Camino 6

Tagebuch_2018-05-21

Cruz de Ferro, 1510 m hoch, einer der symbolträchtigsten Punkte des Jakobsweges. In uns brodelt ein Gefühlsmix, der schwer zu beschreiben ist. Wir haben unser erstes Ziel erreicht. Wir stehen auf dem Cruz de Ferro, dem höchsten Punkt des gesamten Caminos. Knapp 600 km sind wir gelaufen. Fast können wir es selbst nicht glauben, aber unser Körper sagt, dass es wahr sein muss. Und dann ist da noch Marjorie‘s Knie …

33 Tage sind wir unterwegs. In den drei großen Städten Pamplona, Burgos und Leon haben wir jeweils zwei Tage Pause eingelegt, um uns auszuruhen und weil es so viel Schönes zu sehen gab.

Nur unseren Kindern haben wir erzählt, was wir vorhaben, weil wir nicht wussten, wie weit wir es schaffen. Und jetzt stehen wir auf einem gewaltigen Steinhaufen und stützen uns an einem Eichenstamm, der an seiner Spitze ein schlichtes Eisenkreuz trägt. Über uns ein stahlblauer Himmel. Die Schneeberge im Westen markieren die Grenze zu Galizien. In der Morgensonne zeichnet das Weiß des Schnees eine scharfe Kontur gegen das Blau des Himmels. Was für ein Horizont. Was für ein Himmel.

Sue und Patricia, die beiden Südafrikanerinnen, deutlich jünger als wir, machen Bilder von uns. Dann umarmen sie uns ganz spontan und sagen, dass sie uns großartig finden. Irgendwie komisch für mich, aber ich gebe zu, dass ich heftig schlucken muss.

Dann gesteht mir Marjorie auch noch, dass sie die ganze Zeit einen kleinen Stein mitgeschleppt hat, den sie hier ablegt. Ich kann nicht erkennen, ob der künstliche Haufen größer wird. 😀 Aber jetzt liegt hier ein Stein aus Lörrach. Im Reiseführer lese ich: „Heute steht das Ablegen eines Steines als symbolisches Zeichen für das Ablegen innerer persönlicher Lasten.“