht auf die Bucht, den Hafen und die Häuser von Valparaiso gewissermaßen gratis. Denn eine Benutzung kostet immer nur ein paar Pesos.

Endlich haben wir unser Auto wieder. Was sind wir glücklich! Unser Abenteuer Südamerika kann beginnen.

Zu den Bildern: 17 Chile Santiago und Valparaiso

Chile - zwischen Anden und Pazifik

Der kleine Süden

Dezember 2011

Diese Zeilen kommen aus einem kleinen Weiler tief in den Chilenischen Anden. Die schneebedeckte Bergkette im Osten sehen wir im Moment nicht. Es schüttet wie aus Kübeln. Aber in spätestens einer halben Stunde wird wieder die Sonne brennen. Da bin ich mir sicher. Sie wird aus einem stahlblauen Himmel strahlen und die eintausend verschiedenen Blütenfarben zum Leuchten bringen. Und all diese weißen Berge werden das Licht in den Himmel zurück spiegeln. In Chile hat der Sommer begonnen.

Dachdem wir die Metropolitan-Area Santiago verlassen haben, geht es zügig über die Panamericana nach Süden. Auf der vierspurigen Autobahn kommen wir uns fast ein wenig wie in Deutschland vor. Auch die Landschaft erinnert an zu Hause. Wir durchfahren die ausgedehnten Obst- und Weinanbaugebiete Mittelchiles, die wirtschaftlich wichtigste Region des Landes. Die Chilenischen Winzer haben es leicht. Mehr als 200 Tage im Jahr scheint hier die Sonne. Und in der Erntezeit zwischen Mitte Februar und Ende April regnet es kaum. Auch die traditionellen Feinde des europäischen Winzers wie Reblaus und Mehltau ist in Chile fast unbekannt.

Unsere erste Nacht im eigenen Auto auf der Südhalbkugel wird nicht so ruhig, wie wir uns das gedacht haben. Etwas spitz ausgedrückt: Die Nacht wird so laut, wie wir das bereits im Reiseführer gelesen hatten (allerdings im argentinischen!)

Am schönen Lago Rapel haben wir ein paradiesisches Plätzchen gefunden. Im Scheine der letzten Sonnenstrahlen, die über dem See glitzern, verspeisen wir ein fürstliches Mahl: Guacamole nach mexikanischem Rezept, Sesamkräckers und Chilenischer Rotwein, dunkel und vollmundig. Abgesehen von den zwei Jugendlichen ein paar hundert Meter weiter, ist keine Menschenseele hier. Zufrieden schlafen wir ein.

Genau um Mitternacht geht es dann los. Lautes Geschrei in allen Stimmlagen. Motorengeräusche als Hintergrundmusik. Schon bald setzen die Bässe der gewaltigen Stereoanlagen ein, die vor allem junge Leute hier im Kofferraum installiert haben. Und weil die so viel Strom verbrauchen, muss man die Motoren laufen lassen – claro. Die Autoscheinwerfer vermitteln ein perfektes Diskofeeling.

Was war geschehen? Etwa zwanzig Chilenen sind angekommen. Eine Großfamilie oder eine Kegelclub. So genau haben wir das auch am nächsten Morgen nicht ausmachen können. Zwei Stunden lang haben wir mitbekommen, was musikalisch in Chile zurzeit “in” ist. Um 2:00 Uhr morgens kommt schließlich der Bauer, dem das Land gehört. Die Lautstärke geht so weit zurück, dass wir wieder einschlafen können.

Inzwischen haben wir den so genannten kleinen Süden Chiles erreicht. Vulkane und Seen wechseln sich ab. Wir reisen nicht mehr. Wir verweilen. Nehmen uns Zeit. Viel Zeit. Wandern in Parks mit so unaussprechlichen Namen wie Huerquehue. Schlagen unser Lager an kristallklaren Seen auf, die Lago Conguillo heißen oder Lago Caburgua. Sitzen lange am Feuer, ein Glas tiefroten Cabernet Sauvignon in der Hand, die so wohlklingende Namen wie Carmen oder Tabali haben. Und bevor wir ins Bett schlüpfen, werfen wir noch einmal einen langen Blick auf den schlafenden Vulkan oder die schneebedeckte Bergkette.

Von einer ganz angenehmen Überraschung müssen wir hier unbedingt noch erzählen. Ganz tief im Park Huerquehue, am Ende eines einstündigen Fußmarsches, entdeckt Marjorie eine kanadische Flagge. Zwei Quadratmeter groß, eingerahmt von zwei ebenso großen chilenischen Fahnen. Sie zieren das Refugium Tinquilco. Ein Paradies, das sich der Filmemacher und Hobbykoch Patricio hier mitten in der Wildnis aufgebaut hat.

Wir laufen zurück, um unser Auto zu holen. Patricio hat gesagt, dass er mit seinem Pickup die Strecke fahren kann. Die Flussdurchfahrt sei im Moment “machbar”. Na, dann kann das der Toyota auch – frei nach dem Motto “Nichts ist unmöglich” Jörg genießt das “off road-feeling”. Wir bleiben eine Woche bei Patricio, weil seine Kochkünste so phantastisch sind, weil die Landschaft so grandios ist, weil das Wetter so schön ist, weil …

Von Puerto Fuy aus nehmen wir die Fähre, um nach Argentinien auszureisen. Gemütlich schippert das frisch gestrichene Boot über den Lago Pirihueico. Der See ist schmal. Auf beiden Seiten fallen die Berge so steil ins Wasser, dass an den Bau einer Straße nicht zu denken ist.

Was wird wohl in unserem zweiten südamerikanischen Land auf uns zukommen? Der chilenische Vulkan in der Nähe von Osorno soll seine Aschewolken immer noch nach Argentinien schicken. Am schlimmsten ist wohl Bariloche betroffen, unser nächsten Ziel. Lassen wir uns überraschen.

Zu den Bildern: 18 Chile Der kleine Süden

Argentinien - bis ans Ende der Welt

Das Land des Windes

Dezember 2011 / Januar 2012

An dem kleinen Grenzübergang zwischen dem chilenischen Puerto Pirihueico, das direkt an der Grenze liegt, und dem argentinischen San Martín de los Andes reisen wir zum ersten Mal nach Argentinien ein. Der junge Mann an der Immigration ist mürrisch und studiert ziemlich lange schweigend unsere Papiere. Dafür ist die Dame vom Zoll umso netter. Wir dürfen ohne Fahrzeugkontrolle ins Land einreisen. Sechs Monate darf unser Auto im Land bleiben und im Pass wurde das Fahrzeug nicht eingetragen.

Nach etwa dreißig Kilometer schlechter Schotterstraße erreichen wir San Martin. Das kleine Städtchen macht einen guten Eindruck auf uns, wenngleich hier erste Spuren der Vulkanasche zu sehen sind. Eine ganze Weile schon hat sich nämlich über uns ein weißgrauer Himmel gespannt, den wir nicht so recht deuten konnten. An der Tankstelle klärt uns ein Argentinier auf. Weiter südlich hat vor einem halben Jahr in Chile der Vulkan Puyehue heftig gespuckt. Eine riesige Aschewolke ist daraufhin nach Argentinien gezogen. Weiter südlich sei alles noch viel schlimmer – so die Auskunft. Na, das sind ja schöne Aussichten, wo doch die Gegend um Bariloche zu den schönsten Gegenden Argentiniens gehören soll. Aber jetzt machen wir es uns erst einmal auf dem Campingplatz “Amigos de la naturaleza” unter schattigen Bäumen bequem.

Nach einer ruhigen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück decken wir uns neu mit Lebensmitteln ein. Denn den Kühlschrank hatten wir wegen des bevorstehenden Grenzübergangs leer werden lassen. Dann geht’s los Richtung Villa La Angostura.

Mit jedem Kilometer nach Süden nimmt die Asche zu. Alles ist mit einer hellgrauen Schicht Asche bedeckt. Die Wiesen, die Büsche und Bäume. Auf den Seen schwimmt die Asche. Die Straße sowieso, obwohl wir an den großen Haufen am Straßenrand erkennen können, dass geräumt wurde. Wenn uns ein Fahrzeug entgegen kommt, sehen wir für ein paar Sekunden nichts.

Unsere Befürchtungen haben sich in Betroffenheit gewandelt. Als wir mehrfach Kühe und Schafe sehen, die in der Asche nach Gras scharren, wird uns klamm ums Herz. In Villa La Angostura, dem einst mondänsten Ort der Gegend, fotografieren wir leere Villen, mit einer dicken Ascheschicht bedeckt. Das Schild “Se vende” (zu verkaufen) sehen wir mehr als einmal. Neben Mitleid hören wir auch einen bösen Kommentar: “Da hat es diesmal die richtigen getroffen.”

In San Carlos de Bariloche ist die Situation leicht besser. Aber zum Verweilen haben wir dennoch keine Lust. Zuviel Negatives haben wir über diesen Touristenbrennpunkt gehört. Autoaufbrüche sollen hier an der Tagesordnung sein.

So treibt es uns weiter nach Süden Richtung El Bolsón. Und wir werden belohnt. Urplötzlich ist die Asche verschwunden. Eine wunderschöne Bergwelt öffnet sich vor uns. Satte grüne Wiesen, glasklare Flüsse, mit Schnee bedeckte Berge. Genau, wie wir es auf Bildern schon so oft gesehen haben.

El Bolsón ist ein besonderes Örtchen. Hippies aus aller Welt haben sich hier dereinst niedergelassen. Sie wollten sogar einen Freistaat gründen. Aber da kam das argentinische Militär. Den Camping Cervezeria können wir empfehlen. Die Auswahl an Biersorten ist erstaunlich und die Qualität gut. Dazu gibt es eine ganz leckere Pizza. Auch Klaus und Claudia Schubert besuchen wir. Bei ihm holen wir unsere Versicherungspapiere für das Auto ab. Bei euch genießen wir das erste Asado auf argentinischem Boden. Es war köstlich. Und dieses Ambiente! Unterm Felsen am Feuer zu sitzen. Den rauschenden Fluss neben sich. Da schmeckt der Rotwein einfach doppelt so gut. Danke nochmals ihr Beiden!

Das schöne an der Art, wie wir reisen, ist die Möglichkeit, bestehende Pläne von einer Minute auf die nächste umzuwerfen oder neue Pläne in letzter Minute zu fassen. So auch diesmal. Wir beschlossen, Península Valdéz sausen zu lassen, um Weihnachten in Ushuaia verbringen zu können. Also legen wir einen Fahrtag ein. Auf guter Straße geht es über Esquel bis nach Comodoro Rivadavia an den Atlantik.

Auch am nächsten Tag fressen wir Kilometer. Auf der berühmten Ruta 3 geht es immer am Meer entlang Richtung Süden. Offensichtlich haben wir Glück. Denn der gefürchtete patagonische Wind bleibt aus. Ein leichter, aber stetiger Rückenwind schiebt uns bis Rio Gallegos.

Dort füllen wir nochmals alle Tanks mit dem preiswerten argentinischen Diesel. Dann geht es ein paar Kilometer weiter bis zur Laguna Azul kurz vor der Grenze, nur ein paar Kilometer abseits der Straße. Dieser Tipp erweist sich als sehr gut. Ganz allein verbringen wir eine sternenklare Nacht am Rande eines Vulkansees inmitten einer Mondlandschaft. Nur Guanacos sind unsere Nachbarn. Beim Frühstück streicht ein Fuchs vorbei. Und ein einsamer Reiter, der plötzlich aus der Steppe auftaucht, blickt neugierig zu uns herüber.

Am nächsten Tag geht es eine Weile über chilenisches Gebiet. In vierzig Minuten setzen wir über die Magellan-Straße und sind in Feuerland. Tierra del Fuego – der Klang dieser Worte versprach uns schon seit langem Geheimnisvolles und irgendwie auch Gruseliges.

Der Camping Andino am Fuße des Skilifts wird zu unserem Hauptquartier. Weihnachten und den Jahreswechsel verbringen wir hoch über Ushuaia mit einer Sicht, die uns jeden Morgen aufs neue verzaubert. Von hier aus unternehmen wir Fahrten in den Park Tierra del Fuego und zur Estanzia Haberton. Wir können mit eigenen Augen sehen, wie viel Schaden die Biber in diesem rauen Fleckchen Erden angerichtet haben. Als man diese Tier 1946 von Kanada hierher brachte, war man sich über diese Folgen ganz sicher nicht im Klaren. Die Flusstäler voll mit grauen, toten, ertrunkenen Bäumen.

In der Estanzia, wunderschön am Beagle-Kanal gelegen, können wir ein weiteres trauriges Kapitel von Feuerland studieren. In beeindruckenden Bildern wird gezeigt, wie die einheimischen Indianer in dieser rauhen, abweisenden Landschaft gelebt haben. Unser Führer beschreibt, warum diese Völker ausgestorben sind. Auch das Leben der ersten weißen Siedler kann man hier studieren. Alles drehte sich ums Schaf.

Ein paar Mal laufen wir in die Stadt, bestaunen die großen Kreuzfahrtschiffe aus aller Welt. Genießen einen erstaunlich guten Milchkaffe, den sie hier Cortado nennen. Lauschen schmunzelnd den Tagestouristen, die hier mal kurz an Land gehen.

Die Tage vergehen sehr schell. Es zieht uns weiter. Ab jetzt heißt es “Kurs Nord”. Die Ausreise über den kleinen argentinischen Grenzposten ist problemlos. Bevor wir wieder chilenischen Boden betreten können, gilt es eine Flussdurchfahrt zu meistern. Aber die sollte für unseren Toyota kein Problem sein, beruhigt uns der freundliche argentinische Grenzbeamte. Ob sich im Nachbarland viel ändern wird? Wir glauben es eher nicht, denn schließlich werden wir immer noch in Patagonien sein. Und inzwischen haben wir gehört, dass sich die Menschen hier beidseits der Grenze in erster Linie als Patagonier fühlen. Wie so oft sind wir neugierig auf den nächsten Tag.

Zu den Bildern: 19 Argentinien Süd

Chile - immer noch Patagonien

Schafe, Guanakos und Pinguine

Januar 2012

Seit unserer Flussdurchfahrt zwischen der argentinischen und der chilenischen Grenzstation hat sich nichts geändert. Jedenfalls nicht an der Landschaft. Immer noch graubraunes Land. Wenig Vegetation. Viele niedrige, halbtote Bäume. Immer noch ein sich schnell ändernder Himmel. Von Stahlblau bis Pechschwarz in einer Stunde. Eher noch mehr Schafe und Guanakos als in Argentinien. Auch scheint es uns, als seinen die wenigen Estancias besser “in Schuss”. Die Gebäude sind meist gelb gestrichen und haben ein rotes oder blaues Dach. Dadurch glänzen sie schon in der Ferne ein wenig wie Edelsteine in einem grauen Pelz.

An der Bahia Inutil nördlich von Camerón sehen wir zum ersten Mal die prächtigen Königspinguine. Einst brüteten hier hunderte von Tieren. Der Mensch hat sie dezimiert. Mit großer Geduld versucht die Besitzerin der Estancia, zu der das Gebiet gehört, mehr Tiere hier wieder heimisch zu machen. Wir sehen drei Gruppen und können bis auf zirka fünf Meter an die Tiere heran. Zwei kommen auf uns zu. Wer ist hier wohl neugieriger auf den anderen. Die oder wir?

Von Punta Arenas sind wir angenehm überrascht. Ein kleines aber feines Stadtzentrum. Das Highlight ist aber zweifellos der Friedhof. Die Gräber zeugen vom einstigen Wohlstand der Menschen. Reich geworden sind sie durch die Schafe, der Goldgrube Patagoniens. Neben dem Tourismus ist das immer noch der wichtigste Erwerbszweig der Bewohner hier, wenngleich aufgrund der gesunkenen Weltmarktpreise die Zahl und der Reichtum dieser Estancias abgenommen hat.

Über Puerto Natales erreichen wir den wohl schönsten und bekanntesten Nationalpark Chiles, den Torres del Paine. Glück und Pech war bei uns gut verteilt. Pech für uns, dass soeben ein riesiger Waldbrand gewütet hatte. Das Gebiet um den Gletschersee Lago Grey ist leider noch komplett gesperrt. So fahren wir direkt zum fast ebenso schönen Lago Azul und haben unglaubliches Glück. Ein strahlend blauer Himmel und die Torres so klar, dass wir meinen sie greifen zu können. Als direkt über ihnen die Sonne untergeht, machen wir zwei uns einen Spaß daraus, die drei Berge als Figuren zu deuten. Zu später Stunde, als der Himmel über dem Gebirgsmassiv tiefrot ist und auf der anderen Seite im Osten schon die ersten Sterne aufleuchten, sind wir uns einig. Die drei Scherenschnitte, die wir erkennen können, sind drei Mönche bei der abendlichen Meditation.

Inzwischen ist es spät geworden. Es ist fast windstill. Uns fröstelt. Die zwei Kondore, die über dem See kreisten, sind schon lange verschwunden. Beim Ranger, auf der anderen Seite des Sees, rattert die alte Dieselpumpe noch eine Weile. Mit ihrer Hilfe wird Wasser aus dem See in den Speicher gepumpt. Als auch sie ihren Betrieb einstellt, ist es still geworden. Nur das leise Plätschern der Wellen gegen das Seeufer ist zu hören. Zeit für uns, nach Hause zu gehen.

Die hundert Meter zu unserem Landcruiser zurück begleitet uns ein helles Sternenzelt. Ein silbriger Mond spendet Licht, als wir uns durch das dornige Gebüsch zwängen. Wir kommen über die kleine Kuppe oberhalb des Sees und sehen den Toyota als dunkle Silhouette vor uns. Nur wir und unser Auto. Sonst nichts und niemand.

Unser “1000 Sterne Hotel” sagt Marjorie laut. Abwesend und ein wenig beklommen stimmt Jörg ihr zu. Es gibt Momente, da empfindet man das Leben tiefer. Man wünscht sich, dass es nie enden möge.

Zu den Bildern: 20 Chile Patagonien

Argentinien - Gletscher und Berge

Die Highlights des argentinischen Südens

Januar 2012

Bei Cerro Castillo geht es wieder einmal über die Grenze, und zwar in der Rekordzeit von fünfundzwanzig Minuten. Die argentinischen Zöllner haben seit vier Tagen keinen Strom und kein Wasser. So wird alles von Hand ausgefüllt. Zeit für ein Spässchen bleibt trotzdem noch.

Bei El Calafate halten wir nur zum Einkaufen. Wir wollen heute noch weiter zum Lago Roca. Der Park ist schön und kostenlos. Und morgen ist es dann ein kurzer Weg zum Perito Moreno Gletscher.

Am Gletscher haben wir einen trüben Tag erwischt. Aber das mindert unsere Begeisterung über diese Eismassen nicht im geringsten. 60 Meter hoch und 4 Kilometer breit baut sich die Eiswand vor uns auf. Der Perito Moreno Gletscher ist nicht der größte, aber der meist besuchte Gletscher. Besucher aus aller Welt werden über einen aufwendigen Metallsteg geleitet und können so die Gletscherzunge aus den verschiedensten Blickwinkeln bestaunen.

Alle paar Minuten kracht, ächzt und stöhnt es von den verschiedensten Seiten her. Dann heißt es schnell sein mit der Kamera, um die abbrechenden Eisstücke aufs Bild zu bannen. Wenn man Glück hat, erwischt man ein Stück in der Größe eines Einfamilienhauses, das von einem gewaltigen Donner begleitet ins Meer stürzt, dort die Touristenschiffe zum Schaukeln bringt und in einer Art Bugwelle vor sich her schiebt, um anschließend als blauer Eisberg ganz unschuldig im Wasser zu treiben. Erwähnt werden soll hier noch, dass auch der Perito Moreno Gletscher entgegen anderslautenden Aussagen am Schrumpfen ist.

Fitz Roy hieß der Kapitän von Darwins Forschungsschiff. Nach ihm wurde der Berg hinter El Chaltén benannt, der nicht nur Bergsteiger aus aller Welt magisch anzhieht. Auch Wanderer kommen hier am Fitz Roy Massiv auf ihre Kosten. Auf dem Weg nach El Chaltén haben wir mit dem bisher stärksten Gegenwind zu kämpfen. Auf einer sehr guten Teerstraße muss Jörg in den zweiten Gang zurückschalten. Und Marjorie bekommt zum Bilder schießen fast die Tür nicht auf. Aber der Meisterfotografin ist ein Selbstbildnis gelungen, welches durch das Verkehrsschild bestens erklärt wird.

Bilderbuchwetter auch am nächsten Tag. Keine Chance für den inneren Schweinehund, der lieber bei einem Stück Torte im Café sitzen will. Wir schaffen es bis zur Laguna Torre und werden mit Bilderbuchwetter dafür belohnt. Von hier aus sehen wir zwar nur den Cerro Torre mit seinen scharfen Spitzen, aber das tut der Freude keinen Abbruch.

Am nächsten Tag lassen wir es ruhig angehen und machen nur einen kleinen Bummel durch das Dörfchen. Überall stellen wir eine rege Bautätigkeit fest. Nirgend sonst haben wir so viele junge Leute mit Rucksack gesehen wie hier. Das Café “La Lucinda” macht einen gediegenen Eindruck auf uns. Wir wählen Schokoladentorte mit Orangen und sind begeistert. Dazu wird ein Gläschen Orangenlikör serviert. Einfach köstlich.

Es gibt ein paar berühmt-berüchtigte Straßen in Südamerika. Eine davon ist die Ruta 40 entlang der Anden. Ihren schlechtesten Teil fahren wir. Fast 300 Kilometer übelste Schotterpiste ersparen uns einen Umweg an die Atlantikküste. Eine trostlose Landschaft um uns herum, als wir Stunde um Stunde mit 20 oder 30km/h dahinschleichen. Keine Gunacos, die sonst überall anzutreffen sind. Nicht einmal Zäune gibt es. “Nirgendwo ist auch ein Ort” sagte Paul Theroux. Recht hat der Mann.

Es scheint, als könnten wir nicht genug Schotterpiste bekommen. Aber den Geheimtipp zum Raballopass zu fahren, wollen wir befolgen. Wir werden belohnt von einer großartigen Landschaft und von Einsamkeit pur. Über zwei Stunden zockeln wir auf einer passablen Piste dahin, ohne dass uns ein einziges Fahrzeug begegnet wäre. Immer wieder machen wir Fotostops und genießen die großartigen Bilder, wie sie nur die Natur zustande bringt.

Kurz vor dem Pass, der nach Chile führt, biegen wir nach rechts ab, um nach Los Antiguos zu kommen. Hier übernachten wir am Lago Buenos Aires und bereiten uns auf den nächsten Grenzübergang -diesmal nach Chile- vor. Das heißt im wesentlichen, dass es heute Abend Reste gibt. Denn der Kühzlschrank muss geleert werden. Die chilenischen Zöllner -überwiegend junge Frauen- übersehen nichts.

Zu den Bildern: 21 Argentinien Gletscher Berge

Chile - Patagonien

entlang der Carretera AustralFarne, Flechten, Bambus, Fuchsien und der Alerce Baum

Februar 2012

Bei Chile Chico überqueren wir wieder die Grenze nach Chile und tauchen ein in eine Landschaft, die an Großartigkeit und Wildheit nicht zu überbieten ist. Seen, Inseln, Fjorde und Gletscher werden überragt von bis zu viertausend Meter hohen Bergen. Hier, im so genannten großen Süden Chiles befindet sich das größte geschlossene Eisfeld außerhalb der Antarktis. Die vom Pazifik kommenden Wolken regnen sich an der Westseite der Kordillere ab und lassen hier einen in Teilen immer noch undurchdringlichen Urwald wachsen, einen kalten Regenwald. Große, aber dennoch feingliedrige Farne und gewaltige Gewächse, die aussehen wie Rhabarber, säumen die wenigen Straßen und machen ein weiteres Vordringen zu einem Abenteuer. Fuchsien, die bei uns zu Hause in der Rubrik “Zierpflanzen” laufen, bilden hier meterhohe Büsche und tauchen mit ihren vielen Blüten ganze Hänge in leuchtendes Rot.

Zunächst geht es am Südufer des Lago General Carrera entlang nach Westen. Diese kurvenreiche Straße bietet so viele wunderbare Ausblicke, das wir nach einem neuen Wort für die Großartigkeit dieser Landschaft suchen. Auch mit dem Wetter haben wir Glück. Immer wieder halten wir an, machen Bilder oder schauen einfach nur. Für uns ist diese Route die schönste Strecke, die wir bisher gefahren sind.

Wir folgen einem Tipp und richten uns auf einem netten Campingplatz in Puerto Guadal häuslich ein. Wir bekommen den Platz direkt vor dem kleinen, fünfeckigen Häuschen zugewiesen. Jetzt haben wir mehr als wir brauchen. Eine Feuerstelle, ein alter Küchenherd, eine Spüle, Tisch und Stühle. Eine tolle Aussicht auf den See und die Schneeberge dahinter. Am Morgen bringt die Bauersfrau frische Brötchen und Marmelade. Was braucht der Mensch mehr, um glücklich zu sein? Sonne? Ach ja – die scheint jeden Tag und macht vor allem am Morgen das Wasser des Sees noch grüner – smaragdgrün. Klar, das wir hier ein paar Tage bleiben. Und auch klar, dass das Schreiben des Reiseberichts nur schleppend vorangeht…

Am Westende des Sees stoßen wir auf die -neben der Ruta 40 in Argentinien- berühmteste Straße des südlichen Südamerika – die Carretera Austral. Wir beschließen nicht wie viele Andere bis zu deren Ende nach O’Higgins zu fahren, sondern Richtung Norden abzubiegen. Bei Puerto Rio Tranquilo machen wir halt. Ein Boot bringt uns zur Capilla de Mármol, skurrilen Felsformationen an der Steilküste des Lago Carrera. Der weiße Marmor bildet einen tollen Kontrast zum Blaugrün des Sees.

Am nächsten Tag ist wieder Offroad angesagt. Auf einer abenteuerlichen Strecke geht es nach Westen Richtung Campo de Hielo Norte. Der Lago Leones ist das Ziel. Jörg ist so aufgeregt, dass er zum x-ten Mal verspricht, sein “Baby” niemals zu verkaufen. Kurz vor dem Ziel noch eine Brücke, die stabil aussieht und knapp vier Tonnen aushalten sollte. Sicherheitshalber geht Jörg aber erst zu Fuß, denn die Wassermassen dieses gewaltigen Gletscherflusses wirken in ihrer Geschwindigkeit schon irgendwie bedrohlich. Aber alles geht gut. Noch eine Kurve und wir stehen vor einem Verbotsschild, das jegliche Weiterfahrt streng untersagt. Wie wir später erfahren, hat sich hier ein Australier viel Land gekauft und die Durchfahrt zum See gesperrt.

Wir trösten uns am nächsten Tag mit der etwas zahmeren Strecke Richtung Bahia Exploradores. Das Wetter ist heute nicht so toll, aber die Endmoräne des Glaciar Exploradores ist dennoch beeindruckend. Dieser gewaltige Eisstrom kommt vom Monte San Valentín herunter, dem mit 4058m höchsten Berg Patagoniens.

Auf der Rückfahrt sehen wir dann doch noch einen Huemul, einen selten gewordenen Andenhirsch. Das Tier steht mitten auf der Straße und lässt sich von Marjorie bereden, eine perfekte Fotosession mitzumachen. Ohne die Bilder glaubt uns das keiner.

Weiter geht es auf schlechter Straße nach Puyuhuapi, wo wir beschließen den Parque Nacional Queulat wegen schlechtem Wetter aus unserem Programm zu streichen. Stattdessen quälen wir den Landcruiser mit Tempo 30 km/h nach Norden. Es regnet fast ununterbrochen. Aber die Vegetation ist ganz großartig. Deshalb halten wir auch immer wieder an und versuchen unterm Regenschirm Bilder zu machen. Gewaltige Farngewäche hängen in die Straße hinein, deren Blätter aber sehr feingliedrig sind. Und die überdimensionalen Rhababergewächse sind auch ganz gut als Regenschirm geeignet.

Zu den Bildern: 22 Chile – Patagonien entlang der Carretera Austral

Chile - Osorno und die Insel Chiloé

Vom perfekten Vulkan zur einsamen Insel

Februar 2012

In Chaiten sind die Folgen des letzten Vulkanausbruchs noch deutlich zu sehen. Mit Asche vollgestopfte Häuser. Gebäudereste im Fluss. Ein depremierendes Bild. Hier hält uns nichts. Also schnell weiter.

Erst im Parque Pumalín steigt unsere Stimmung wieder, obwohl sich das Wetter nicht sehr gebessert hat. Bis über vier Meter Regen fällt hier im Jahr, belehrt uns der Reiseführer. Davon bekommen wir auch heute eine ganze Menge ab. Aber immer wieder reißen die Wolken auf und geben ein großartiges Panorama frei. In Hunderte von langen, dünnen Wasserfällen stürzt das Wasser zu Tal und verwandelt den Fluss innerhalb von Minuten zu einem reißenden Strom. Die Farne und Pangue-Pflanzen hängen noch tiefer über der Straße. Es ist als fahren wir durch einen Tunnel.

Der Parque Pumalín ist ein privater Park. Ein reicher Amerikaner hat hier viel Land gekauft, mit dem Ziel, die Natur zu schützen. Das ist ihm gelungen. Unberührte Natur. Eine Durchgangsstraße, die in exzellentem Zustand ist. Wenige, saubere Campingplätze. Waldlehrpfade und lehrreiche Hinweistafeln. Hier können wir noch die uralten, riesigen Alerce-Bäume bestaunen. Keine Siedlung sehen wir, wohl aber das selten gewordene Pudú. Es rennt quer über die Straße. Zu schnell für unsere Kamera. Aber happy sind wir dennoch.

Da es von hier aus keine durchgehende Straßenverbindung nach Norden gibt, nehmen wir die Fähre. Von Caleta Gonzalo geht es in kurzer Fahrt zunächst nach Fiordo Largo. Nach 15km auf der Straße müssen wir unser Auto schon wieder verschiffen. Von Leptepú bringt uns eine große Fähre in einer fünfstündigen Fahrt bis Hornopirén. Mit dem Wetter haben wir diesmal Pech. Es regnet und es weht ein kalter Wind. So verkriechen wir uns wie alle anderen auch unter Deck und können nur ab und zu durchs Fenster einen dieser Bergriesen schemenhaft erkennen. Schade, aber insgesamt können wir uns nicht über schlechtes Wetter beklagen.

Bereits zwei Tage später ist uns der Wettergott wieder hold gesonnen und zeigt uns den Osorno vollkommen ohne Wolken. Wir können uns nicht satt sehen und knipsen, was das Zeug hält. Als die Sonne über dem wunderschönen Lago Llanquihue untergeht und die weiße Schneekappe des Osornos rot färbt, haben wir das Gefühl, alte Träume zu leben.

Zum Schluss unserer Fahrt durch den Süden Chiles steht noch die Insel Chiloé auf dem Programm. Über Puerto Varas und die Hafenstadt Puerto Montt geht es zur Fähre, die uns in wenigen Minuten auf die Insel bringt. Anfangs sind wir enttäuscht von der Kargheit der Landschaft. Immer hat hier Armut geherrscht, steht im Reiseführer. Das können wir gut nachvollziehen. Auch heute ist die Situation nicht viel besser. Erst als wir an die Ostküste kommen, wirkt das Land freundlicher und die Häuser wohlhabender.

Bekannt ist Chiloé durch seine Holzkirchen mit Schindeln oder buntem Blech verkleidet. Die Kirche in Tenaún hat uns sehr gefallen. Direkt nebenan wohnt der Dorfschullehrer, der auch Amateurfunker ist und uns in sein schönes, mit Schindeln gedecktes Haus einlädt. Das Gespräch pendelt zwischen Funktechnik und Kirchen- bzw. Ortsgeschichte hin und her. Bei diesen Simultanübersetzungen gerät die arme Marjorie mit ihren guten Spanischkenntnissen an ihre Grenzen.

Die Insel Chiloé ist auch bekannt für ihre mit Schindeln verkleideten Häuser, die teilweise auf Stelzen im Wasser stehen. Wir haben ein wenig suchen müssen, denn viele gibt es nicht mehr davon.

Von Dalcahue aus fahren wir auf der schönsten Straße Chiloés nach Achao. Die Kirche dort ist nicht so beeindruckend. Wir fahren zurück auf die Hauptinsel, um uns noch die Hauptstadt anzuschauen.

Das putzige Städtchen gefällt uns. “Die Kathedrale ist das beeindruckenste Zeugnis der Holzarchitektur auf Chiloé.”, sagt der Reiseführer. Recht hat er. Staunend betrachten wir, was man aus dem Holz des Alerce-Baumes alles machen kann.

Zum Abschluss unseres Inselbesuchs sitzen wir noch lange im gemütlichen Café von Marion und lassen uns Kaffee und Kuchen munden.

Zu den Bildern: 23 Chile – Osorno und die Insel Chiloé

Argentinien - Entlang des Andenkammes

Der etwas andere Eierkocher

Februar 2012

Problemlos sind wir wieder einmal nach Argentinien eingereist und haben soeben das kleine Städtchen Aluminé erreicht. Als wir langsam an dem hübschen Stadtpark vorbeifahren, ertönt eine laute Hupe hinter uns und will schier nicht wieder aufhören. Es sind Hans und Evi. Die Wiedersehensfreude ist groß. Gemeinsam wird eingekauft und dann geht’s hinein in die Berge – auf Straßen, die auf unserer Karte nicht vermerkt sind.

Wie uns bald klar wird, haben wir mit Evi und Hans einen Glückstreffer gelandet. Beide waren hier schon öfter und kennen fast jeden Berg, fast jedes Tal und vor allem auch die kleinen Wege. Das die manchmal in miserablen Zustand sind, tut unserer Begeisterung keinen Abbruch.

Wir campieren an einsamen, dunklen Seen mit so wohlklingenden Namen wie Lago Rucachoroi oder Laguna del Diamante. Ein paar Tage lang führen wir ein Leben, bei dem Spaß und Herausforderung immer dicht beieinander liegen. Des Nachts auf dem Weg zum Toilettenhäuschen auf glatten Steinen einen Bach überqueren zu müssen, macht so richtig munter. Im dampfenden Wasser des Vulkans das Frühstücksei zu kochen, erfordert einen langstieligen Löffel und viel Geschick. Nach fünfstündiger Wanderung kurz vor dem Camp noch einen kalten Gletscherfluss überqueren zu müssen, zählen wir eindeutig zu den Herausforderungen, insbesondere deshalb, weil das Wasser gefährlich nahe an die Unterhosen herankommt.

Der Andenkamm westlich von Chos Malal und Malargüe gehört zu den einsameren Gegenden in Argentinien. Hier gibt es auch in der Hochsaison wenig oder kaum Betrieb. Dann kann es schon mal sein, dass ein Einheimischer neugierig fragt, wie wir denn hierher gefunden hätten. Der Vulkan Domuyo mit seinen 4702 Metern beeindruckt uns. Zu verschiedenen Tageszeiten versuchen wir das Licht mit der Kamera einzufangen, wohl wissend, dass dies ein vergebliches Unterfangen bleiben wird.

Ein paar hundert Kilometer südlich von Mendoza erreichen wir wieder die asphaltierte Ruta 40. Der Verkehr nimmt stetig zu. Der Dreck am Straßenrand auch. Wir ereichen Mendoza zur Mittagszeit und quälen uns quer durch das Zentrum. In einem Vorort der durch den Wein weltweit bekannten Stadt finden wir einen gemütlichen, wenngleich nicht billigen Campingplatz. Und schon ärgern wir uns wieder über das (langsame) Internet. So ist das mit den Abhängigkeiten und der modernen Technik. Wie stressfrei waren da doch die zwei Wochen in der Wildnis!

Zu den Bildern: 24 Argentinien – Entlang des Andenkammes

Argentinien - Der Norden

Der Aconcagua und ein Abstecher nach Chile über den Paso Agua Negra

März 2012

Nach ein paar geruhsamen Tagen in Mendoza, der wohl bekanntesten Weinstadt Argentiniens, brechen wir wieder auf. Ziel ist der höchste Berg des gesamten amerikanischen Kontinents – der Aconcagua. Mit seinen 6959 Metern überragt er alle anderen Berge in seiner Nähe.

Wir nehmen die Ruta Sanmartiniana nach Uspallata, der Charles Darwin schon 1835 gefolgt ist. Als wir nach zahllosen Serpentinen den Pass erreicht haben, sehen wir in der Ferne das majestätisches Haupt des Aconcagua. Er wird uns auch morgen begleiten, denn wir wollen an den Anden entlang nach Norden fahren. Die Straße soll sehr schlecht sein, haben wir gelesen, aber die Landschaft grandios. Eine Kombination, die wir in Argentinien schon öfter vorgefunden haben.

Zuvor besichtigen wir in Uspallata aber noch ein paar Bovedas. Das sind Schmelzöfen, in denen Metalle gewonnen wurden. Die weißen Kuppeln kontrastieren mit dem blauen Himmel und sehen aus wie überdimensionale Backöfen.

Auf dem Weg zum Paso Agua Negra beginnt unsere Pechsträhne in Form eines klopfenden Geräuschs, das Jörg zunächst einfach ignoriert. Die Anfahrt auf den Pass am frühen Morgen von der argentinischen Seite aus ist schlicht atemberaubend. Wir kommen mit dem Bilder machen nicht mit, so schnell ändern sich die Motive.

Als wir den Pass erreichen, zeigt der Höhenmesser 4779 Meter an. Wir sind hingerissen von der Aussicht um uns herum. Keine Wolke am Himmel. Farben von einer Intensität, wie wir sie noch nie gesehen haben. Wenn nur diese dämlichen Geräusche vom Auto nicht wären. Das schleifende Geräusch kann auch Jörg nicht mehr ignorieren. Außerdem funktionieren auch die Bremsen nicht mehr richtig. Was sollen wir machen?

Zum ersten Mal seit langem kommt das Satellitentelefon zum Einsatz. Wir rufen unsere Werkstatt an. Der Meister tippt auf ein defektes Radlager. Er sollte Recht behalten. Aber wie kommen wir jetzt den Berg wieder hinunter? 185km immer bergab bis Vicuña, der nächsten größeren Ansiedlung in Chile. Oder anders ausgedrückt: Wie bewältigen wir 4000m nach unten mit defekten Bremsen bei 3,5 Tonnen Fahrzeuggewicht?

Die Antwort: Erster oder maximal zweiter Geländegang. Der starke Motor bremst so gut, dass Jörg die defekten Bremsen kaum benutzen muss. Allerdings brauchen wir viele Stunden, um unser Ziel zu erreichen.

Abwechslung bei der vorsichtigen Talfahrt bietet der “Almabtrieb” der Ziegenhirten. Die provisorischen Sommerbehausungen werden abgebaut. Die Tiere werden gesammelt und zu Tale getrieben. Das bunte Spektakel lenkt uns wenigstens kurz von unserem kaputten Auto ab.

In dem kleinen, aber hübschen Weinort Vicuña, kennt uns nach einer Woche fast jeder. Denn so lange dauert die Reparatur unseres Autos. Auch der Tank muss noch geschweißt werden. Das alles passiert in einer Hinterhofwerkstatt. Der siebzigjährige Don Gabriel hat hier sein kleines Reich und lehrt ein paar junge Männer an, die ganz eifrig bei der Sache sind.

Als wir Vicuña wieder verlassen haben wir ein paar Freunde mehr. Zum Beispiel Rita und ihr kleines, gemütliches Hostal. Auf der wunderschönen Terasse sitzend durften wir das Internet kostenlos benutzen. Sogar Kaffe und Kuchen wurde serviert. Vielen Dank nochmals für deine Gastfreundschaft und die wunderbaren Gespräche, liebe Rita!

Die Probefahrt mit dem reparierten Auto führt uns nach Pisco Elqui. Wer schon mal Pisco sour getrunken hat, weiß Bescheid. Auf der Fahrt dorthin fasziniert uns immer wieder, wie Weinberge “auf chilenisch” aussehen. Wie grüne Zungen ziehen sich die Weinstöcke einen ansonsten steinigen, steilen Berg hinauf.

Die Fahrt zurück nach Argentinien verläuft unproblematisch. Das Auto ist brav. Die Kulisse ist diesmal nicht ganz so toll, weil dichte Wolken uns begleiten. Wir machen noch ein paar Bilder von komischen weißen Gebilden. Ein “steiler Zahn”? Nein, gleich mehrere! Und direkt unterhalb dieser “weißen Zähne” droht die Straße abzurutschen. Wir haben im Bild festgehalten, wie eine Warnung “auf argentinisch” aussieht – ein paar mit weißer Farbe angepinselte Steine am Abgrund. Wieder einmal sagen wir uns: “Bloß nicht nachts fahren!”

Als wir heute Morgen aufwachen, beginnt es zu regnen. Schnell brechen wir auf. Heute wollen wir es bis zum Valle de Luna schaffen. Die Straße dorthin ist eigentlich neu, aber durch die starken Regenfälle an vielen Stellen überflutet. Man baut hier keine Brücken, sondern sogenannte Badenes. Das sind Absenkungen in der Straße, oft durch eine Betondecke verstärkt. So wird eine schnelle Säuberung der Straße möglich. Wir aber müssen immer wieder durch Wasser und Dreck, denn die großen Räumfahrzeuge sind noch nicht durchgekommen.

Zu den Bildern: 25_Argentinien – Der Norden

Argentinien - Der Norden

Von Talampaya bis Salta

Dezember 2011

Das kleine hübsche Städtchen Villa Union ist Ausgangspunkt für unseren Besuch der beiden berühmten Parks in dieser zerklüfteten Berglandschaft. Auf dem Camping mitten in der Stadt sind wir allein. Jörg geht mit seinem Computer unter dem Arm die fünf Minuten bis zur Plaza. Dort soll es Wifi gebe. Unter den stattlichen Platanen sind fast alle Bänke besetzt. Aber am anderen Ende findet er ein lauschiges Plätzchen. Der Empfang ist gut und so vergehen zwei Stunden wie im Fluge. Als er gegen 22:00Uhr zurück kommt ist das große Tor geschlossen. Der Besitzer ist gegangen. Es dauert eine Weile, bis Marjorie die Rufe ihres Mannes hört. Sie findet eine Leiter, mit deren Hilfe es Jörg tatsächlich gelingt, das mit Stacheldraht bewehrte Tor zu überwinden, um wieder zu seiner geliebten Frau zu kommen. Was man als Rentner so alles noch machen muss!

Am nächsten Morgen geht es früh los. Die wenigen Kilometer bis zum P. N. Talampaya sind schnell zurückgelegt. Dann muss man sein Auto abstellen und darf mit dem Bus in den Park hineinfahren. Wir haben Glück – der Führer ist lustig und erklärt kenntnisreich. Die Gruppe ist recht homogen. So können wir entspannt die skurrilen Felsformationen bewundern. Sie regen die Phantasie an – mit unterschiedlichen Ergebnissen innerhalb unserer Gruppe. Nur bei einem der heiligen drei Könige sind sich alle einig. Die Überreste präkolumbischer Kulturen sind zahlreich. Es gibt unzählige Felszeichnungen. Viele davon sind noch nicht entschlüsselt.

Am Nachmittag geht die Fahrt weiter zum Valle de la Luna, dem Tal des Mondes. Zur Erkundigung dieser Mondlandschaft dürfen wir zwar das eigene Fahrzeug nehmen, müssen aber im Konvoi hinter dem Führer herfahren. Da es schon recht spät ist, sehen wir am Schluss nicht mehr sehr viel. Auch die Farben verblassen recht schnell. Aber interessant ist es trotzdem. Denn diese ungewöhnlichen Sandsteinformationen haben eine viele Millionen alte Geschichte. Das Feld mit den runden Steinen gefällt uns am besten. Dereinst gab es hier einen gewaltigen See, der üppiges Leben ermöglichte. Hier wurden die ältesten Saurierskelette gefunden. Die meisten Funde sind über die Museen der Welt verteilt. Das kleine Museum vor Ort ist eher enttäuschend.

In Belem treffen wir das schweizer Pärchen Fabienne und David mit ihrem VW-Bus wieder. Da wir bisher noch keinen Standplatz für die Nacht haben, fahren wir gerne mit ihnen zurück nach Londres, wo sie schon die letzte Nacht gestanden sind. Es regnet inzwischen ziemlich stark und so wird es ein feuchter Abend von innen wie von außen.

Auf die Ruinen von Quilmes hat sich Marjorie gefreut. Die Indianer hier haben den Spaniern lange Widerstand geleistet. Die alten Mauerreste lassen die einst wehrhafte Festung erahnen. Bei dem Namen Quilmes dürften aber die meisten Argentinier heute eher an die bekannte Biermarke denken.

Im Weinort Cafayate finden wir eine tolle Konditorei, in der wir uns bei einer Tasse Kaffee und leckerem Gebäck entspannen können, bevor es durch die Valles Calchaquíes geht. Nicht zum ersten Mal sind wir auf der Ruta 40. Und nicht zum ersten Mal sind wir hingerissen – diesmal von der Vielfalt der Landschaft. Liebliche Weindörfer wechseln sich ab mit bizarren Felsformationen. Kleine, hübsche Dorfkirchen am Wegesrand. Sandige, gelbe Hügel mit weiß blühenden Kakteen. Und im Hintergrund die majestätischen Anden, deren schneebedeckte Gipfel mit einem tiefblauen Himmel kontrastieren. Aber was wir auch sehen und uns einen ziemlichen Schock versetzt, ist der von einem reißenden Fluss total zerstörte Weinberg. Die Straße ist zum Teil sehr schlecht. Das sind wir ja von der Ruta 40 gewohnt. Aber welch eine phantastische Landschaft!

Am Ende dieses abwechslungsreichen, aber anstrengenden Tages genießen wir die warme Dusche des schönen, sauberen Campingplatzes in Cachi. Von diesem kleinen Bergort hatten wir schon viel gehört. Und wir sind nicht enttäuscht. Im Gegenteil. Zu gerne würden wir hier ein paar Tage entspannen. Aber wir sind unruhig. Wir müssen nach Salta. Dort werden wir morgen unsere Tochter Sandra treffen. Mit ihr und Tommy wollen wir ein paar Tage die Gegend um Salta erkunden, von der so mancher Reisender behauptet, dass es die schönste Landschaft Argentiniens sei.

Früh brechen wir heute auf. Die Fahrt geht am Nationalpark Los Cardones vorbei. Die bis zu 10 m hohen Kandelaber-Kakteen erinnern uns irgendwie an die chinesische Terrakottaarmee.

Das erste Ziel, das wir mit Sandra und Tommy ansteuern, ist der Tren a las Nubes, der Zug in die Wolken. Wir legen die Strecke allerdings in unseren Autos zurück. Es geht stetig bergauf, bis wir San Antonio de los Cobres erreichen. Kurz hinter dem kleinen Bergort geht eine Stichstraße zur technisch spektakulärsten Eisenbahnbrücke Südamerikas, dem Viadukt la Polvorilla. Wie die Bilder zeigen, ist Marjorie mindestens ebenso von der bunten Blumenwelt fasziniert. Auf dem Weg zum Viadukt kommen wir auch an einer Mine vorbei. Der bunte, kleine Friedhof, auf dem die Minenarbeiter begraben liegen, bringt uns ins Grübeln.

Die zweite gemeinsame Fahrt mit unseren Kindern führt in den Nordwesten von Salta. Zunächst geht es in das durch seinen bunten Hausberg bekannte Purmamarca. Der Cerro del los Siete Colores, “Berg der sieben Farben”, reißt uns nicht vom Hocker.

So geht es nach kurzer Pause weiter Richtung Paso de Jama. An den Salinas Grandes machen wir Pause. Photoshooting steht auf dem Programm! Als Vater vom liebsten Töchterchen der Welt auf Händen getragen zu werden, ist doch ein Photo wert! Findet ihr nicht auch?

Zum Schluss unserer gemeinsamen Tage treffen wir uns noch einmal in der Stadt mit dem Beinahmen “die Hübsche”. Wir könnten euch noch viel mehr schöne Bilder präsentieren, aber wir glauben zu wissen, was ihr denkt: “Jetzt reicht es.”

Ach so – noch eine Bemerkung zum letzten Bild. Jörg kann sich überhaupt nicht vorstellen, was Marjorie an diesem Tier findet. Wer eine Erklärung für dieses Bild hat, darf uns eine Email schicken.

Zu den Bildern: 26 Argentinien – Der Norden2

Argentinien - Der Norden

Iguazú - großes Wasser

April 2012

Von Salta kommend geht es quer durch die argentinische Provinz Chaco. Die Landschaft ist eintönig. Ein karges Land. Hier und da ein wenig Weidewirtschaft. Ansonsten niedriges Buschwerk durchsetzt mit ein paar größeren Bäumen. Die Entfernungsangaben auf unserem GPS stimmen genau mit den Kilometerangaben auf den Straßenschildern überein. Das bedeutet, dass die Straße schnurgeradeaus geht. Stundenlang. Jörg erweist sich ( wieder einmal ) als Kilometerfresser. Heute hat es den Vorteil, dass wir gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit Resistencia, die Hauptstadt der Provinz Chaco, erreichen. In der Stadt der Skulpturen haben wir einen Übernachtungstip bekommen, der sich als gut erweist. In einer nahen Tankstelle können wir noch unsere Emails abrufen. Dann fallen wir in einen tiefen Schlaf. Der Tag war anstrengend.

Auf einer großen Hängebrücke geht es am nächsten Morgen über den Rio Paraná nach Corrientes, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Und hier ereilt uns das gleiche Schicksal wie schon so viele andere Reisenden zuvor. Klingt sentimental, aber wir wollen nur versuchen, dass beim Schreiben nicht die Wut wieder hoch kommt.

Seit Jahren lesen wir in Reiseberichten und hören immer wieder von anderen Reisenden, dass die Polizei in den beiden Provinzen Corrientes und Entre Rios korrupt ist. Das haben wir nun am eigenen Leib erfahren, obwohl wir uns seelisch auf diese beiden Provinzen vorbereitet hatten.

Beim Abbiegen verhält sich Jörg nicht ganz korrekt. Die Sachlage ist unklar. Fünf Polizisten auf fünf Motorrädern stehen um uns herum und wollen uns zum Polizeipräsidium bringen. Dann zückt der Eine seinen Block und redet von Multa (Strafe) im Tausender-Bereich. Nach einer halben Stunde Verhandeln, Jammern, Betteln, Brüllen, Schweigen sind wir im Hunderter-Bereich. Nach weiteren 10 Minuten sagt der Andere “No Multa”. Der Dritte kommt mit der Idee einer Spende für die Kaffee-Kasse. Wir zücken Pesos. “Nein, keine Pesos – Dollars.” Jörg betont, dass er Deutscher sei und überreicht dem Vierten einen 10-Euro-Schein. Der Fünfte, der immer noch auf seiner Maschine sitzt, winkt uns weiter. Jörg gibt Gas.

Viele Monate sind wir durch Argentinien gereist. Wir haben dabei nur freundliche Menschen getroffen UND nur freundliche Polizisten. Hier nur zwei Beispiel: Irgendwo auf der Ruta 3 Richtung Süden wurden wir von der Polizei angehalten, weil Jörg vergessen hatte, dass Licht einzuschalten. Der Polizist griff durchs Fenster und schaltete unser Licht ein. Dann wünschte er uns gute Fahrt. In Rio Gallegos bog Jörg verkehrswidrig nach links ab und fuhr direkt auf zwei Polisten zu. Die hielten in an und klärten ihn auf, dann ließen sie uns weiter fahren.

Liebe Leser, wer von euch in Argentinien Auto fahren will, dem sei gesagt, dass er in ein wunderbares Land kommt mit liebenswerten Menschen. Aber von Corrientes und Entre Rios raten wir entschieden ab. Insbesondere gilt es, die Ruta 14 zu meiden!!!

Das wird allerdings schwierig, wenn man nach Misiones will. Und dort sollte man hin. Denn neben einer interessanten Historie hat diese Provinz eines der gewaltigsten und beeindruckendsten Naturwunder unserer Erde zu bieten.

Das kleine, schmucke Städtchen San Ignacio beherbergt eine sehr gut restaurierte Jesuiten-Reduktion.

Das Wort Iguazú bedeutet großes Wasser. Es ist das Beeindruckenste, was wir bisher in unserem Leben gesehen haben. Was wir empfunden haben, ist nicht in Worte zu fassen. Deshalb wollen wir die Bilder sprechen lassen.

Zu den Bildern: 27 Argentinien – Der Norden3

Uruguay

Ein friedliches Land

April / August 2012

Als wir bei Salto im Nordwesten des Landes nach Uruguay einreisen, macht sich sofort ein entspanntes Gefühl in uns breit. Nach dem Stress mit der argentinischen Polizei in der Provinz Corrientes tat es richtig gut, an den seltenen, meist unbesetzten Polizeiposten vorbei zu fahren. Die wenigen Straßenschilder sind sinnvoll platziert und so gut wie jeder hält sich daran. Die zurückhaltende Fahrweise passt gut zu der friedlichen Landschaft.

Alles strahlt hier irgendwie Ruhe und Frieden aus. Ein flaches, weites Land. Wiesen und Felder wechseln sich ab. Saubere Bauernhöfe mit gepflegten Gärten. Die Gegend im Nordwesten von Uruguay wird landschaftlich stark genutzt. Hier gefällt es uns auf Anhieb.

Die erste Nacht verbringen wir in einem kleinen Park, der hauptsächlich von einheimischen Fischern genutzt wird. Ab 22:00 Uhr ist Ruhe. Kein Motorengeräusch mehr und schon gar keine Diskolaute. Nur ab und zu trägt der Wind ein gedämpftes Murmeln von den Nachbarn herüber, die ein kleines Feuer gemacht haben.

Wir wohnen eine Weile bei Heinz und Silvia, bei den wir auch unser Auto in guten Händen wissen, während wir nach Hause reisen. Ihr wunderschönes Land reicht bis zum Atlantik. Jeden Tag laufen wir den weißen Sandstrand entlang, der abgesehen von ein paar einzelnen Fischern um diese Jahreszeit menschenleer ist.

In Atlántida haben sich viele Einwanderer angesiedelt. Hier besuchen wir auch unsere amerikanischen Freunde Doug und Susan, die sich in dem schönen kleinen Städtchen vor ein paar Jahren ein putziges Häuschen gekauft haben.

Zurück im Paraiso Suizo freut sich Jörg ganz sehr, sein “Baby” wieder zu sehen. Das Auto springt auch gleich ganz brav an und diesmal will Jörg sofort auf Einkaufstour gehen. Klar – es ist nicht der Supermarkt, der ihn anzieht, sondern die Aussicht, endlich wieder hinterm Steuer des Landcruisers zu sitzen.

Noch einmal verbringen wir ein paar Tage hier in diesem Schweizer Paradies. Ein paar Reparaturen sind angesagt. Die mitgebrachten Ersatzteile wollen verbaut werden, und als Marjorie einen Großputz des Fahrzeugs innen und außen für notwendig erklärt, runzelt Jörg nicht einmal die Stirn.

So vergeht die Zeit wie im Fluge mit Putzen, Quatschen und Planen. Natürlich essen wir auch noch einmal Rösti. Aber schließlich heißt es wieder einmal Abschied nehmen.

Gemeinsam mit Ruth und Walter, die von hier aus ihre Verschiffung nach Hause organisieren, brechen wir auf. Das Ziel ist Brasilien. Die beiden haben noch ein paar Tage Zeit und begleiten uns ein wenig Richtung Grenze. Gemeinsam genießen wir die wunderschöne Küste, die nach Norden hin immer verlassener wird.

Mit buchstäblich dem letzten Liter Diesel erreichen wir den brasilianischen Grenzposten.

Adios Uruguay. Es gab nichts Aufregendes. Nichts Spektakuläres. Auch nicht in der Hauptstadt, deren wohlklingender Name Montevideo Jörg schon als kleinen Junge so fasziniert hatte. Aber es waren sehr geruhsame Tage in einem Land, das für Einwanderer aus allen Teilen der Welt immer attraktiver wird.

Zu den Bildern: 28 Uruguay

Brasilien

Ein großes Land

September 2012

Eigentlich hatten wir gar nicht vor nach Brasilien zu fahren. Die Gründe dafür wissen wir selber nicht mehr so genau. Dass man in Brasilien Portugiesisch spricht, war sicher ein Grund. Für Jörg war und ist das Spanisch schon mühselig genug. Dann hatten Bekannte von der angeblich hohen Kriminalität in diesem Lande berichtet. Letzteres mag für die Großstädte und einige Küstenstreifen im Norden richtig sein. Wir sind durch den Süden dieses großen Landes gereist und nirgendwo haben wir uns unsicher gefühlt. Die Sache mit der Sprache trifft eher zu. Weil die Sprache der Schlüssel zu den Menschen ist und weil in Brasilien wie überall in Südamerika kaum Englisch gesprochen wird (in den Grenzgebieten wird ein wenig Spanisch verstanden), sind der Kommunikation mit den Einheimischen doch recht schnell Grenzen gesetzt. Durch die Offenheit und Kontaktfreudigkeit der Leute wird dieses Manko teilweise wettgemacht. Von der Begeisterung anderer Brasilienreisender haben wir uns aber schließlich anstecken lassen und den Süden dieses großen Landes besucht. Keine Minute haben wir diese Entscheidung bereut!

Die Wasserfälle von Iguaçu sehen von der Brasilianischen Seite noch beeindruckender aus als von der Argentinischen. Man hat die Fälle in eine Art Panoramaansicht aus verschiedenen Blickwinkeln stets vor sich. Ein ganz großartiges Naturschauspiel. Immer wieder bleiben wir auf unserer Wanderung stehen, machen Fotos und versuchen auch, die Bilder in uns aufzunehmen.

Etwas weiter nördlich von Foz do Iguaçu befindet sich das größte Wasserkraftwerk der Welt. Der Staudamm von Itaipu spannt sich quer über das Tal des Rio Paranás und versperrt diesem den Weg. Über 7 km lang ist dieses Bauwerk, das 1975 gemeinsam von Brasilien und Paraguay begonnen und nach zwanzigjähriger Bauzeit vollendet wurde. Obwohl die Rundfahrt insbesondere für Jörg als Elektroingenieur sehr interessant ist, wollen wir euch hier nicht mit Zahlen bombardieren, sondern auf Wikipedia verweisen. Eine Zahl beeindruckt uns aber ganz besonders. Die von den gewaltigen Generatoren erzeugte Leistung entspricht etwa 12 Atomkraftwerken.

Auch das Pantanal, das größte Feuchtegebiet der Erde, beeindruckt uns sehr. Wir kommen zu einer Zeit, da es seit 90 Tagen nicht mehr geregnet hat, und auch die Temperaturen für die Jahreszeit (Frühling) viel zu hoch sind (bis zu 40 °C!). Die Wasserpegel sind so weit abgesunken wie schon seit Jahren nicht mehr. Der Staub ist allgegenwärtig. Mensch und Tier leidet. Für uns Besucher hat das aber auch eine positive Seite. Wir sehen sehr viele Tiere, denn alle drängeln sich um die verbliebenen Wasserstellen. Wir haben auch kaum unter den Mücken zu leiden. Liest man andere Reiseberichte, muss die Mückenplage für einige Pantanal-Reisende die reinste Hölle gewesen sein.

Wir mögen eigentlich keine geführten Touren, sondern erkunden die Dinge lieber für uns allein. So fällt uns die Entscheidung, einen indianischen Guide anzuheuern und mit ihm eine Bootstour zu machen, nicht ganz leicht. Es sollte sich aber als unsere beste Entscheidung seit langem herausstellen. Denn wir sehen einen Jaguar! Für zirka drei Minuten aus ungefähr zehn Meter Entfernung! Diese drei Minuten sind der absolute Höhepunkt unserer bisherigen Reise überhaupt. Darin sind wir uns einig.

Auch die berühmten weißen Strände Brasiliens wollen wir uns nicht entgehen lassen, obwohl stundenlang am Strand in der Sonne braten, nicht so unser Ding ist. Dass wir außerhalb der Saison reisen, hat einen großen Vorteil. Oft teilen wir einen endlosen Strand nur mit ein paar Fischern.

Nur heute scheint das anders zu sein. In Florianópolis sind wir unversehens Teil einer riesigen Autoschlange, die sich auf die Ilha de Santa Catarina hin wälzt. Da wir auch am Strand keinen Platz mehr bekommen, ziehen wir uns auf einen Campingplatz zurück und setzen uns vor unserem Auto in die Sonne. Als am nächsten Tag kein Mensch mehr da ist, wundern wir uns zunächst, bis uns dann einfällt, dass heute Montag ist. Wir sind also ganz ungeplant unter die Sonntagsausflügler von Florianópolis geraten.

Die Stadt Florianópolis ist eine der ältesten Städte Brasiliens und die Skyline mit der langen palmenbestanden Allee davor ist schon beeindruckend. Uns gefällt es aber in dem kleinen Fischerdörfchen Garopaba etwas weiter südlich deutlich besser. Eine wunderschöne, weit geschwungene Bucht. Eine pittoreske, alte Kirche, die malerisch etwas höher am Hang platziert ist. Ein paar wenige Restaurants, in denen man jetzt in der Nebensaison gut und preiswert essen kann. Fischer, die ihre Netze putzen. Wir fühlen uns so wohl, dass wir ein paar Tage länger bleiben.

Leicht enttäuscht sind wir von Blumenau, einer überwiegend von Deutschen besiedelten Stadt, die insbesondere mit ihrem Oktoberfest Brasilien weit Werbung macht. Deutsche Namen finden sich überall und ein paar Fachwerkhäuser kann man durchaus schön nennen. Aber ansonsten ist Blumenau eine Stadt wie die meisten anderen Städte auch – laut und hektisch. Auch das etwas weiter nördlich gelegene, kleinere Pomerode reißt uns nicht vom Hocker. Allerdings können wir dort im Torten Paradies gut essen. Und Jörg bekennt, dass es durchaus nett ist, wieder einmal in Deutsch bedient zu werden.

Was uns in unserem Reisebericht einen eigenen Abschnitt wert scheint, ist das Essen. Wer nach Brasilien reist, sollte das Buffet à quilo nicht auslassen. In einem Selbstbedienungsrestaurant bedient man sich an einem sehr reichhaltigen Buffet. Entweder bezahlt man nach Gewicht oder es gibt gleich Buffet libre. In letzterem Fall bekommt man vom Kellner einen Zettel, auf dem dieser die Getränke vermerkt. Bezahlen tut man dann am Ausgang. In den besseren Lokalen laufen die Kellner ständig zwischen den Tischen hin und her. In der einen Hand haben sie einen langen Spieß, an dem sich jeweils nur eine Fleischsorte befindet. In der anderen Hand haben sie ein großes Messer, scharf wie eine Rasierklinge, mit dem sie dem Kunden die Fleischstücke direkt auf den Teller abschneiden. Ist ein Spieß verteilt, kommt die nächste Sorte Fleisch. Selbst das Dessert kommt am Spieß – Ananas heiß und mit Zimt bestreut. Marjorie kann gar nicht genug davon bekommen.

Natürlich wollen wir auch nicht verschweigen, dass wir unseren ersten “Platten” hatten. Auf der Ausfahrt aus dem Pantanal ist die Straße neu aufgeschüttet und planiert worden, und zwar mit scharfkantigen, roten Bruchsteinen. Auf über dreißig Kilometer gibt es kein Ausweichen. Glück im Pech – das Loch ist so klein, dass wir das Rad mit unserem bordeigenen Kompressor immer wieder aufpumpen können und es auf diese Weise bis in die Grenzstadt Corumbá schaffen. Warum wir eine Reifenpanne so breit erzählen, hängt damit zusammen, wie sehr uns der Monteur und das ganze Umfeld beeindruckt hat.

Die Werkstatt hat eine Größe von zirka vier auf fünf Meter. Der etwa gleichgroße Raum nebenan dient dem Wohnen/Schlafen und als Büro. Die ganze Zeit sitzen da zwei Frauen mit zwei kleinen Kindern. Der Monteur arbeitet schnell und geschickt, obwohl unser Reifen eigentlich für die uralten Geräte eine Nummer zu groß sind. Nach zwei Stunden steht unser Landcruiser wieder auf vier Rädern. Wir sind beide total beeindruckt von diesem umsichtigen, freundlichen und bescheidenem Mann. Er verlangt 15 Reals. Das sind etwa 6 Euro. Als wir nach dem Alter fragen, ist seine Antwort “fünfzehn”.

Zu den Bildern: 29 Brasilien

Bolivien 1

Das Tiefland

Oktober 2012

Manche sagen, das echte Südamerika beginnt in Bolivien. Wir kommen von Osten. Die Ausreise aus Brasilien dauert länger als geplant. Wir müssen uns in die lange Schlange von Bolivianern einreihen, die alle nach Brasilien wollen. Wir sind die Einzigen, die aus Brasilien ausreisen wollen. Aber es ist nun mal derselbe Schalter. So frieren wir eine Stunde lang im kalten Wind, der von den Anden kommt. Als wir dann endlich an die Reihe kommen, geht alles nur drei Minuten. Aber den Keim für eine deftige Erkältung hat Jörg soeben bekommen.

Die Einreise nach Bolivien geht wider Erwarten zügig. Nach 45 Minuten ist alles erledigt. Wir haben 90 Tage Aufenthalt für unser Auto bekommen, aber nur 30 Tage für uns selbst, angeblich verlängerbar in jeder größeren Stadt.

Das vielversprechende Hotel, welches uns empfohlen wurde, ist leer. Ein großes Schild weist darauf hin, dass man es kaufen kann. Das wollen wir aber nicht und so drückt Jörg aufs Gaspedal, denn es ist schon spät am Tag und jetzt müssen wir es vor Einbruch der Dunkelheit bis zur nächsten Adresse schaffen.

Auf dem Camping Miraflores in Aguas Calientes fühlen wir uns gleich wohl. Wir sind die einzigen. Der nahe Fluss hat doch tatsächlich richtig heißes Wasser. Zumindest dort, wo es aus dem Boden sprudelt. Der Fluss ist nur etwa einen Meter tief aber zirka 150m breit. Und so haben wir beide viel Spaß, uns im warmen Wasser zu tummeln. Den weißen Reiher am anderen Ufer stört das nicht.

Am Wochenende ist es mit der Ruhe dahin. Wir brechen Richtung Santa Cruz auf. Die Straße verläuft schnurgerade durch das bolivianische Tiefland. Hier wohnen sehr wenige Menschen, unter anderem aber sehr viele Mennoniten.

Die plötzliche Idee ihnen einen Besuch abzustatten, geht schief. Das Schild Manitoba verführt uns, einen Abstecher zu machen. Nach 25km auf schlechter Straße kehren wir um. Die beiden Pferdekutschen, die wir angehalten haben, um nach dem Weg zu fragen, bringen unterschiedliche Hinweise.

Etwas enttäuscht kehren wir um und haben an der nächsten Tankstelle doch noch eine nette, kleine Begegnung. Ein Mennonite hat auf seiner Kutsche ein großes Fass, in dem er Diesel für die Traktoren holen will. Die Mennoniten in dieser Gegend haben zwar Traktoren. Diese aber haben Eisenräder, damit man nicht auf die Idee kommt, sie zum Spazierenfahren auf dem Highway zu verwenden.

Dieser Mann erweist sich als sehr gesprächig. Sein Englisch ist perfekt, denn er hat bis zu seinem achten Lebensjahr in Kanada gelebt. Auf diese Weise erfahren wir doch noch einige interessante Details vom harten Leben der Mennoniten hier im Tiefland von Ost-Bolivien.

In der Großstadt Santa Cruz bekommt der Landcruiser vier neue Reifen. Die letzte Panne in Brasilien war uns ein Hinweis. Übernachten tun wir nicht in de Stadt, sondern in Lomas de Arena, den Saharadünen Südamerikas. Mitten im Inland türmen sich hier gewaltige Sandberge auf. Schon die Anfahrt zu ihnen ist abenteuerlich. Es gilt mehrere tiefe Flussdurchfahrten zu bewältigen.

Der Parque National Amboro ist eher eine Enttäuschung. Obwohl wir zusammen mit vier anderen Reisenden extra einen Führer für zwei Tage angeheuert haben, sehen wir so gut wie keine Tiere. Im glasklaren Bergwasser zu baden, ist ein kleiner Ausgleich.

User nächstes Ziel ist Cochabamba, die Stadt des ewigen Frühlings. Wir erreichen es nur mit Mühe. Denn inzwischen sind wir in den Anden. Es geht auf über 3000m und unser Landcruiser hat große Mühe. Eine dichte schwarze Rauchwolke hinter uns herziehend erreichen wir endlich den Pass.

Der Aufenthalt in Cochabamba wird für uns zu einem sehr schönen Erlebnis – Dank Matthias und Marlene. Die Beiden kümmern sich ganz rührend um uns.

Der Toyota wird generalüberholt. Frisches Öl, neue Filter. Die Einspritzpumpe und die Einspritzdüsen werden in alle Einzelteile zerlegt und gründlich geputzt. Der Rammschutz muss geschweißt werden. Für jede Arbeit kennt Matthias den richtigen Mann.

Wir selbst können uns derweil ganz wunderbar auf dem herrlichen Anwesen der Beiden entspannen. Zwischendurch geht es mal auf die verschiedenen Märkte von Cochabamba, einschließlich dem Hexenmarkt, natürlich immer unter Marlenes sachkundiger Führung.

Zu den Bildern: 30 Bolivien 1

Bolivien 2

Auf dem Altiplano

Oktober 2012

Nachdem wir genügend Zeit hatten, uns an die Höhe zu gewöhnen, geht es nun auf das Altiplano. Die Straße zieht sich durch eine grandiose Bergwelt in endlosen Serpentinen hoch auf weit über 4000m. Nur ab und zu noch ein kleiner Weiler oder eine halb verfallene Tankstelle.

Der Landcruiser läuft nach seiner Verjüngungskur wie ein Uhrwerk. Er zieht an jedem Lastwagen mühelos vorbei. Jörg hat seine helle Freude und ist von Marjorie nur durch das Wort “Dieselverbrauch” zu bewegen, den rechten Fuß etwas anzuheben.

Das Altiplano ist eine fast baumlose Hochebene zwischen 3500m und 4200m Höhe. Die Teerstraße nach La Paz führt meist schnurgeradeaus. Auf der Ostseite der Ebene rückt die mit Schnee bedeckte Cordillere immer näher. Ein Gipfel schöner als der Andere, viele über 6000m hoch.

Boliviens größte Metropole heißt La Paz und ist für uns Liebe auf dem zweiten Blick. Mit einer Höhendifferenz von knapp über 1000m ist sie wahrscheinlich eine der ungewöhnlichsten Stadtanlagen der Welt. Am späten Nachmittag erreichen wir El Alto, mit 4100m den höchsten Punkt. Dann fällt das Gelände unglaublich steil um 1000m nach unten. Die Hochhäuser unten im Tal liegen schon im Schatten, während die Abendsonne auf die gegenüber liegenden Berghänge klare Konturen zeichnet. Überall Häuser. Bis hoch an den Rand der Ebene ziehen sie sich. Beeindruckend.

Das unter Reisenden wohl bekannte Hotel Oberland wird unser Basislager. Von hier aus unternehmen wir mit dem Taxi Fahrten in die Stadt. Wir beobachten einen kilometerlangen Protestzug quer durch die Innenstadt mit farbenprächtigen Teilnehmern. Wir besuchen das Coca-Museum und studieren die Geschichte dieser Pflanze. In eindrucksvollen Bildern wird gezeigt, wie diese Pflanze durch die Jahrhunderte hindurch “Politik” gemacht hat. Nachdem wir auch noch ein Café mit exzellentem Cappuccino gefunden haben, beschließen wir noch einen Tag zu bleiben.

Wir machen einen zweitägigen Abstecher zum Titicacasee, diesem sagenumwobenen See auf 3810m über dem Meer. Die Kulisse ist absolut beeindruckend. Was Marjorie aus dem Reiseführer vorliest, klingt nicht so schön – ein sehr verseuchtes Gewässer, bei dem schon verschiede Umweltinitiativen gescheitert sind.

Auf dem Weg Richtung Osten bringt uns eine wenig vertrauenswürdige Holzfähre über den Estrecho de Tiquina, die Seeenge, welche den See in eine größere Hälfte im Norden und eine kleiner im Süden teilt.

Endlich sehen wir tief unter uns das schmucke Städtchen Copacabana. Der Ort blickt auf eine über 3000 Jahre alte Geschichte zurück. Sehr selbstbewusst erzählt hier jeder Einwohner, dass man der Namensgeber für den etwas bekannteren Stadtteil in Rio de Janeiro sei. Überprüfen können wir das nicht, aber eigentlich ist es uns auch egal. Wir genießen das bunte Treiben um die weiß schimmernde Basilica Virgen de la Candelaria.

Das wöchentliche Ritual vor der Kirche haben wir allerdings verpasst: Die Leute schmücken ihre Autos mit Plastikblumen und Girlanden. Dann tritt ein Priester mit einem Eimer Weihwasser aus dem Gotteshaus und segnet die Fahrzeuge.

Wir quälen uns stattdessen in dünner Höhenluft auf den Cerro Calvario. Wir brauchen zwar 40 Minuten für den Aufstieg, werden aber mit einer fantastischen Aussicht auf den Titicacasee belohnt. Wir genießen die Abendsonne, bis ein immer kälter werdender Wind uns wieder nach unten treibt, wo es eine ganz heiße Suppe geben soll …

Der letzte Ausflug, den wir von La Paz aus unternehmen, ist eine Fahrt in die Yungas. So heißt die Landschaft, wo die Cordillera Real in das Beni-Becken abbricht. Die Fahrt auf der Camino de la Muerto gehört zu den spektakulärsten Andenerlebnissen überhaupt. In mehreren Stunden geht es auf endlosen Serpentinen talwärts. Man durchfährt einen Höhenunterschied von 3000m und kann dabei alle Klima- und Vegetationszonen Südamerikas erleben. Die Straße ist oft keine drei Meter breit und dann fällt der Berg hunderte von Metern steil nach unten. Der talwärts fahrende Verkehr muss links fahren, damit der Fahrer die Abbruchkante besser im Auge hat, und nötigenfalls bei Gegenverkehr zurücksetzen. Zum Glück blieb uns das erspart, denn nach jeder Kurve haben wir die nächste Ausweichstelle fixiert. Was uns ein wenig Bange gemacht hat, waren die vielen Mountainbiker aus aller Welt, die hier zu Tale rasen. Die vielen Kreuze am Straßenrand erklären, woher der Name >i>Straße des Todes kommt.

Für uns läuft an diesem Tag allerdings alles ein wenig anders als erwartet ab. Am frühen Nachmittag haben wir die berühmt-berüchtigte Strecke hinter uns und sind noch ganz benommen von dieser landschaftlichen Schönheit. Entspannt beschließen wir wieder auf 1750m hochzufahren, um in Coroíco zu übernachten. Verführerisch leuchtet das schmucke Örtchen auf der gegenüberliegenden Bergflanke in der Sonne.

Als immer mehr mit Blumen geschmückte Autos den Berg hochbrettern werden wir nachdenklich. Wir erreichen den Ort im Schritttempo müssen sinnigerweise noch eine Maut zahlen und dahinter geht nichts mehr. Die Gassen sind steil und eng. Marjorie versucht Jörg zu dirigieren. Die Autos stehen dicht an dicht, dazwischen unzählige Menschen in bunten Trachten. Wir beschließen umzudrehen, aber auch das ist leichter gesagt als getan. Jörg steht der Schweiß auf der Stirn. Immer geht es um Zentimeter, seitlich, hinten, vorn. Der Motor ist heiß und stellt deshalb im Leerlauf immer wieder ab. Jörg versucht, ruhig zu bleiben. Aber zum ersten Mal in Südamerika geht ihm das ständige Hupen auf die Nerven. Er erinnert sich selbst an die fast zwei Millionen Kilometer, die er “auf dem Buckel” hat.

Als wir nach einer langen Stunde aus dem Chaos heraus sind, kann Jörg kaum die Wasserflasche halten, so zittern seine Hände. Er geht um das Auto herum, weil er es noch nicht fassen kann, dass der Toyota keine Schramme hat. Marjorie zitiert aus dem Reiseführer: Tanz- und Musikfest in Coroíco vom 19. bis 22. Oktober. Mit etwas Anstrrengung unterdrückt Jörg die unfaire Bemerkung “Das hättest du mir ja früher sagen können”. Stattdessen presst er hervor: “Für mich war die Straße des Todes ein Klacks gegen die Hölle Coroíco.

Zu den Bildern: 31 Bolivien 2

Bolivien 3

Koloniale Perlen und landschaftliche Schönheiten

November 2012

Nach ein paar entspannten Tagen in La Paz brechen wir in den Süden Boliviens auf. In Oruro ist unsere Fahrt erst einmal zu Ende. Nicht, dass die Stadt uns besonders beeindruckt. Es ist die Warnleuchte für den Keilriemen, die uns zum Verweilen in dieser doch recht dreckigen Stadt zwingt. Aber freundliche Menschen gibt es hier. Sogar eine ganze Menge. Dem Autofahrer an der Tankstelle erklären wir unser Problem. Er fährt mit uns durch die halbe Stadt. Sein Mechaniker ist in Urlaub. Beim zweiten haben wir Glück. Der nette Autofahrer verabschiedet sich und spricht noch eine Einladung aus, bei ihm im Garten zu campieren, falls wir hier länger bleiben müssen. Aber das ist nicht nötig. Denn der freundliche und kompetente Mechaniker, sagt, dass der Keilriemen noch völlig in Ordnung sei. Wir beschließen dennoch zu Ernesto Hug nach La Paz zurück zu fahren. Die Meinung des Experten ist uns wichtig. Außerdem ist der ständige Anblick dieser Warnleuchte irritierend. Machen wir die Geschichte kurz: Beim letzten Keilriemenwechsel wurde das Signal nicht zurückgesetzt. Wir finden selbst dazu im Internet eine Anleitung. Mit stolz geschwellter Brust brechen wir ein zweites Mal nach Süden auf.

Wir starten früh, um in einem Rutsch bis kurz vor Potosí zu kommen. Dort haben wir einen Übernachtungsplatz genannt bekommen, der sich als ein ganz außergewöhnlicher Tipp herausstellen sollte. Bei schlechtem Wetter und kurz vor der Dunkelheit erreichen wir das Hotel Museo Cayara.

Wir dürfen im Innenhof stehen. Beim Abendessen sitzen wir auf vierhundert Jahre alten Stühlen. Von den Wänden lächeln uns aus verschiedenen Bildern vergangene Schönheiten oder wichtige Männer aus der damaligen Zeit freundlich an. Nachdem wir ein einfaches, aber gutes Abendessen genossen haben, lässt es sich Don Arturo, der stolze Besitzer dieses Kleinodes, nicht nehmen, uns höchst persönlich durch die Räumlichkeiten zu führen. Kenntnisreich und mit großem Enthusiasmus, zeigt er uns den Rittersaal, erklärt uns die Bibliothek und führt uns ins Schlafzimmer von Marschall Sucre, den Freiheitshelden Boliviens. Den Abend beschließen wir bei einem Glas Rotwein aus dem heimischen Weinberg am knisternden Kaminfeuer.

Klar, dass wir am nächsten Tag auch die schöne Umgebung erkunden. Das Land ist fruchtbar. Es ist Frühsommer hier auf der Südhalbkugel und daher sind die Leute überall fleißig bei der Arbeit, um ihre Felder zu bestellen. Zwei Ochsen ziehen den Pflug. Gesät wird von Hand. Wir laufen auch zum nahen Wasserfall. Dort fasziniert Jörg insbesondere das alte Kraftwerk. Turbinen von Siemens aus dem Jahre 1918 erzeugen noch immer ohne größere Pannen den Strom für das Dorf und die umliegenden Weiler. Man sieht, ein technisches Produkt kann man so bauen, dass es hundert Jahre hält!!! Don Arturo erzählt bei unserer Rückkehr stolz, dass sein französischer Urgroßvater Bauingenieur war und damals das Kraftwerk gebaut hat, ebenso die Hängebrücke in der Nähe von Sucre.

Mit dem Taxi fahren wir am nächsten Tag in das nahe Potosí, die mit 4065 m höchstgelegen Großstadt der Welt. Sie verdankt ihre Existenz einem Berg: aus dem 4829 m hohen Cerro Rico de Potosí wurde seit Mitte des 16. Jahrhunderts tausende von Tonnen Silber gefördert. Potosí galt als die Schatzkammer Amerikas und hatte um 1650 rund 160.000 Einwohner, mehr als Madrid oder Rom damals hatten. Doch der Reichtum der Stadt hatte einen traurigen Preis. Rund 8 Millionen Menschen, vor allem Indigenas, aber auch Sklaven aus Afrika fanden bis zum 18. Jahrhundert in den Minen den Tod, erlagen den unmenschlichen Arbeitsbedingungen in dieser Höhe.

Nicht zuletzt aus diesen Gründen verzichteten wir auf einen Besuch des Bergwerks, indem auch heute noch nach den letzten Silberresten gesucht wird. Stattdessen besichtigen wir das Casa Real de la Moneda, in dem auf Bildern und mit Modellen aus der Geschichte der Stadt erzählt wird. Die Maschine mit den gewaltigen Holzrädern zum Prägen von Silbermünzen beeindruckt uns mit am meisten. Aber auch die Schatztruhe mit den zwölf unterschiedlichen Schlössern, in den früher das Silber nach Spanien transportiert wurde, hätten wir am liebsten mitgenommen.

Am nächsten Morgen nehmen wir nach dem Frühstück im Hotel Cayara noch einen Schluck vom frischen Quellwasser des Brunnens. Damit ist sichergestellt, dass wir an diesen heimeligen Ort zurückkehren werden.

Es geht weiter nach Sucre, der für uns schönsten Stadt Südamerikas. Mitten in der Stadt finden wir bei Felizidad und Alberto den idealen Stellplatz. Zehn Minuten zu Fuß bis zur zentralen Plaza. Auf dem Weg in die Innenstadt müssen wir jedes Mal an der Statue des bolivianischen Freiheitshelden Moto Mendez vorbei. Das Besondere an diesem Reiterstandbild ist nicht nur die immer noch ziemlich bedrohlich wirkende Pose, sondern die Tatsache, dass dem Mann die linke Hand fehlt.

Zwei sehr unterschiedliche Eindrücke können wir noch von Sucre mitnehmen. Eine professionelle, bolivianische Tanzgruppe führt die unterschiedlichen Tänze aus den verschiedenen bolivianischen Provinzen vor. Ein sehr bunter, temperamentvoller und unterhaltsamer Abend ist das. Ein gutes Essen ist auch noch im Preis enthalten.

Das andere Erlebnis haben wir beim Besuch des zentralen Friedhofs. Zufällig sind wir am 2.November dort, dem Tag der Toten. Alles ist uns sehr fremd hier, aber hoch interessant. Es beginnt mit dem Rummel am Eingang. Ein Verkaufsstand neben dem anderen. Es werden Blumen angeboten und viel, viel zum Essen.

Neugierig laufen wir einer Gruppe hinterher. Ein junger Mann läuft mit einer Leiter voraus. Wozu brauch der die denn?! Bald bekommen wir die Antwort. In einer vielleicht vier Meter hohen und mehrere Meter langen Wand sind “Fächer” eingebaut, die jeweils mit einer Glastür verschlossen sind. Dort ruhen also die Toden. Der junge Mann setzt die Leiter an diese Wand, klettert zu der angewiesenen Tür hoch, schließt sie auf, nimmt die vertrocknenden Blumen heraus und stellt die neuen mit frischem Wasser hinein. Ende der Prozedur. Rückmarsch zum Ausgang.

Die ganze Zeit, die wir auf dem Friedhof sind, sehen wir nur fröhliche oder zumindest entspannte Gesichter, jedenfalls keine wirklich traurigen. Was uns noch sehr beeindruckt hat, sind die Vorbeter. Meist sind es Frauen, die offensichtlich die ganzen alten Gebete noch auswendig können und gegen einen Obolus “herunterleiern”. Die Betroffenen sitzen andächtig und mit geschlossenem Mund daneben.

Sucre ist der ideale Ort zum Ausspannen. Die weiß getünchten Häuser aus der Kolonialzeit bieten vor allem abends eine perfekte Kulisse zum Flanieren.

So werden aus drei geplanten Tagen sieben. Zwischendurch fahren wir auch noch in einem “Touribus” nach Tarabuco. Das Dorf ist bekannt für seinen Markt. In den engen Gassen reihen sich die Markstände dicht aneinander. Campesinos aus der gesamten Region kaufen und verkaufen hier alles, was zum was zum Leben in dieser kargen Bergwelt benötigt wird: Obst, Gemüse, Fleisch, aber auch Stoffe, Werkzeuge, Baumaterial und natürlich Lederwaren und Schmuck.

Die Leute hier reden Quechua, die Sprache der Indigenas und tragen farbenprächtige Kleidung: Die Männer handgewebte Ponchos, helmartige Kopfbedeckungen, silberbeschlagene Ledergürtel und sporenbewehrten Holzschuhe. Die Frauen tragen dunkle Stoffumhänge und haben eckige Hüte auf dem Kopf.

Weiter geht es zum nächsten Traumziel Boliviens – den Salar de Uyuni, dem größten Salzsee der Erde. Aber vorher bunkern wir noch einmal Diesel – am Straßenrand aus einem Tankwagen, der eigentlich die Fahrzeuge der Straßenbauarbeiter versorgt. Weil die Touristen drei Mal so viel für den Diesel zahlen müssen wie die Einheimischen, freuen wir uns natürlich sehr über das Entgegenkommen des Lastwagenfahrers.

Bis zu sieben Meter dick ist die Salzschicht des Salars. Am Ufer sind allerdings viele weiche Stellen, wo das Fahrzeug versinken kann. Wir halten uns an die dunkel gefärbte Auffahrt und schnell beschleunigen wir auf über 80 Sachen. Das blendende Weiß des Salzes und der stahlblaue Himmel bilden einen scharfen Horizont, dem wir entgegenrasen. Ein unglaubliches Erlebnis.

Die Nacht verbringen wir auf der Rückseite der Isla Incahuasi. Über uns spannt sich ein funkelnder, unendlicher Sternenhimmel. Der Wind hat nachgelassen, aber es wird kälter. Und jetzt kommt die Stille. Eine Lautlosigkeit, wie wir sie noch nie wahrgenommen haben. Es ist wie in einer anderen Welt. Kein einziges Geräusch mehr, nur das Pochen unseres Herzens. Wir trinken den letzten Schluck Rotwein und schlüpfen in unseren Schlafsack. Es fällt kein Wort mehr. Jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach.

Das letzte Highlight, das wir uns in Bolivien vorgenommen haben, ist die sogenannte Lagunenroute. Sie führt vom Salar de Uyuni immer an der chilenischen Grenze entlang bis zur Südspitze Boliviens. Wir bewegen uns ständig in Höhen zwischen 3800m und knapp über 5000m. Wunderschöne Lagunen, eine farbenprächtiger als die andere, wechseln sich mit mächtigen Vulkankegeln ab. Viele von ihnen haben eine deutlich sichtbare Rauchfahne. Es ist die schlechteste Straße Südamerikas. Strecken mit Tiefsand wechseln sich ab mit felsigem Untergrund oder Schotter. Zum Teil kommen wir nicht schneller als ein Fußgänger voran. Aber es ist auch die gewaltigste Naturkulisse, die wir auf diesem Kontinent erlebt haben. Und immer wieder sehen wir einzelne Vicunas und wundern uns, was die in dieser Steinwüste wohl zu fressen finden.

Das hatten wir für Bedenken wegen der gefürchteten Höhenkrankheit! Und zwei Nächte lang auf über 4600m Höhe zu schlafen ist tatsächlich kein Vergnügen. Immer wieder sind wir aufgewacht und glaubten keine Luft mehr zu kriegen. Zu allem Überfluss sah Jörg dann immer auch noch das Fußballfeld auf über 5000m Höhe in der Nähe des Borax-Bergwerks vor sich, das wir fotografiert haben, weil wir es nicht glauben wollten, dass Leute in dieser Höhe Fussball spielen. Aber wenn man diese Route fährt, muss man diese kleinen Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen. Doch allein schon die Laguna Colorada war diese Mühen wert.

Jetzt, da wir “es” hinter uns haben und die wunderschönen Fotos anschauen, sind wir stolz und glücklich, sagen zu können: “We did it.”

Zu den Bildern: 32 Bolivien 3

Chile - Der Norden

Atacama - Die trockenste Wüste der Welt

Dezember 2012

Wir kommen aus Bolivien. An der knapp über 5000m hoch gelegenen bolivianischen Grenzstation hält der Beamte uns ein abgegriffenes Papier unter die Nase, mit dem er seine Ausreisegebühr von 5 US$ begründet. Die letzten Tage auf der Rüttelpiste in ständig über 4000m Höhe haben uns müde gemacht. Wir wollen endlich nach Chile, hinunter ans Meer. Und so zahlen wir kommentarlos.

Nach wenigen hundert Meter in Chile nimmt uns ein schnurgerades Asphaltband auf und bringt uns innerhalb weniger Minuten zweieinhalb tausend Meter abwärts. Die Aussicht dabei ist großartig. Tief unter uns liegt die Atacama Wüste. Immer wieder halten wir an und nehmen das Panaorama in uns auf. Weite Sandflächen mit gleißenden Salzseen gesprenkelt. Von Bergketten eingerahmt.

Wir erreichen San Pedro de Atacama. Die Zollformalitäten sind schnell erledigt, das empfohlene Hotel Takha Takha nicht ganz so schnell gefunden und schon bald stehen wir endlich wieder einmal unter einer richtigen Dusche.

Den Abend verbingen wir beim Bummel durch die kleinen Gassen und in einem gemütlichen, höhlenartigen Restaurant. Zugegeben, wir hatten Vorbehalte wegen der vielen Touristen hier. Auch hatten wir gehört, dass San Pedro der zweitteuerste Ort (nach den Osterinseln) von ganz Chile ist. Aber jetzt erliegen auch wir dem Zauber dieser kleinen, grünen Oase inmitten der Atacama-Wüste. Wir verbringen die Tage mit Lesen, Scheiben, Essen und Bummeln.

Nach ein paar Tagen Faulenzen ist unser Unternehmungsgeist neu erwacht. Wir besuchen zunächst die Laguna Cejar. Der Salzgehalt ist so hoch, dass man sich im Wasser treiben lassen kann. Weil Jörg dann aber doch nicht ins Wasser will, muss Marjorie einen fremden Mann fotografieren.

Wir fahren weiter zu dem kleinen Dörfchen Toconao. Die alte Kolonialkirche gefällt uns. Was uns aber besonders beeindruckt, ist der freistehende, dreistufige Glockenturm mit seinen massiven Türen aus Kakteenholz.

Unser südlichster Punkt auf dieser Tagestour ist die Laguna de Chaxa. Hier gibt es drei verschiedene Flamingoarten, wobei der James Flamingo eigentlich in Bolivien zu Hause ist und nur im Winter hier zur Laguna de Chaxa kommt.

Wir packen zusammen und verabschieden uns von San Pedro. Es geht nicht weit heute. Nur bis zum Valle de la Luna. Der Park ist interessant, kommt aber nicht an den berühmten Namensvetter in Argentinien heran. Was uns gefällt ist, mit der Taschenlampe durch die Höhle zu kraxeln.

Unser nächstes Ziel sind die Geysire von Tatio. Sie liegen knapp 100km nördlich von San Pedro de Atacama. Die Landschaft ist wieder atemberaubend, wie schon so oft in Südamerika. Wir steigen von 2440m bis auf fast 4300m Höhe. Tatio ist damit das höchst gelegene Geysirefeld der Welt. Eigentlich wollten wir uns die Strecke aufteilen, um die Höhe besser zu bewältigen. Aber dann fahren wir doch bis zum Parkeingang und übernachten dort.

Das rächt sich prompt. Es ist saukalt. Unser Thermometer zeigt -5°C. Wir haben vier Lagen Kleidung am Körper. Unsere Dieselheizung funktioniert in dieser Höhe nicht. Am schlimmsten aber ist die Atemnot, die vor allem Jörg überfällt. Er macht die ganze Nacht kein Auge zu. Eigentlich hätten wir doch eine Nacht auf 3200 einlegen sollen. Zu spät jetzt für diese Überlegungen. Aber Kopfweh haben wir beide nicht. Das ist beruhigend.

Um 5:30 schälen wir uns aus den diversen Kleidungsstücken und wärmen uns an der Kaffeetasse. Um 6:00 kommen die ersten Touranbieter mit ihren Gästen. Sie sind um 4:00 morgens in San Pedro gestartet.

Wir fahren in das riesige Gebiet hinein. Überall fängt es in der Morgendämmerung an, zu zischen und zu brodeln. Wir kommen uns vor wie in einem überdimensionalen Dampfbad. Manche Geysire schießen meterhoch in den Himmel, andere blubbern vor sich hin. Es passiert so viel gleichzeitig, dass wir gar nicht wissen wo wir hinschauen sollen, geschweige denn wohin wir die Kamara richten sollen.

Als die Sonne über die Berge kommt, geht ein Raunen durch die inzwischen doch sehr angewachsene Menschenmenge. Der weiße Wasserdampf zieht über die roten Bergflanken. Die Strahlen der Morgensonne zaubern Regenbogenfarben in die aufsteigende Gischt. Welch ein beeindruckendes Spektakel, das die Natur hier veranstaltet.

Müde, aber glücklich machen wir uns auf den Rückweg. Der führt uns über das kleine Städtchen Chiu Chiu, wo wir neben der burgähnlichen Kirche Mittag machen, nach Calamá. Wir müssen Schlaf nachholen, deshalb bleiben wir zwei Tage auf dem Camping, obwohl es in dieser Industriestadt nichts zu sehen gibt, außer viele dicke Autos, die alle recht neu und gepflegt aussehen. Man sieht, dass es den Leuten hier gut geht. Und das liegt an den vielen Edelmetallen, die allerorten im Boden liegen.

Ganz stimmt nämlich die Aussage nicht, dass es in dieser Gegend nichts zu sehen gibt. Im benachbarten Chuquicamata gibt es die größte offene Kupfermine der Welt. Aber da hinein zu kommen, ist gar nicht so einfach. Es gibt nur eine Führung pro Tag und dazu muss man sich drei Tage voher anmelden. Das ist uns zu umständlich und so begnügen wir uns mit dem, was wir vor das Teleobjektiv bekommen: Dicke Wasserrohre die das kostbare Nass aus den nahen Bergen herbeischaffen. Gewaltige Lastwagen, deren Lademulde die ganze Straße einnehmen.

Da wir beide genug von der Wüste haben, beschließen wir zum Pazifik zu fahren. Die Ruta 1 führt uns an einer verlassenen Küste entlang bis nach Iquique. Unterwegs halten wir immer wieder an, weil uns die vielen Wasservögel so gefallen. Sogar Pinguine sehen wir.

Die Stadt liegt 1900km nördlich von Santiago und ist seit vielen Jahren der wichtigste Hafen von Chile hier im Norden. Iquique liegt auf einer schmalen Platte, eingezwängt zwischen dem Pazifik und einem Bergrücken, der bis auf 600m ansteigt.

Wir finden einen tollen Standplatz auf dem Gelände einer Paragleiterschule, wo wir alles haben, was ein Overlander so braucht – insbesondere die beste Dusche Südamerikas. Viel besichtigen tun wir aber nicht, denn am Auto gibt es eine Menge zu tun. Eine neue Starterbatterie muss her. Das Diesel-Luft-Gemisch wird neu eingestellt, damit der Motor wieder schön rund läuft. Um den Kurzschluss im Kabel für das Bremslicht zu finden, braucht selbst die Bosch-Vertretung doch einige Mannstunden. Nur das Geklappere vom Auspuff ist immer noch nicht ganz verschwunden.

Die letzte Nacht in Chile verbringen wir in Arica. Die Stadt mit ihrer bewegten Geschichte beeindruckt uns nicht besonderes. Aber vielleicht liegt das auch ein wenig daran, dass wir uns innerlich schon auf Peru einstimmen.

Zu den Bildern: 33 Chile – Der Norden

Peru - Der Süden

Machu Picchu und mehr

Januar 2013

Nachdem wir unsere letzte Nacht auf einem Camping in Arica, Chile, allein mit vielen Mücken verbracht haben, geht es nun auf die 20 km entfernte Grenzstation nach Peru zu. Unser Kühlschrank ist bis auf eine Knoblauchzwiebel leer. Die peruanische Lebensmittelkontrolle macht uns also schon mal kein Kopfzerbrechen, egal was sie suchen. Dass man an dieser Grenze einen Laufzettel braucht und wo man diesen bekommt, wissen wir auch schon. Frohen Mutes steuern wir also auf die Grenze zu.

Hier geht in der Tat alles sehr schnell. Der etwas schüchtern wirkende “Gemüsemann” öffnet ein paar Klappen, rührt die Knoblauchknolle in der Kühlbox nicht an und verlässt freundlich grinsend unser Auto, um noch schwungvoll seine Unterschrift unter unser Papier zu setzen. Der martialische Typ von der Drogenfahndung ist da schon genauer. Bei dem liebevoll verpackten Geschenk für die Enkeltochter reißt er das Plastik auf, weil er irgendwelche Drogen vermutet. Aber auch das ist schnell überstanden. Wir bekommen unsere Papiere und können weiter fahren.

Zunächst müssen wir nach Tacna, um eine Versicherung für unser Auto abzuschließen. Das kleine Städtchen überrascht uns aufs Angenehmste. Alles ist sauber und gepflegt. Lange halten wir uns aber nicht hier auf. Wir wollen heute noch nach Arequipa. Schließlich haben wir beim Grenzübertritt zwei Stunden gut gemacht. Heute ist das gut für uns. Aber um es gleich zu sagen: Es sollte eine Weile dauern, bis wir uns daran gewöhnen können, dass es um 5:00 hell wird.

Als wir Arequipa erreichen wird es bereits dunkel. Eine lange Fahrt durch eine grandiose Bergwelt liegt hinter uns. Keine so gute Voraussetzung, um unsere Unterkunft zu finden. Das Las Mercedes Hostal liegt nämlich mitten in der Innenstadt. Wir haben zwar die Koordinaten, aber es dauert doch etwas, bis wir das Eisentor in der langen Mauer entdeckt haben. Das ständige Gehupe zerreißt beim Suchen so manchen Faden im Nervenkostüm. Aber schließlich ist es geschafft, und wir können es uns auf der grünen Wiese hinter einer hohen Mauer gemütlich machen. Auch das Ambiente im Haus spricht uns sofort an. Die Wirtin ist eine sehr freundliche Frau. Wir sind ihr dankbar, dass sie das Paket mit den Ersatzteilen von unserem Sohn in Empfang genommen hat.

Der Reiseführer sagt uns, dass Arequipa auf 2300 m liegt und nur 80 km Luftlinie vom Pazifik entfernt ist. Dadurch herrscht das ganze Jahr über ein mildes und sonniges Klima. Im Moment regnet es allerdings. Und so lesen wir weiter: Die zweitgrößte Stadt Perus ist mit ihren 800.000 Einwohnern seit 2000 UNESCO Weltkulturerbe und bildet das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des südlichen Peru. Die beiden über der Stadt thronenden Vulkane, den 5.822 m hohen Misti und den 6.057 m hohen Chachani sehen wir heute wegen der dichten Wolkendecke allerdings nicht.

Nachdem wir die ausgezeichnete Internetverbindung des Hostals genutzt haben, um die Weihnachtspost zu erledigen, machen wir uns heute auf, um die Stadt zu erkunden.

Arequipa schmückt sich mit dem Beinamen die weiße Stadt. Als wir mitten auf der großen, bunten Plaza stehen, sehen wir das bestätigt: Um uns herum viele alte, historische Gebäude, allen voran die Kathedrale von Arequipa. Der wuchtige Bau nimmt die gesamte Seite der Plaza de Armas ein. Mit dem Bau der Kirche wurde 1629 begonnen. Die heutige, endgültige Form erhielt das Gebäude aber durch den 1844 abgeschlossenen Wiederaufbau nach einem Brand. Wenige Jahre später wurde sie durch das starke Erdbeben von 1868 erneut schwer beschädigt. Der beim Erdbeben von 2001 herabgestürzte Glockenturm wurde bis 2004 wieder aufgebaut.

Einen extra Tag nehmen wir uns Zeit für das Kloster Santa Catalina. In gutem Deutsch erklärt uns Janeth (sie hat in Freiburg studiert) das Bauwerk und das Leben seiner Bewohner.

Da die drei vorhandenen Klöster die Novizinnen nicht aufnehmen konnten, wurde 1579 diese Stadt in der Stadt gegründet. Viele der reichen spanischen Familien gaben ihre zweite Tochter damals ins Kloster und bezahlten ein erhebliches Mitgift, welches für den Unterhalt des Klosters eingesetzt wurde. Nur langsam setzte eine Liberalisierung ein und erst 1970 wurde das Kloster auf Initiative der verbliebenen Nonnen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Vollgestopft mit diesen interessanten, aber fremdartigen Eindrücken erholen wir uns bei einem Cappuccino und einem guten Stück Torte im Café des Klosters.

Nach fast zehn Tagen in dieser schönen Stadt brechen wir endlich auf zum Colca Canyon. Wir passieren die kleine Ortschaft Chivay und fahren auf einer schlimmen Piste aber durch eine atemberaubende Landschaft weiter bis zum Cruz del Cóndor. Dort schlafen wir gut auf dem Parkplatz, bis uns am nächsten Morgen die ersten Touristenbusse aus dem Schlaf reißen.

Noch schnell einen Kaffee und dann auf zum Mirador! Wir finden beide die Viecher ja ziemlich hässlich, aber es ist schon beeindruckend, wenn diese Vögel mit einer Spannweite bis zu drei Meter direkt an einem vorbeisegeln. Dazwischen ziehen immer wieder riesige Nebelschwaden durch das tiefe Flusstal, verdecken die Sicht, um wenige Sekunden einen ganz anderen Blick auf diese grandiose Bergwelt frei zu geben.

Nach vielen Stunden Fahrt über das peruanischen Andenhochland in bis zu 4000 m Höhe zunächst in nördlicher, dann in westlicher Richtung durch eine einsame Landschaft nähern wir uns langsam Cusco. Die Hauptstadt des Inkareichs ist weltbekannt geworden, nicht zuletzt durch die Entdeckung der geheimnisvollen Inkastadt Machu Picchu.

Wir quartieren uns auf dem unter Reisenden neben Ushuaia auf Feuerland wohl bekanntesten Campingplatz Quinta Lala ein und verbringen ein paar interessante und schöne Tage in der Stadt. Wir bummeln durch die Gassen, testen Restaurants, fotografieren mit und ohne Sonne, kaufen für unseren täglichen Bedarf. Vor allem Obst und Gemüse gibt es endlich wieder in Hülle und Fülle. Es ist köstlich und günstig. Auch den Auspuff am Toyota, der die letzten Tage immer lautere Geräusche von sich gegeben hat, lassen wir hier reparieren.

Um das Highlight Südamerikas, die Inka Stadt Machu Picchu sehen zu können, gibt es mehrere Möglichkeiten. Überteuert sind sie alle. Wir entscheiden uns, bis Ollantaytambo zu fahren. Von dort geht es mit dem Zug weiter bis Agua Calientes. Dort steigen wir in einen Bus um, der uns über endlose Serpentinen steil nach oben bis zum Eingang der Inkastätte bringt. Ab hier möchten wir euch auf unsere Bilder verweisen – und alle, die eigene Pläne schmieden, auf den Reiseführer oder diesen Link.

Weiter geht es nach Nasca. Die über 700 km verteilen wir auf zwei Tage. Dennoch bleibt die Fahrt anstrengend genug. Dreimal geht es auf über 4000 m, um dann wieder auf unter 2000 m zu fallen. Das Wetter ist schlecht. Immer wieder heftige Schauer. Geröll auf der Fahrbahn. Überflutete Flüsse, die die Straße über- und unterspülen. Dazu die Kamikazefahrweise der Peruaner, die ganz offensichtlich meinen, wenn die heilige Maria am Rückspiegel baumelt, kann eigentlich nichts passieren.

Nasca finden wir nicht besonders. Wir sind hier wegen der berühmten Linien. Um die richtig sehen zu können, muss man in die Luft. Da Jörg in so einem kleinen Flieger um seinen Mageninhalt fürchtet, geht Marjorie ohne ihn in die Luft. Nach der Rückkehr berichtet sie begeistert.

Die Bedeutung der Lienien und Flächen ist nicht geklärt. Die Zeichnungen werden einem Volk zugeschrieben, das etwa 200 Jahre vor Christi hier gelebt hat. Der Name Dr. Maria Reiche ist eng mit diesen Linien verbunden. Die Deutsche hat die Nascalinien zu ihrem Lebenswerk gemacht und sehr viel zu deren Erforschung beigetragen.

Etwas südlich von Nasca besuchen wir den Friedhof von Chauchilla. Ein Gräberfeld mit Mumien aus der Präinkazeit – nichts für schwache Nerven.

Auf dem Weg nach Norden machen wir Mittagsrast in der Oase Huacachina. Inmitten hoher Sanddünen liegt hier eine kleine Lagune mit ein paar Häusern darum herum.

Zum Schluss des Tages besuchen wir noch die Halbinsel Paracas, die das einzige Meeresschutzgebiet Perus beherbegt. Wind und Meer haben hier an der Küste skurrile Felsformationen entstehen lassen, wie zum Beispiel La Catedral. Diese Felsformation wurde allerdings durch das Erdbeben 2007 teilweise zerstört. Eine andere geheimnisvolle Sandzeichnung ist der Paracas Candelabra.

Zu den Bildern: 34 Peru – Der Süden

Peru - Der Norden

Von der Cordillera Blanca ins Amazonas-Tiefland

Januar 2013

Zunächst hatten wir uns ja überlegt, wie wir Lima, die Hauptstadt Perus, umfahren könnten. Aber da wir im Moment mitten in der Regenzeit stecken, wollten wir nicht durchs Gebirge fahren. Dann erfuhren wir die Adresse eines Hostals im Stadtteil Miraflores, in dessen Innenhof das Auto sicher steht. Also auf nach Lima. Die Angst vor den Bandidos und vor allem die Furcht vor korrupter Polizei einfach vergessen und hinein in den Moloch.

Um es vorweg zu nehmen, hineingekommen sind wir gut. Beim Herausfahren gab es ein paar kleine Probleme mit der Polizei. Jedenfalls waren wir froh, diesen Teil Perus ohne Zwischenfälle abhaken zu können.

Aber der Reihe nach. Das Hitchhiker Hostal in Lima ist wirklich eine gute Adresse, um in Lima sicher zu stehen. Auch wenn man nur durchreisen will. Wir wollen dann doch etwas von der Stadt sehen und fahren mit einem Taxi in die Innenstadt. Ins Zentrum zu kommen, ist kein Problem. Aber zurück nach Miraflores wollen die ersten beiden Taxis nicht fahren. Erst das dritte Taxi nimmt uns dann mit. Komisch.

Die Altstadt von Lima hat durchaus einiges zu bieten. So viel, dass sie sich zum Weltkulturerbe der Menschheit zählen darf. Die Kathedrale, die zwischen 1535 und 1625 erbaut wurde, die Kirche und das Kloster von San Francisco und Santo Domingo, das uns am besten gefällt. Besonders beeindruckend finden wir auch das Convento de San Francisco mit seinem spektakulären Doppelturm, eines der interessantesten Bauwerke in Lima. Doch, wir wollen fair sein. Die quirlige Altstadt von Lima und der im Gegensatz dazu aufgeräumte Stadtteil Miraflores mit seinen tollen Restaurants gefallen uns so gut, dass wir dann doch drei Tage bleiben.

Wir hatten uns navigatorisch gut vorbereitet, die Stadt Lima nach Norden zu verlassen. Die Panamericana geht nämlich mitten durch die Stadt. Gut für uns, dass Sonntag ist. Polizei gibt es trotzdem jede Menge. Wir glauben schon, es ohne Kontrollen aus diesem Moloch heraus zu schaffen, als wir dann doch hinter einer Kurve angehalten werden. Der etwa vierzigjährige Beamte macht keinen guten Eindruck auf uns. Er will ein Papier nach dem anderen sehen – auch die Versicherungspapiere, was nach Auskunft anderer Reisender völlig unüblich ist. Nach ein paar weitern Fragen über das “Woher” und “Wohin” lässt er uns aber schließlich ziehen. Fast schon lustig ist dagegen die nächste Bekanntschaft mit der Polizei, weiter nördlich in der Küstenwüste. Der junge, durchaus sympathische Beamte, will keine Papiere sehen, sondern bittet uns um Trinkwasser, was wir ihm natürlich großzügig zur Verfügung stellen.

Wir fahren gemeinsam mit Phil und Angie bis zum Park Lomas de Lachay. Dort treffen wir auf Aly und Nuray, die mit ihrer vierjährigen Tochter in einem Landcruiser in Richtung Süden unterwegs sind. Wir verbringen eine ruhige Nacht. Das Frühstück am nächsten Tag zieht sich allerdings in die Länge, weil wir uns so viel zu erzählen haben.

Das nächste Ziel ist die Pyramidenstadt Caral. Nur Marjorie und Phil gehen auf eine Besichtigungstour – und sind begeistert. Die Anlage wird auf 3000 v.Ch. datiert und gilt somit als die älteste Stadt Amerikas.

Am nächsten Tag auf dem Weg nach Huaraz haben wir etwas Pech mit dem Wetter. Dennoch machen wir einen Abstecher zu den Puya Raimondis,den größten Ananasgewächsen der Erde. Diese Pflanzen fangen erst nach 50 Jahren an zu blühen und werden über 100 Jahre alt.

Die Stadt Huaraz liegt in einem schönen Tal, bietet aber selbst nichts Besonderes. Mehrfach wurde Huaraz von Erdbeben zerstört. Vieles ist wieder aufgebaut, aber so manches ist noch nicht fertig. So ragen zum Beispiel aus den beiden Türmen der Kirche oben noch die Armierungseisen heraus.

So fahren wir schnell weiter, denn wir wollen zu den Lagunas Llanganuco. Die Fahrt auf sehr schlechter Straße ist grandios. Die beiden Lagunen gefallen uns, auch wenn der Wettergott uns immer noch nicht hold ist.

Das sollte sich am nächsten Tag ändern. Bei wunderschönem Wetter und einer ruhigen Nacht im heimeligen Ort Caraz brechen wir zur Laguna Parón auf. Die Zufahrtsstraße ist etwas besser und führt durch eine liebliche Berglandschaft. Wir machen eine fünfstündige Wanderung bis an das Ende der Lagune und sind danach völlig erledigt, aber glücklich.

Um das Gebirge wieder zu verlassen und an die Küste zu kommen wählen wir den Canón del Pato. Dieser Canyon beeindruckt uns ganz besonders. An der schmalsten Stelle kommen die Cordillera Blanca und die Cordillera Negro bis auf wenige Meter zusammen. Die Straße führt dabei durch fast 40 Tunnels.

Die letzten Kilometer führen dann wieder auf gute Teerstraße bis zur Panamericana. Wir fahren weiter durch die drittgrößte Stadt Trujillo hindurch bis zu dem kleinen Badeort Huanchaco. Uns fällt auf, dass der Strand dort recht sauber ist. Aber da wir keine “Strandurlauber” sind, zieht es uns bald weiter.

Nach langem Überlegen haben wir uns entschlossen, die östliche Route durch den Norden Perus zu nehmen, um nach Ecuador zu reisen. Ein durchaus umstrittenes Unterfangen! Aber erstens wollten wir unbedingt nach Kuélap, der neben Machu Picchu wohl interessantesten Ruinenstätte Perus. Und zweitens – wozu haben wir einen Toyota Landcruiser?!

Der erste Teil der Strecke bis Cajamarca ist asphaltiert und problemlos. In Banos del Inca finden wir einen sicheren Stellplatz für die Nacht. Die Bäder des Inka sind Thermalbäder, wo sich der Inca-König Atahualpa befunden haben soll, als die Spanier in Cajamarca einfielen.

Das Abenteuer beginnt am nächsten Tag. Die Fahrt geht durch eine großartige Berglandschaft, durch viele kleine Dörfer und vor allem sehr viele Baustellen zuerst nach Caledin, dann nach Balsas. Dort überqueren wir den Rio Maranón, einen Quellfluss des Amazonas. An der Brücke müssen wir wieder eine ausführliche, aber korrekte Polizeikontrolle über uns ergehen lassen.

Dann geht es noch einmal bis auf 3400 m hoch. Es ist bereits dunkel, als wir endlich unser Ziel, das kleine, putzige Städtchen Leimebamba erreichen. Marjorie hat mal wieder einen guten Riecher und findet mitten in der Stadt ein nettes Hostal, wo wir sicher und umsonst (!) im Innenhof stehen dürfen. Klar, dass wir dort zu Abend essen – die beste Forelle, die wir bisher in Südamerika hatten. Zufrieden fallen wir sofort in tiefen Schlaf.

Das Museum von Leimebamba ist unbedingt zu empfehlen. Sogar Jörg ist begeistert und das will doch nun wirklich etwas heißen 😉

Noch am selben Tag fahren wir weiter bis Kuélap. Im Vergleich zu Machu Picchu ist es hier nicht überlaufen und kaum touristisch. Kuélap ist der Name einer ehemaligen Festung der Chachapoya. Der Ruinenkomplex ist entweder durch einen steilen Abhang oder durch eine über 20 Meter hohe Mauer gesichert. Es ist noch nicht alles restauriert, aber einige der Rundbauten mit den typischen Dächern sind wieder hergestellt. Der Abstand zwischen den Häusern ist oft so schmal, dass zumindest Jörg seine Mühe hat, durchzukommen 😉 Auch der Eingang ist steil und sehr schmal. So war er halt gut zu verteidigen.

Auf dem Weg zurück ins Tal haben wir wieder Oscar getroffen, einen deutschstämmigen Reiseleiter, der in Chachapoyas wohnt und uns schon am Vortag über den Weg gelaufen war. Er empfiehlt uns eine Unterkunft in Jaén, unserem nächsten Ziel.

Die Straße dorthin ist neu und gut. Es geht zunächst wieder durch eine lange, enge Schlucht, durch die sich der Rio Utcubamba zwängt. Das Tal ist zum Teil sehr eng und die Straße liegt tiefer als der zurzeit Hochwasser führende Fluss. Also hat man zwischen Fluss und Straße eine dicke Betonmauer gebaut.

Nach einer nicht sehr angenehmen Nacht in der Gerätehalle eines Hotels in Jaén machen wir uns auf die letzten Kilometer in Peru. Die Straße ist zunächst gut und fast bis nach San Ignacio, der letzten peruanischen Siedlung vor der Grenze, geteert.

Doch danach gestaltet sich die Fahrt immer schwieriger. Eine Baustelle nach der anderen mit schlüpfrigem Lehm, weil es inzwischen wie aus Kübeln schüttet. Tiefe Wasserlachen, Spurrillen von den riesigen Baumaschinen. Am schlimmsten sind die steilen Abfahrten mit seitlicher Neigung. Weil das Fahrzeug so schwer ist, rutscht es immer wieder hinten weg, auch wenn Jörg ohne Bremsen nur im zweiten Geländegang fährt. Jörg ist so aufgeregt, dass er dem Landcruiser immer wieder gut zuredet. Viel zu spät erreichen wir die überdimensionale Brücke bei Namballe / La Chonta an der Grenze zu Ecuador. Noch sind wir guten Mutes, denn wir ahnen nicht, was uns noch bevor steht.

Für unsere jungen, Toyota-begeisterten Leser noch eine klare Aussage: Jörg hat nie behauptet, dass er Offroad-Spezialist ist. Der Landcruiser kann sicher mehr, als er sich selbst zutraut. Vor diesem Hintergrund war das für ihn die schwierigste und gefährlichste Fahrt, die er je gemacht hat. Die Lagunenroute in Bolivien entlang der chilenischen Grenze war zwar eine Strapaze für das Auto, aber nicht gefährlich. Wir haben von Jaén in Nordperu bis Vilcabamba für knapp 300km 14 Stunden gebraucht. Die Strecke ist nur mit einem guten Allrad-Fahrzeug zu bewältigen, zumindest in der Regenzeit.

Zu den Bildern: 35 Peru – Der Norden

Ecuador

Klein aber fein

März 2013

Die Einreise nach Ecuador gestaltet sich problemlos. Wir sind die einzigen Reisenden an diesem kleinen Grenzübergang mitten in den Bergen. Auf schmaler Straße geht es durch eine herrliche Bergwelt und bei gutem Wetter flott bis Zumba, der ersten Siedlung in Ecuador. Dreimal hält uns Militär auf. Die Jungs sind sichtlich überrascht, uns hier zu sehen. Nachdem sie uns aber sorgfältig in ein dickes Buch eingetragen haben und ein paar freundliche Worte gewechselt sind, dürfen wir weiterfahren.

In Valladolid stehen wir vor einer geschlossenen Schranke. Öffnung in zirka zwei Stunden, lautet die Auskunft. Aber dann ist es finster! Es beginnt schon zu dämmern. Was tun wir jetzt? Wir kurven durch das kleine Nest, um die Plaza herum und finden nichts. Frustriert kehren wir zu der geschlossen Schranke zurück. Inzwischen stehen zwei einheimische Pickups vor uns, die sich offensichtlich auch zum Warten entschlossen haben.

Tatsächlich kommt nach einer halben Stunde der Gegenverkehr. Nach einer weiteren halben Stunde lässt man auch uns fahren. Inzwischen ist es stockdunkel. Die Strecke ist schwierig. Eine Baustelle hinter der anderen. Die großen Baufahrzeuge sind immer noch am Arbeiten und blenden uns mit ihren starken Scheinwerfern. Der Regen hat wieder eingesetzt. Es schüttet wie aus Kübeln. Schon zehn Stunden gefahren. Unsere Stimmung ist mehr als gedrückt.

Plötzlich ein riesiger Dreckhaufen quer über die Straße. Warum haben die den nicht weggeräumt, wenn sie Fahrzeuge durchlassen?!? Rechts ist vielleicht noch eineinhalb Meter Platz, dann kommt ein Wassergraben und dann der Berghang. Der erste Pickup kommt mit Schwung durch. Der zweite fährt zu weit rechts und landet im Graben. Mit vereinten Kräften kommt er wieder frei – und fährt einfach weiter! Aber das erste Fahrzeug wartet auf uns, falls wir Hilfe brauchen. Das ist beruhigend.

Jörg legt die hinteren Differentiale ein und zwingt sich zur Ruhe. In seinem Kopf klingt der Spruch: “Toyota – nichts ist unmöglich.”. Im zweiten Geländegang fährt er an und versucht, sich so weit wie möglich links zu halten. Das Auto neigt sich bedenklich nach rechts und landet mit dem hinteren Rad doch noch halb im Graben. Aber das macht nichts. Ein wenig mehr aufs Gaspedal gedrückt und auch wir als letztes Fahrzeug sind durch.

Nach langer, anstrengender Fahrt durch stockdunkle Nacht, erreichen wir endlich unser Ziel – Hostal IZHCAYLUMA in Vilcacamba. Drei Tage haben wir hier eingeplant. Es sollten fast drei Wochen werden!

Das kleine Städtchen Vilcabamba heißt auch das Dorf der Hundertjährigen, weil hier offensichtlich alles stimmt, um ein gesegnetes Alter zu erreichen. 120 Jahre bei vollem Lebensgenuss sollen hier durchaus drin sein – sagt man. Der Ort liegt auf 1 600 m Höhe und weißt das ganze Jahr ein mildes, frühlingshaftes Klima auf mit Temperaturen zwischen 18° und 28°C. Von Oktober bis Mai herrscht Regenzeit. Wir erleben am Morgen meist Sonnenschein mit ein paar Wolken, bis dann am Nachmittag sich der Himmel schließt und der Regen einsetzt.

Dass wir hier fast drei Wochen hängen bleiben, liegt an den beiden Brüdern Dieter und Peter. Sie haben hoch über dem Ort ein echtes Paradies geschaffen. Es gibt Unterkünfte für jeden Geldbeutel. Schöne Bungalows und eben auch Stellplätze für Overlander. Ein schicker Pool, ein Spa-Bereich, sowie Restaurant mit phantastischer Aussicht und natürlich eine Bar runden das Angebot ab. Eine ganz dicke Empfehlung von uns!

Es fällt uns schwer, freiwillig aus dem Paradies zu gehen. Aber schließlich soll es noch andere schöne Flecken in diesem kleinen Land geben. In Loja machen wir kurz halt, um endlich eine Versicherung für unser Auto abzuschließen und in die Waschanlage zu gehen, damit wir unseren Landcruiser wiedererkennen. Selbst der Firmenchef ist erstaunt, wie viel Dreck an einem Auto hängen kann!

In Cuenca, der drittgrößten Stadt Ecuadors fühlen wir uns auf Anhieb wohl. Nahe am Zentrum finden wir einen Stellplatz, den man als Mischung aus Hostal, Campingplatz, Farm und Müllhalde bezeichnen könnte. Nach unserer Meinung verlangt Umberto, der Besitzer, einen viel zu hohen Preis. Dafür sind wir umso zufriedener mit seinem Bruder, der direkt nebenan eine Autowerkstatt betreibt, wo unser Landcruiser eine Generalüberholung verpasst bekommt.

Die Innenstadt gefällt uns. Wir schlendern entspannt durch die Straßen und landen im Museo del Sombrero. Hier und nicht in Panama wird der Panamahut hergestellt. Natürlich kaufen wir für uns beide ein Exemplar. Marjorie bekommt außerdem noch einen wunderschönen Sonnenhut, der Jörg ganz aufgeregt werden lässt!

Im größten Supermarkt der Stadt, in dem man wirklich alles bekommt, lernen wir Bob und Dorie kennen. Sie sind von der USA nach Ecuador ausgewandert und laden uns spontan in ihr neues Domiziel ein. Das amerikanische Paar aus Texas hat es zu Hause nicht mehr ausgehalten. In Texas haben sie ihre rießige Ranch verkauft und sich hier mitten in Cuenca eine Idylle geschaffen. In mühsamer Arbeit haben sie ein altes Stadthaus renoviert.

Weiter geht es überr Zhud, Alausi und Guamote nach Rio Bamba. Hier sind wir leicht unschlüssig, wie wir weiter fahren sollen. Denn unser Ziel ist eigentlich Banos. Was uns Kopfzerbrechen bereitet sind die unterschiedlichen Informationen über die Aktivität des Vulkans Tungurahua. Vor ein paar Monaten hat dieser sehr aktive Vulkan die am Fuße des Berges vorbeiführende Straße an mehreren Stellen zerstört. Nach der positiven Auskunft eines Busfahrers entscheiden wir uns dann doch für diese Strecke und bereuen es nicht! Obwohl das Wetter nicht besonders gut ist, erreichen wir nach einer beeindruckenden Fahrt den Touristenort Banos.

Hier genießen wir wieder einmal für ein paar Tage die Annehmlichkeiten des “Touristenlebens”. Da wir aber merken, wie sehr so eine “Lebensart” den Geldbeutel von “Langzeitreisenden” strapaziert, entschließen wir uns doch ziemlich bald zur Weitereise.

Es geht nicht weiter, sondern zurück nach Rio Bamba. Hier besuchen wir eine Schule, die von der Lörracherin Gabriele Errerd betreut wird. Wir sind angekündigt und werden auf freundlichste Weise empfangen. Wir verbringen ein paar sehr informative Tage mit vielen Gesprächen. Wer mehr über das Projekt erfahren will, der klicke hier.

Zwei Berge haben Jörg schon in der Schulzeit fasziniert: Der 6310 m hohe Chimborazo und der 5897 m hohe Cotopaxi. Beim ersten Berg schaffen wir es bis auf eine Höhe von 4800 m. Genauer gesagt, nicht wir, sondern der Toyota schafft es. Vom Parkplatz der unteren Schutzhütte haben wir eine tolle Panoramasicht. Beim zweiten Vulkan warten wir in dem wunderschönen Hostal Secret Garden bei einer Tasse Cappuccino, bis der Berg sich uns zeigte, was er dann auch prompt tut, allerdings nur für ein paar Augenblicke.

Die Hochburg der Taschendiebe, hatten wir über Quito gelesen. Und so sind wir sehr vorsichtig, als wir durch die Hauptstadt Ecuadors bummeln. Es ist ein Sonntag und die Innenstadt ist für den Autoverkehr gesperrt. Auch ist sehr viel Polizei zu sehen. So bummeln wir ganz entspannt durch die Straßen, auf denen wir nicht allein sind. Es ist schönes Wetter und ganz Quito scheint sich in der Innenstadt versammelt zu haben. Die Leute sind fröhlich und freundlich. Gaukler und Musikanten versammeln an fast jeder Ecke die Menschen um sich und bringen sie zum Lachen.

Quito ist auf jeden Fall eine Reise wert. Zahlreiche imposante Gebäude und Plätze machen die Altstadt zu einem ganz speziellen Erlebnis. Besonders beeindruckt hat uns die Kirche La Compania de Jesús. Einfach unglaublich – außen wie innen.

Auch hier in Quito müssen wir wieder ein wenig Werbung machen und zwar für Gerd und sein Hostal Zentrum (www.hostalzentrum.com). Die im Herzen der Hauptstadt gelegene, hübsche Altbauvilla strahlt einen ganz besonderen Charme aus. Dieser Stellplatz wurde uns schon von vielen Overlandern empfohlen und wir können diese Empfehlung in vollem Umfang weitergeben. Kommt man durch das Tor (2,63 m max!), erwarten einem alle Annehmlichkeiten, die das Camperherz begehrt. Hervorheben wollen wir insbesondere das tolle Frühstück, die vielen Tips und vor allem den Humor, den der zweiundachzigjährige (82!) Hamburger versprüht.

In de Mitte der Welt, dem Mitad del Mundo will sich kein besonderes Gefühl einstellen. Zwanzig Kilometer nördlich von Quito markiert ein riesiges Monument den Ort, wo der Franzose Charles Marie de La Condamine mit einer französischen Expedition 1736 als erster Europäer die genaue Position des Äquators bestimmte.

Zügig fahren wir weiter bis Mindo. Das kleine, putzige Dorf ist umgeben von Nebelwäldern. Auf Wanderungen rund um Mindo kann man viele Vögel und Schmetterlinge beobachten.

Für uns geht es zurück zur Panamerikana und weiter Richtung Norden. Bei der Sonnenuhr von Quitsa To südwestlich von Cayambe machen wir Mittagspause. Dieses Bauwerk liegt wirklich genau auf der Äquatorlinie. Wir erhalten eine genaue Erklärung und einiges Prospektmaterial.

Unsere letzte Station in Ecuador ist Otavalo. Hier besuchen wir den berühmten Samstagmarkt. Aus allen Ecken der Region kommen die Menschen, um zu kaufen und zu verkaufen. Die Farbenpracht der Einheimischen in ihrer traditionellen Kleidung fasziniert uns. Auch uns überfällt hier so richtig die Kauflust. Schließlich haben wir unsere bisherige Abstinenz immer mit dem Argument durchgehalten: Spätestens in Otavalo kaufen auch wir ein.

Zu den Bildern: 36 Ecuador

Kolumbien

Viel besser als sein Ruf

März 2013

Von Ecuador nach Kolumbien gibt es für die bösen Jungs inzwischen offensichtlich viele Wege, für den normalen Reisenden aber nur einen einzigen. Der führt auf der Panamericana von Tulcán nach Ipiales. An der Grenzstation herrscht ein reger Betrieb. Viele, viele Leute und (fast) noch mehr Lastwagen. Ein wenig lästig sind eigentlich nur die Geldwechsler auf kolumbianischer Seite mit ihren Bündeln von Geldscheinen, die einem gerne alle US-Dollar abnehmen.

Bei der Ausreise aus Ecuador dauert es für uns etwas länger, weil wir nicht im Computer sind. Selber schuld! Warum mussten wir uns auch den einsamsten Grenzübergang aussuchen, um von Peru nach Ecuador zu kommen?! Also schnell zum Copyshop und drei Kopien gemacht. Die freundliche Dame am Schalter winkt uns zu sich. So müssen wir nicht noch einmal anstehen.

Noch viel schneller geht es am kolumbianischen Grenzposten. Für die Personeneinreise tut’s ein Stempel im Pass. Für das Auto füllt der Beamte ein Formular aus, welches mit unserem kleinen Merkzettel in zirka zehn Minuten geschehen ist. Dann geht der Beamte mit uns zum Auto, aber nur um ein Foto zu machen. Ein buen viaje und wir sind in dem Land, vor dem wir so oft gewarnt wurden und das ja weltweit auch wirklich nicht den besten Ruf hat. Doch jeder Reisende, der aus diesem Land kam, sagte uns, dass die Dinge stetig besser werden. Darauf vertrauen wir.

In den ersten Tagen ist dieses “komische Gefühl” in uns ständig präsent, das uns daran erinnert, wie aktiv die Guerilla FARC überall im Lande noch ist. Auch die vielen Militärposten, insbesondere an Brücken und die zahlreichen Polizeikontrollen rufen uns ständig ins Gedächtnis, in welchem Land wir sind.

Dennoch oder vielleicht gerade wegen dieser starken Präsenz der Staatsmacht fühlen wir uns sicher. Besonders hervorheben möchten wir die Freundlichkeit und Korrektheit aller kolumbianischen Uniformierten. Das war nur noch in Chile so eindeutig positiv.

Vber auch die “normalen Leute” sind ausgesprochen freundlich und fröhlich, vielleicht auch ein wenig neugierig, aber immer höflich.

In Ipiales ziehen wir unsere ersten kolumbianischen Pesos aus dem Automaten und kaufen die SOAT Versicherung für unseren Landcruiser. Dann geht es weiter. Wir wollen noch vor Einbruch der Dunkelheit die erste Attraktion in Kolumbien besuchen.

Die Wallfahrtskirche von Las Lajas ist eine der bekanntesten Wallfahrtsorte Kolumbiens. Die beeindruckende und bezaubernde Kirche ist in einen Canyon gebaut. Wir parken unser Auto und steigen zur Kirche hinab. Alles wirkt putzig und irgendwie aus dem Bilderbuch. Viele Leute sind im Moment nicht da. Aus der großen Anzahl von vernagelten Bretterbuden, schließen wir, dass hier zu Ostern enormer Betrieb herrschen muss. Wir staunen auch über die zahllosen kleinen Täfelchen, die auf dem Weg zur Kirche an den Wänden befestigt sind. Es sind Danksagungen für alles nur Denkbare. Da freut sich jemand, dass die Tochter endlich ein Kind bekommen hat. Ein anderer bedankt sich, dass er heil mit dem Fahrrad aus dem Nachbardorf hierher kommen konnte.

Am Abend finden wir noch einen Stellplatz bei einer alten Dame im Hof. Nicht schön, aber sicher hinter einem schweren Stahltor. Unsere erste Nacht in Kolumbien verläuft sehr friedlich. Wir hören keine Autos und auch sonst nichts und haben einen guten, tiefen Schlaf. Als wir der netten Oma am nächsten Morgen etwas mehr bezahlen, ist sie derart erfreut, dass sie uns Beiden einen Becher mit einem roten Inhalt bringt. Wir nehmen den ersten Schluck und befinden es für trinkenswert. Als dann Jörg die vielen kleinen Fruchtkerne als Ameisen identifiziert, ist es mit dem Genuss vorbei. geschickt gelingt es uns, dass Getränk zu entsorgen, denn enttäuschen wollen wir die nette Oma natürlich nicht. Aber Fruchtsaft mit Fleischzusatz schmeckt uns auch nicht.

Weiter geht es auf der Panamericana Richtung Norden. Einen schönen breiten Highway haben wir uns vorgestellt mit fließendem Verkehr, auf dem wir gut vorwärts kommen. Weit gefehlt! Der Verkehr ist extrem. Teilweise einspurig schlängeln wir uns von Baustelle zu Baustelle. Das letzte Erdbeben hat hier im Süden viel Schaden angerichtet. Das Fahren erfordert höchste Konzentration, denn es sind viele Wahnsinnige unterwegs. Insbesondere die LKWs und Busse rasen wie die Irren und überholen an den unmöglichsten Stellen. Die vielen Geländewagen sind meist auch nicht besser. Hinter der nächsten Kurve kommt dir dann garantiert auf deiner Spur ein Pferdefuhrwerk entgegen. Oder du triffst auf eine Schar Hühner, die genug haben von der grünen Wiese. Am coolsten aber war der Hund, der die Mittellinie offensichtlich für ein sehr bequemes Plätzchen hielt und sich nicht im geringsten daran störte, dass beidseitig der Verkehr an ihm vorbeirauschte. Unglaublich. – Eine ganz fürchterliche Strecke, wäre unser Urteil, würde sie nicht durch eine atemberaubende Bergwelt führen.

Noch ein Phänomen, das wir bisher in Südamerika nicht kannten: Leute, die an der Hauptstraße betteln. Wir haben sie die Mützen-Bettler getauft. Das Betteln geschieht in unterschiedlicher Form. Da gibt es den alten Mann mit einer Schaufel in der Hand, die Schubkarre neben sich, der dabei ist, ein Schlagloch mit Sand zu füllen – Privatinitiative im Straßenbau sozusagen. Da er mit seiner Ausrüstung mitten auf der Fahrbahn steht, muss man warten, bis er den Weg frei macht. Das geschieht langsam, indem er uns ständig seine Mütze entgegenstreckt. Dann gibt es den jungen Mann, der den langsam dahinkriechenden Verkehr mit heftigen Armbewegungen weiter winkt, so als ginge es auf keinen Fall ohne ihn. Ist man dann auf seiner Höhe, bekommt man die Mütze entgegengestreckt. Ja, wenn das wenigstens helfen würde! Schon irgendwie frech finden wir die junge Dame im sehr kurzen Rock, die in einer steilen Linkskurve jedes Auto zum Anhalten zwingt, indem sie einfach abrupt in die Fahrbahn springt und ihr rotes Käppi schwingt.

Aha, endlich die erste Polizeikontrolle, die uns anhält und nicht einfach mit einem freundlichen Lächeln oder dem aufgestellten Daumen durchwinkt. Also Papiere raus und freundlich sein. Doch wieder täuschen wir uns. Der junge Polizist hat unseren Landcruiser als deutsches Auto erkannt und will nur wissen, was “amore” auf Deutsch heißt. Drei Sprechversuche folgen, dann können wir weiterfahren. Ein freundliches Land, fürwahr!

Aber wir sehen auch die Schwerarbeiter, die an einem unglaublich steilen Hang Rasensoden von Hand verlegen. Selbst sie halten in ihrer Arbeit inne und winken uns zu.

Die letzte Geschichte betrifft vier Jungs. Der große Truck vor uns mit dem 40-Fuß-Highcube-Container fährt schon seit ein paar Minuten vor uns her. Es ist zu gefährlich, ihn zu überholen. Am besten geht es an einem ganz steilen Stück, wo der Toyota deutlich schneller ist. So einen Steilanstieg sieht Jörg jetzt vor sich. Gerade will er zum Überholen ansetzen, als vier Jungs vom linken Straßenrand los spurten und ein paar Sekunden später hinten an dem Container hängen. Ob der Fahrer das gesehen hat? Zwanzig Kilometer fahren die vier blinden Passagiere mit. Jörg vergrößert den Abstand, aber das mulmige Gefühl bleibt. Was, wenn doch einer von den Jungs runterfällt? Im nächsten Dorf vor der Polizeistation springen sie ab. Hier sind sie daheim.

Wir sind froh, als wir Popayán erreichen, neben Cartagena die schönste Stadt Kolumbiens. Man nennt sie auch die weiße Stadt, denn die meisten Gebäude sind weiß gestrichen. Marjorie hat bei der Wegesuche inzwischen ein neue Methode entdeckt. Sie lautet: Beim nächsten Polizist anhalten, ihr schönstes Lächeln zeigen und nach dem Weg fragen. Meist wird es für Jörg dann ganz schnell ganz einfach. Dem Polizeiauto hinterher und ab durch die Mitte. Was für ein erhabenes Gefühl! Am Ziel ein Schnellstopp. Die Polizei springt aus dem Auto, das obligatorische Händeschütteln und wir haben auch noch einen freien Parkplatz mitten in der Innenstadt. Was für ein Land! Aber das sagten wir bereits.

Popayán gefällt uns auf Anhieb. Insbesondere die Altstadt mit ihren weißen Kolonialbauten und Straßenlaternen hat einen besonderen Reiz. Die Männer tragen hier meist Hut und Poncho. Sieht ziemlich lässig aus! Jörg überlegt kurz, wie das wäre, in so einer Aufmachung zu Hause herumzulaufen. Nach Marjories Kommentar lässt er diesen Gedanken schnell wieder fallen.

Die bekanntesten “alten Steine” Kolumbiens stehen in San Augustín. Der Weg dorthin führt von Popayan aus durch eine einsame Bergwelt. Auf manchen Streckenabschnitten fahren wir viele, viele Kilometer, ohne auf ein einziges Haus zu stoßen. Wir sind allein auf der Straße und wieder macht sich dieses komische Gefühl breit. Hier war eine der Hochburgen der Guerilla. Als wir endlich auf der anderen Seite der Cordilliere das erste Dorf erreichen, sind wir doch etwas erleichtert. Ein Militärposten mit gepanzerten Fahrzeugen am Dorfeingang. Die Soldaten winken uns lässig zu. Na also, alles halb so schlimm. Es soll auf dieser Strecke schon ein paar Jahre jetzt ganz “tranquillo” sein, wenngleich immer noch von Nachtfahrten abgeraten wird.

Fast fünf Stunden laufen wir durch die gepflegte Anlage mit den seltsamen Steinfiguren ganz unterschiedlicher Größe und den zahlreichen Grabanlagen. San Augustín ist Weltkulturerbe und beherbergt eine der wichtigsten und zugleich geheimnisvollsten archäologischen Fundstätten Südamerikas. Nachdenklich und sehr beeindruckt machen wir uns auf den Heimweg zu unserem Auto.

Da wir langsam wegen der Heimreise unter Zeitdruck geraten, werden unsere gefahrenen Streckenabschnitte immer größer. Aber in Salento müssen wir unbedingt Station machen. Zum einen soll Salento eines der schönsten Dörfer Kolumbiens sein. Zum anderen haben wir von einem wunderbaren Hostal gehört, ganz oben über dem Dorf, mit toller Sicht über die Berge und einem Hof, auf dem wir unser Auto sicher parken können.

Da es bei unser Ankunft schon finster ist, bekommen wir nicht mehr viel mit. Aber am nächsten Tag sind wir ganz begeistert über die tolle Lage. Obwohl es ab und zu leicht regnet, genießen wir die wunderbare Rundumsicht über diese grandiose Bergwelt. Da es aufhellt, machen wir einen Sonntagsspaziergang und erreichen das kleine, putzige Städtchen bei Sonnenschein.

Salento zeichnet sich durch seine koloniale Architektur, sein angenehmes Klima und seine sehr freundlichen Einwohner aus. Zwar sind die Straßen aufgrund Sonntags voller Menschen, aber das macht unseren Besuch besonders interessant. Alle sind gut gelaunt, die Musik ist laut und die Menschen tanzen zu rhythmischen Klängen, obwohl wieder leichter Regen eingesetzt hat.

Die Gegend um Salento ist die Wiege des kolumbianischen Nationalbaumes – der Wachspalme. Der hohe, schlanke Baum gibt dieser Landschaft hier eine besondere Note. Besonders schön ist das nahe gelegene Tal Valle de Cocora.

Eigentlich sind wir hier ja auch im Herzen des Kaffeelandes Kolumbien. Angesichts des Regens und der drängenden Zeit verzichten wir aber auf einen Besuch der zahlreichen Kaffeefarmen. Wir können das verschmerzen, denn in Guatemala und Costarica haben wir uns bei zwei sehr gründlichen Besuchen schon einmal demonstrieren lassen, woher das dunkelbraune Getränk in der Tasse kommt.

Bei strömenden Regen und im Berufsverkehr quälen wir uns durch die Großstadt Medellin, einst die Hochburg der Drogenbosse, heute angeblich eine der modernsten Großstädte der Welt. Wir wollen lieber in das kleine Bergdörfchen Guatapé und kommen auch hier wieder so spät an, dass wir erst am nächsten Tag feststellen können, wo wir eigentlich sind.

Durch einen gewaltigen Staudamm ist in diesen zerklüfteten Tälern eine unübersichtliche, weit verästelte Seenlandschaft entstanden. Neben der Stromgewinnung für die Großstadt Medellin ist so auch noch ein schönes Naherholungsgebiet entstanden.

Schon wieder ein Fahrtag. Ja, hier in Kolumbien “fressen” wir Kilometer. Über 720 km sollten es werden! Zunächst geht es nur langsam voran. Eine Kurve nach der anderen. Zwar asphaltiert, aber völlig verrückte LKW, Busse, PKW und Motorradfahrer auf diesem Asphalt! Wir sehen sehr viel Militär, Autopannen und Unfälle am Wegesrand. Und Armut! Eine karge Gegend, durch die wir fahren, mit Behausungen, wo uns die Worte zum Beschreiben fehlen. Das einzig großartige hier ist die Bergwelt.

Nach der Stadt Sincelejo wird die Landschaft ziemlich abrupt flacher und die Vegetation tropischer. Das Klima hier ist heiß und schwül. Bei Einbruch der Dunkelheit erreichen wir das Hotel Bellavista, eine “Absteige”, wo nichts “bella” ist, aber wahrscheinlich so ziemlich alle Overlander sich einquartieren, die ab Cartagena verschiffen, denn es gibt hier einen Hof, auf dem man mit dem Auto nicht weit von der Altstadt entfernt stehen kann.

So, es ist vollbracht. Mit Hilfe von Ernesto und seiner Frau Sonja steht unser Landcruiser jetzt in einem Container und wartet darauf, in See zu stechen. Wir wollen uns noch ein paar Tage Cartagena anschauen, bevor wir den Flieger nach Hause besteigen.

Die Altstadt von Cartagena de Indias gehört zum Welt-Kulturerbe der UNESCO und wurde in den letzten Jahren im Stil der Kolonialzeit komplett restauriert. Die Stadt ist blitzeblank sauber. Ständig sind fleißige Bienen am Putzen. Es gibt viele fesche Restaurants und edle Boutiquen. (Fast) überall stehen Polizisten oder Militär, die darüber wachen, dass keiner Abfall wegwirft oder jemandem anderen in die Tasche greift. Auch auf zu aufdringliche einheimische Straßenhändler haben sie ein Auge. Die Menschen hier sind ausgesprochen nett und hilfsbereit.

Wenn man so will, ist die gesamte Altstadt eine einzige Sehenswürdigkeit. Vom frühen Morgen bis tief in die Nacht hinein brodelt das Leben durch die engen Gassen mit den putzigen Häusern. Fliegende Händler, die alles nur Denkbare verkaufen. Dazwischen die Kaffeehändler, die für 10 Eurocents einen süßen, gebrühten Kaffee, tinto genannt, verkaufen.

Es soll nicht verschwiegen werden, dass in dieser Stadt Reichtum und Armut ganz nahe beieinander sind – sozusagen Tür an Tür. Aber wir haben uns nie unsicher gefühlt. Klar, dass wir auch hier die üblichen Vorsichtsmaßregeln beherzigt haben.

Die letzten Zeilen zu diesem Bericht entstehen bei einer Tasse Capuccino. (Was denn sonst?!) Vor uns auf der Straße tanzen gut gelaunte Menschen zu rhythmischen Klängen, wackeln mit dem Popo, lassen die Hüften kreisen. Karibik eben!

Manche Reisende bezeichnen Cartagena als die schönste Stadt Südamerikas. Wir nehmen den letzten Schluck Kaffee. Doch, das können wir unterschreiben. Cartagena ist ein würdiger Abschluss einer wunderschönen Reise. Ab jetzt geht’s nordwärts. Heimwärts.

Zu den Bildern: 37 Kolumbien

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